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Tennis : Ein Becker, der kein Boris ist

  • -Aktualisiert am

B. Becker? Ben Becker? Benjamin Becker! Bild: dpa

Seinen Jahresabschluß hat er schon im Spätsommer erreicht: der deutsche Tennisprofi Becker gehört zu den besten hundert der Welt. Jetzt strebt er nach einem klangvollen Klassiker in New York: ein Match „A. Agassi vs. B. Becker.“

          3 Min.

          Die Geschichte vom deutschen Tennisprofi Becker, den unbedarfte Sportfreunde augenblicklich für einen Boris halten, wiederholt sich immer und überall auf dieser Welt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im westfälischen Halle, wo Becker vor zwei Monaten sein erstes ATP-Turnier spielte, war er noch leidlich bekannt. Aber seither, ob in Wimbledon, Indianapolis, Los Angeles oder nun in New York, sind Zuschauer immer wieder aufs neue verblüfft, wenn ein „B. Becker“ auf dem Spielplan auftaucht, der aber kein Boris ist, sondern ein Benjamin. „Die Frage erwarte ich“, sagt der unbekanntere der beiden Namensvettern, „alles andere würde mich überraschen.“ Becker ist Hase und Igel zugleich. Wo immer der eine hinkommt in diesen Wochen, der andere war schon mal da.

          „A. Agassi vs. B. Becker“ ist möglich

          In den kommenden Tagen, wenn Wetter und Gegner mitspielen, dürfte sich Benjamin Becker sogar bei denjenigen Amerikanern einen eigenen Namen machen, die sich bei Profiturnieren gewöhnlich nicht an den Außenplätzen aufhalten. Sollte der Fünfundzwanzigjährige bei den US Open die zweite Runde überstehen und sollte auch Andre Agassi sein nächstes Match gegen Marcos Baghdatis gewinnen, dann könnte auf der Anzeigetafel des Arthur-Ashe-Stadions ein klangvoller Klassiker angekündigt werden: „A. Agassi vs. B. Becker“.

          Ein Duell des amerikanischen Altmeisters auf Abschiedstour gegen den aufstrebenden Spätstarter aus Deutschland würde das „Wahnsinnsgefühl“ weiter steigern, das Benjamin Becker schon nach seinem 4:6, 7:6 (7:3), 6:4, 7:6 (7:3)-Auftaktcoup gegen Filippo Volandri genoß.

          Unter den besten hundert der Welt

          Als 112. der Weltrangliste lediglich nach New York gereist, um sich für das Hauptfeld zu qualifizieren, sammelte der Saarländer gegen den 49 Plätze höher eingestuften Italiener am Montag genug Punkte, um seinen angestrebten Jahresabschluß schon im Spätsommer zu erreichen: unter den besten hundert Tennisspielern der Welt geführt zu werden. „Ich bin sehr selbstbewußt, ich spiele, sooft es geht“, sagt Becker, der die drei Qualifikationsrunden des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres ohne Satzverlust hinter sich brachte.

          Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor hatte Becker seinen ersten Ranglistenpunkt überhaupt gesammelt, durch zwei Matchgewinne bei einem unterklassigen Future-Turnier in der ecuadorianischen Großstadt Guayaquil. Seither verbringt er sein Leben so, wie er es eigentlich nicht geplant hatte: um die Welt tingeln und sich als Tennisprofi verdingen.

          Erfolge weckten die Lust an der Herausforderung

          Nach seinem Abitur 2000 zog der Junge aus Orscholz zunächst in die Vereinigten Staaten, um mit einem Tennisstipendium an der Baylor-Universität in Waco „Finance and International Business“ zu studieren. Zwei Jahre benötigte er, um sich in der texanischen Kleinstadt an Schulsystem und Lebensweise Amerikas zu gewöhnen, dann sei er „abgehärtet“ gewesen und habe sich „um 180 Grad gedreht.“

          Becker war in der Ferne erwachsen geworden und so ehrgeizig, daß er härter trainierte. Die ersten Erfolge weckten die Lust an der Herausforderung. Vor zwei Jahren holte er bei den College-Meisterschaften die Titel mit dem Baylor-Team sowie im Einzel. Wenn Benjamin Becker heute den Platz betritt, fühlt er sich geistig ebenso auf der Höhe wie körperlich. Er hadert nicht lange mit seinen Fehlern, sondern versucht, „in der Gegenwart zu bleiben und nicht an die Vergangenheit zu denken.“

          Mit Andy Roddick die Umkleidekabine geteilt

          Die neue Schlagfertigkeit und das Selbstvertrauen sind Früchte aus der Arbeit mit Tarik Benhabiles. Mit dem früheren französischen Profi und Coach von Andy Roddick trainierte der Deutsche seit Anfang des Jahres zumeist in Miami, was um so angenehmer ist, weil Beckers amerikanische Freundin im nicht fernen Fort Lauderdale lebt. Benhabiles habe ihm eingetrichtert, daß er Potential habe, daß er es noch weit bringen könne, sagt der Deutsche. Becker glaubt es gern, und sein Aufstieg in die Top 100 binnen eines Jahres scheint die Vorhersage zu bestätigen. Selbst dem Russen Dimitri Tursunow, in der Weltrangliste auf Position 25 notiert, forderte der Saarländer jüngst im brütendheißen Indianapolis alles ab, ehe er beim Stand von 3:6, 7:5, 1:2 entkräftet aufgeben mußte.

          So ganz angekommen in der großen Tenniswelt ist Benjamin Becker trotzdem noch nicht. „Es ist schon etwas anderes, wenn man mit den richtigen Profis spielt, die man aus dem Fernsehen kennt“, sagt er, der in New York von ein paar alten Kommilitonen aus Waco lautstark unterstützt wird. Agassis Erstrundenerfolg verfolgte der Orscholzer nach seinem eigenen Match als Zuschauer von der Tribüne aus, mit Andy Roddick, US-Open-Sieger 2003, hat er immerhin schon den Umkleideraum geteilt; gegen Roger Federer würde er am liebsten spielen, „um zu sehen, was er anders macht als ich“. In New York wird Benjamin Becker diese Lehrstunde sicher nicht mehr vergönnt sein: Die Wege des saarländischen Newcomers und des Schweizer Weltranglistenersten könnten sich erst im Finale kreuzen.

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