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Tennis : Endlich meint es Wimbledon gut mit Haas

Zum ersten Mal unter den Top-Acht in Wimbledon Bild: REUTERS

Rasentennis und Thomas Haas passten bislang nicht zusammen. Jetzt ist aber alles anders. Haas steht erstmals im Viertelfinale von Wimbledon - trotz eines Spiels auf dem Nebenplatz.

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          Als Tommy Haas 1997 zum ersten Male nach Wimbledon kam, da galt er als vielversprechendes Talent, von dem vor allem sein damaliger Trainer Nick Bollettieri nicht aufhören konnte zu schwärmen. Da wachse einer heran, der Grand-Slam-Turniere gewinnen werde, behauptete der Trainer-Guru aus Florida, und vielleicht war das eines der Probleme in der Karriere des gebürtigen Hamburgers. Denn schnell wurde klar, dass auch Haas selber das glaubte, dass er gerne hofiert wurde, auch wenn er noch nichts gewonnen hatte. Und so kam es, dass Kleinigkeiten den Deutschen häufig vom Weg abbrachten - etwa, wenn seine Partie auf einem der Nebenplätze angesetzt wurde statt auf einem der Showcourts. „Da kann ich mich einfach besser motivieren“, sagte Haas dann, wenn er relativ unbemerkt ausgeschieden war.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Als er am Samstag sein unterbrochenes Drittrundenspiel gegen den Kroaten Maric Cilic in der Verlängerung in fünf Sätzen gewonnen hatte, bekannte Haas, dass er diese Begegnung zehn Jahre vorher mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht siegreich beendet hätte. Und vermutlich gilt dies auch für das Achtelfinale am Montag, denn gegen den Russen Igor Andrejew musste Haas auf einem der Nebenplätze vor ein paar hundert Zuschauern antreten.

          Viel aber ist in seiner Karriere mittlerweile passiert, viel zu viel, um sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen, und viel Zeit bleibt ihm mit seinem 31 Jahren obendrein nicht mehr, um bei einem der Saisonhöhepunkte zum ungünstigen Zeitpunkt bockig zu reagieren. An diesem Tag hätte Haas vermutlich auch gewonnen, wenn seine Partie gegen den Russen auf einem der Parkplätze unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt worden wäre. Konzentriert und fokussiert vom ersten bis zum letzten Ballwechsel bestimmte der Deutsche dieses Achtelfinale und entdeckt offenbar plötzlich seine Liebe zum Rasen: Nach dem 7:6 (10:8), 6:4 und 6:4 steht er zum ersten Male im Viertelfinale von Wimbledon.

          Aufmerksame Zuschauerin: Haas-Freundin Sara Foster

          Wimbledon meinte es endlich einmal gut ihm

          Eine Erfolgsgeschichte war die Kombination Haas und Rasen bis zu diesem Jahr nie. Gerade in Wimbledon ist ihm allerlei Missgeschick mit Verletzungen und Erkrankungen widerfahren, garniert mit unglücklichen Niederlagen oder aber überraschenden Pleiten. „Wimbledon war nie richtig gut zu mir“, sagte er so vor vier Jahren, als er mit einer Bänderdehnung aufgeben musste. Wer weiß, wer weiß - manchmal muss man für sein Glück eben nur etwas länger warten.

          Denn in diesem Jahr gehörte der Deutsche ursprünglich nicht zu den gesetzten Spielern, was sogar die Wimbledon-Offiziellen bedauerten, weil Haas der Erste vom großen Rest war und sein Erfolg beim Rasenturnier von Halle nicht berücksichtigt werden konnte. Dann aber musste der Franzose Gael Monfils verletzt absagen und Haas rückte gewaltig auf: Er wurde gleich auf Position 24 gesetzt - Wimbledon meinte es endlich einmal gut ihm.

          Mit seinen 31 Jahren war er der älteste verbliebene Teilnehmer in diesem Achtelfinale, und plötzlich ist er einer, den alle auch auf Rasen und nicht nur auf den von ihm seit jeher bevorzugten Hartplätzen zu fürchten beginnen. Neun Spiele hintereinander hat Haas nun auf dem einst ungeliebten Untergrund gewonnen, dabei auf seinem Weg zum Turniersieg in Halle auch den Weltranglistenvierten Nowak Djokovic besiegt. Der Serbe, der den Israeli Dudi Sela 6:2, 6:4, 6:1 besiegte, ist nun sein Gegner im Viertelfinale am Mittwoch.

          Kein einziger Breakball gegen Haas

          Gegen Andrejew hatte Haas noch eine Rechnung offen, und vielleicht half ihm auch das, die Konzentration zu bewahren. Vor zwei Jahren beim Daviscup-Halbfinale in Moskau hatte der Russe ihn buchstäblich vorgeführt. Es war der bislang letzte Einsatz von Haas in der deutschen Mannschaft, und es war der schmerzhafte Anfang vom Ende des Traumes, mit Deutschland ein Finale im Daviscup zu erreichen. „Ich habe diese Partie nicht vergessen“, hatte Haas vorher gesagt und spielte dann so auf, als wolle er sich Schlag für Schlag revanchieren. Im ersten Durchgang nutzte er im Tiebreak seinen fünften Satzball zur 1:0-Führung, den einzigen Satzball des Russen hatte er zuvor nervenstark abgewehrt.

          Im Grunde war dies schon die letzte Möglichkeit für Andrejew, das Achtelfinale für sich zu entscheiden. Haas ließ keinen einzigen Breakball gegen sich zu, nahm dafür dem Russen in den beiden nächsten Sätzen jeweils einmal den Aufschlag ab und überzeugte mit klug durchdachtem Spiel.

          Und das alles auf Rasen - wer hätte das für möglich gehalten? Vermutlich Haas selber nicht, und vielleicht trumpft er deshalb so seltsam gelöst wie nie in seiner Laufbahn auf. Auch nach Paris war er zuletzt nur gefahren, weil er sich fit fühlte, und dort hätte er im Achtelfinale um ein Haar den Karriere-Grand-Slam von Roger Federer verhindert, als er dem Schweizer auf dessen Weg zum ersten Sieg auf Pariser Sand erst nach grandiosem Fünf-Satz-Kampf unterlag. „Man muss die richtigen Leute um sich haben oder sie finden“, sagt er zu den Gründen seines dritten Frühlings, und das klang ganz so, als habe er sie nicht immer gehabt. Besser aber spät als nie.

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