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Tennis : Die Schneeflocken-Trophäe verdrängt den Davis Cup

  • -Aktualisiert am

Am Wochenende Gegner: Der Kroate Marin Cilic (l.) und Philipp Kohlschreiber Bild: REUTERS

Tennis verschwindet nicht nur in Deutschland in der Nische. Kroatien empfängt in der Zeit nach Ivanisevic das deutsche Team im Davis-Cup nur in der Nebenhalle. Die deutschen Herren streben dennoch den ersten Auswärtssieg seit 1996 an.

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          Das Plakat an der Tür mit dem in Grün gehaltenen Titel Davis Cup ist so klein und bescheiden, dass man es fast übersehen könnte. Das Plakat daneben für den internationalen Wettbewerb der Formations-Eisläufer um die Schneeflocken-Trophäe ist deutlich größer und bunter, und die Aufteilung im Dom sportova passt dazu: In der größeren Halle des Zagreber Sport-Komplexes mit rund 6000 Plätzen laufen bis Samstag die Formationen, danach wird Eishockey gespielt; in der kleineren Halle mit 3600 Plätzen treffen sich die besten Tennisspieler Kroatiens und Deutschlands (13.15/ live in Sport1).

          Es gibt Zweifel, ob selbst die kleine Halle von Freitag bis Sonntag ausverkauft sein wird, denn den Kroaten geht es ähnlich wie den deutschen Spielern: Wenn einer wie Spitzenmann Marin Cilic auf Platz 20 der Weltrangliste steht, dann wird das zwar im Land registriert, aber es gibt immer Leute, die zu bedenken geben, früher sei alles besser gewesen.

          Früher, als Goran Ivanisevic noch spielte, der nach dem Wimbledonsieg 2001 in seiner Heimatstadt Split von 160.000 Menschen empfangen und gefeiert worden war. Auch Deutschlands Tennisspieler finden es eher nicht erbaulich, stets an den Erfolgen der glorreichen Ära Becker/Stich gemessen zu werden; Weltranglisten-Positionen wie die von Philipp Kohlschreiber (35) oder Florian Mayer (36) reichen offensichtlich nicht, um daran etwas zu ändern.

          Erster Auswärtssieg seit 1996

          Ein Sieg in Zagreb könnte eine kleine Hilfe sein, denn es wäre der erste Auswärtssieg in einer ersten Runde der Weltgruppe seit dem 5:0 gegen die Schweiz in Genf 1996. „Wir haben eine realistische Chance, hier zu gewinnen“, sagt Kohlschreiber dazu, „ich würde sagen, es steht 50:50.“ Auf diese Variante legt sich auch Florian Mayer fest, der im ersten Einzel gegen Marin Cilic (13 Uhr, live auf Sport1) spielen wird. Cilic war in der ganzen Woche kaum beim Training gesichtet worden, was er bei der Auslosung mit einer Erkältung erklärte.

          Nun aber sei er wieder fit und in Form - besser jedenfalls als vor ein paar Wochen, als er beim ATP-Turnier in Zagreb gegen Mayer verlor und dabei wie im vergangenen Jahr in Wimbledon nicht einen Satz gewann. Vorsichtig, wie er ist, wenn er nicht gerade eine eingesprungene Rückhand schlägt, gibt Mayer zu bedenken, die beiden Siege hätten nichts zu bedeuten angesichts der speziellen Atmosphäre im Davis Cup.

          Positive Bilanzen

          Auch Kohlschreibers Bilanz gegen Kroatiens Nummer eins ist positiv (4:2). Zunächst wird er aber gegen Ivan Dodig spielen müssen, der bei jenem Turnier in Zagreb den ersten ATP-Titel seiner Karriere gewann und derzeit in der Weltrangliste auf Platz 57 so gut dasteht wie nie zuvor. Philipp Petzschner, der kürzlich beim Turnier in Dubai gegen Kohlschreiber gewonnen hatte, wird beim Auftakt zunächst mit Freund und Doppelpartner Christopher Kas auf der Bank sitzen, aber mit der 50/50-Variante will er sich nicht begnügen. „Ich denke, wir sind das bessere Team, weil wir ausgeglichener besetzt sind“, sagt er. „Wir werden hier rausgehen und das Wochenende für uns gestalten.“ Das ist doch mal ein Wort.

          Im Doppel wird er jedenfalls mit einem Partner spielen, der im Moment ziemlich guter Dinge ist - mehr noch als sonst. Nachdem er im Doppel das Finale des Turniers von Delray Beach (Vereinigte Staaten) erreicht hatte, kam Kas rechtzeitig zu Hause an, um die Geburt seines zweiten Kindes zu erleben, des Knaben Rafael. Danach stieg er ins Flugzeug nach Zagreb, und wenn der Rest der Mannschaft diese Form des perfekten Timings übernimmt, dann könnte das Plakat fürs nächste Spiel vielleicht ein wenig größer ausfallen.

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