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Deutsches Aus im Davis Cup : Rumgeballert, draufgehämmert

  • -Aktualisiert am

Werbung für das deutsche Tennis: Das Team um Jan-Lennard Struff erhält ein Lob vom Verbandschef. Bild: EPA

Nach zwei verlorenen Einzel ist klar. Das deutsche Tennis-Team unterliegt Russland im Halbfinale des Davis Cup – macht aber einen sehr guten Eindruck.

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          Was will man machen, wenn die anderen keinen Spaß verstehen und am vorletzten Spieltag des Jahres so voller ungebremster Energie antreten, als sei es der erste Anfang Januar? Da war nichts zu machen, gar nichts. Nach zwei schnellen Niederlagen in den Einzeln gegen Russland führte der Weg der deutschen Mannschaft im Davis Cup am Wochenende nicht zum ersten Mal seit 1993 ins Finale, sondern direkt in die kurze Winterpause.

          Nun ist es nie leicht, sich mit einer Enttäuschung im Gepäck auf die Heimreise zu begeben, aber alles in allem wog dieses Gefühl deutlich weniger als die Erkenntnis, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben; einen sehr guten sogar.

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          Vor dem Halbfinale in der Madrid Arena hatte Kapitän Michael Kohlmann gesagt: „Unsere Jungs müssen ihre Leistung bringen und das spielen, was sie im Training zeigen. Wenn wir das trotz des Drucks – der sowohl für die Russen als auch für uns da ist – abrufen können, dann bin ich guter Dinge, dass wir unsere Chancen bekommen werden.“

          Aber diese Hoffnung ging vor allem deshalb nicht auf, weil des Gegners zweiter Mann, Andrej Rubljow, die richtigen Schlüsse aus den Spielen der Vorrunde gezogen hatte. Gegen den 40 Jahre alten Spanier Feliciano Lopez hatte er verloren, fast auch gegen den in der Weltrangliste nicht zu den besten 150 gehörenden Schweden Elias Ymer, und das, fand er, habe auch mit seiner zu lockeren Einstellung zu tun gehabt. Nach dem am Ende klaren Sieg gegen Dominik Koepfer (6:4, 6:0) war Rubjow mit sich zufrieden und sagte: „Heute war ich von Anfang an voll dabei, habe versucht, so gut zu spielen wie ich kann, um keine Hoffnung, keine Chance zu verschenken.“

          Koepfer bedient, Struff zufrieden

          Eine knappe halbe Stunde lang wehrte sich Koepfer nach Kräften, aber danach ging es schnell bergab. Im zweiten Satz, so erklärte er später bedient vor den Kameras von Servus TV, sei Rubljow einfach zu aggressiv gewesen, habe „rumgeballert und draufgehämmert“. Damit war klar, dass den Deutschen nur noch ein Sieg von Jan-Lennard Struff gegen Daniil Medwedew helfen würde, aber diese vage Möglichkeit verdampfte, weil Russlands Nummer eins mit ähnlich stahlharter Konzentration durchs Spiel marschierte wie zuvor Rubljow.

          Ein einziger unforced error von Medwedew im ersten Satz sprach Bände, im zweiten waren es ein paar mehr, aber mit der gleichen, hohen Aufschlagquote hielt er Struff auf Abstand. Der sagte hinterher, er sei zufrieden mit der Art seines Auftritts, er habe nur in zwei Spielen zwei, drei Fehler zu viel gemacht – „und dann zieht er weg. Aber er hat halt auch eine brutale Klasse.“

          Dominik Koepfer verlor sein Match im Halbfinale im Davis Cup deutlich.
          Dominik Koepfer verlor sein Match im Halbfinale im Davis Cup deutlich. : Bild: dpa

          Und das trifft eben nicht nur auf Medwedew zu, Nummer zwei der Welt, sondern auf das ganze russische Team mit Rubljow (fünf), Aslan Karatsew (18) und Karen Chatschanow (29). Aber im 2019 erneuerten System des Davis Cups mit nur noch zwei Einzeln sind die Chancen für Mannschaften mit größerem Gefälle in den eigenen Reihen gestiegen – sofern sie ein starkes Doppel haben.

          So wie die Kroaten, die mit einem Sieg über Serbien um Novak Djokovic im Finale gegen Russland landeten, vor allem auch dank der tatkräftigen Mithilfe eines gewissen Borna Gojo vom Weltranglistenplatz 279. Der gewann jedes Einzel auf dem Weg ins Finale, und was dann noch fehlte, das erledigte das derzeit beste Doppel der Welt, Nikola Mektic und Mate Pavic.

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          Das ging im Halbfinale auch zu Lasten von Djokovic, der sich nach der Niederlage im Doppel erschöpft in die Pause bis zum Beginn der neuen Saison verabschiedete. Er brauche jetzt vor allem erst mal Abstand nach dieser ereignisreichen, kräftezehrenden Saison, sagte er. Auch in seiner letzten Pressekonferenz ließ er allerdings offen, ob er im Januar bei den Australian Open spielen wird, wo bekanntlich nur geimpfte Spieler und Spielerinnen zugelassen sein werden.

          Aber noch mal zurück zur deutschen Mannschaft, die vom Präsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, nach den Auftritten in Innsbruck und Madrid ausdrücklich gelobt wurde. Das Team könne stolz auf sich sein, fand der Chef, das sei Werbung für den deutschen Tennissport gewesen.

          Und irgendwie passte es am Ende, dass der letzte Punkt im Halbfinale gegen Russland an jene beiden ging, die nach der Endrunde 2021 weiter unbesiegt sind, Kevin Krawietz und Tim Pütz, eine Bank im Doppel. Schwer zu sagen, ob und wie es mit dieser Kombination weitergehen wird, falls demnächst jener Mann ins Team zurückkehren wird, mit dem Krawietz zwei Grand-Slam-Titel gewann, Andreas Mies. So oder so jedenfalls beste Aussichten im Doppel, und der Ort der ersten Probe im kommenden Jahr steht auch schon fest – am ersten Wochenende im März 2022 muss das deutsche Team in Brasilien ran.

          Russisches Tennis-Team wird Davis-Cup-Sieger

          Nach dem Halbfinal-Erfolg über die deutschen Tennis-Herren hat sich die russische Auswahl zum ersten Mal seit 15 Jahren und zum insgesamt dritten Mal zum Davis-Cup-Sieger gekürt. Wie gegen das deutsche Team machten die stark besetzten Russen auch im Endspiel am Sonntag in Madrid den Erfolg über Kroatien bereits mit Siegen in den beiden Einzeln vorzeitig perfekt. Erst bezwang der Weltranglisten-Fünfte Andrej Rubljow den kroatischen Außenseiter Borna Gojo 6:4, 7:6 (7:5). Dann sicherte US-Open-Champion Daniil Medwedew mit einem 7:6 (9:7), 6:2 gegen den früheren Top-Ten-Spieler Marin Cilic den zweiten Punkt. Das Doppel wurde für den Ausgang der Partie bedeutungslos.

          Vor rund einem Monat hatte Russland in Prag auch bei den Damen den Sieg beim Billie-Jean-King-Cup gefeiert. Die deutschen Herren waren am Samstag gegen den Titelfavoriten im Halbfinale ausgeschieden. Der Deutsche Tennis Bund wartet damit seit 1993 auf einen Triumph in dem prestigeträchtigen und radikal reformierten Mannschaftswettbewerb. Die Kroaten hatten sich beim diesjährigen Endrunden-Turnier in der Vorschlussrunde gegen Serbien mit dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic behauptet. (dpa)

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