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DTB-Präsident Dietloff von Arnim : „Lasst uns bald wieder auf die Tennisplätze!“

Wann kehrt der Tennissport zurück? Bild: Imago

Der neue Präsident des Deutschen Tennis Bundes, Dietloff von Arnim, über seinen Plan für die Zukunft, das schwere Erbe von Becker und Graf und warum sein Sport in der Corona-Krise Teil der Lösung und nicht des Problems ist.

          4 Min.

          Sie folgen als DTB-Präsident auf Ulrich Klaus, der seine Kandidatur für eine Wiederwahl kurzfristig zurückzog. Warum hatten Sie das Gefühl, dass der Verband einen neuen Impuls benötigt?

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Das deutsche Tennis ist gut aufgestellt, das Präsidium hat gute Arbeit geleistet. Aber wir haben verschiedene Stellschrauben, an denen wir etwas ändern müssen. Das ist zum einen die Struktur, wir müssen uns professioneller aufstellen. Viele hauptamtliche Tätigkeiten werden bei uns im Ehrenamt ausgeübt. Da liegt ein klarer Auftrag an uns als Team. Außerdem müssen wir für Datensicherheit sorgen und auch die Vermarktungssituation des DTB verbessern. Dafür haben wir ein Konzept erstellt, das letztlich die breite Zustimmung erhalten hat.

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          Sie waren Turnierdirektor beim World Team Cup, führen eine Werbeagentur. Inwiefern können Sie von diesen Erfahrungen profitieren?

          Mit meiner Agentur betreue ich vor allem mittelständische Kunden. Als Dienstleister, so wie wir uns als DTB auch aufstellen und verstehen müssen. Beim World Team Cup habe ich ein Team geleitet, mit Sponsoren gearbeitet und einfach versucht, das Turnier besser zu machen und darzustellen. Dadurch habe ich einen Tennis-Background gewonnen, zuletzt dann als Landespräsident Niederrhein weiteres Knowhow gesammelt. Das hoffe ich einbringen zu können.

          Zu Ihrer Präsidiumsmannschaft gehören zwei Personen, die trotz der Wahl ihre Ämter als Präsidenten in Landesverbänden behalten. Dafür wurde eigens die Satzung geändert. Warum?

          Um unsere Ziele umzusetzen, brauchen wir die Mitarbeit der Landesverbände. Aus diesen heraus hat sich unser Team formiert. Unsere Arbeit wird auch weiterhin in den Landesverbänden und von der Mitgliederversammlung kontrolliert.

          Die Ethikkommission des DTB hatte dennoch vor Interessenkonflikten gewarnt.

          Nehmen wir als konkretes Beispiel an, dass wir als Präsidium eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags beschließen wollen. Dies würde in den Landesverbänden diskutiert und müsste dann durch den Bundesausschuss bestätigt werden. Das ist ein demokratischer Prozess, dem sich keiner entziehen kann. Ich sehe also die Kontrollfunktion als gegeben an.

          Sie fordern unter anderem, dass der Tennissport in der Corona-Krise anders auftritt. Was haben Sie bisher vermisst?

          Wir müssen deutlicher herausstellen, dass Tennis ein Individualsport ist. Und als solcher muss er differenzierter betrachtet werden – anders als Mannschaftssport oder Kontaktsport etwa. Wenn ich gerade eine Firmenveranstaltung mit 60 Leuten auf 700 Quadratmetern durchführen durfte, ist nicht nachzuvollziehen, warum zum Beispiel auf einem Tennisplatz von 600 Quadratmetern nicht zwei Leute, teilweise sogar aus demselben Haushalt, spielen dürfen. Tennis ist Teil der Lösung und nicht des Problems.

          Der neue Präsident des Deutschen Tennis Bundes: Dietloff von Arnim
          Der neue Präsident des Deutschen Tennis Bundes: Dietloff von Arnim : Bild: DTB/Klaus Molt

          Die Politik würde vermutlich dagegenhalten, dass es derzeit um die generelle Vermeidung von Kontakten geht. Also auch um die Anreise, die Umkleiden ...

          ... und damit bin ich absolut einverstanden. Wenn das das Risiko ist, können wir unseren Sport nicht ausüben. Aber wenn angefangen wird, den Sport zu öffnen, müssen wir den Individualsport und damit auch Tennis anders betrachten. Dafür setzen wir uns ein.

          Am Montag beginnen die Australian Open. Für uns fast undenkbar: Es werden täglich bis zu 30.000 Fans dabei sein. Nimmt der Tennissport in Australien eine Vorreiterrolle ein, die Sie sich auch hier in Deutschland wünschen?

          Die Australier haben ihre Maßnahmen sehr rigide durchgesetzt. Auch den Tennisspielern gegenüber. Das ist in Deutschland und Europa schwer zu kopieren. Für den Profisport kann ich eine solche Rolle deshalb nicht fordern. Im Breitensport aber, da bleibe ich dabei: Wir können das. Das haben wir auch im April und Mai schon bewiesen. Deshalb ist mein Appell: Lasst uns bald wieder auf die Plätze!

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