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Tennis : Deutsche im Abseits

  • Aktualisiert am

Angriffslustig: Maria Scharapowa Bild: AP

Anke Huber war 2001 die letzte Deutsche, die bei der Tennis-WM zum Saisonfinale mitspielen durfte. Diese Woche schlägt die Elite, dominiert von vier russischen Spielerinnen, in Madrid auf. Deutsche Damen machten 2006 nur durch Streit Schlagzeilen.

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          Die deutschen Tennisprofis stehen bei den Weltmeisterschaften wieder einmal im Abseits. Lang, lang ist es her, daß Boris Becker 1995 und Steffi Graf im Jahr darauf beim Saisonhöhepunkt triumphiert haben.

          Auch schon drei Jahre ist es wieder her, daß Rainer Schüttler als bislang letzter Repräsentant des Deutschen Tennis Bundes (DTB) beim Saisonhöhepunkt dabei war. Von den heimischen Tennisspielerinnen wird in diesem Zusammenhang schon seit 2001 nicht mehr gesprochen. Damals war Anke Huber in der Münchner Olympia-Halle mit von der Partie, schied aber gleich in der ersten Runde gegen eine damals 19jährige Belgierin namens Justine Henin-Hardenne aus.

          Deutsche im Urlaub, wenn Elite aufschlägt

          An diesem Dienstag beginnt in Madrid in zwei Gruppen im Round- Robin-Modus die Jagd der acht besten Tennis-Spielerinnen der Saison auf den WM-Titel mit dem Eröffnungsspiel zwischen Vorjahressiegerin Amélie Mauresmo aus Frankreich und der Russin Nadja Petrowa.

          Die Titelverteidigerin: Amelie Mauresmo
          Die Titelverteidigerin: Amelie Mauresmo : Bild: AFP

          Die deutschen Asse sind dann längst im Urlaub. Anna-Lena Grönefeld hatten die Experten zwar geringe Chancen eingeräumt, doch schon bei den Australian Open zeigte sich, daß die Nordhornerin einen weiten Weg bis in die Elite vor sich hat. Die Trennung vom beinharten Trainer Rafael Font de Mora hat die 21jährige sichtbar mitgenommen. Mit Platz 20 der Weltrangliste ist sie beste Deutsche, hinter den eigenen Erwartungen blieb sie freilich gewaltig zurück.

          Selbstzerfleischung im Damen-Tennis

          Grönefelds Rückschritt ging einher mit dem Abstieg des Fedcup- Teams, das im kommenden Jahr in der Zweiten Liga spielen muß. Ohne Julia Schruff und Martina Müller, die sich für das Abstiegsspiel in China angeblich zu schade waren. Daß sich Müller für viele Tennisfans fast unbemerkt auf Platz 35 der Weltrangliste verbessert hat, stimmte den Verband nicht milde. Mit lange vermißter Härte und Konsequenz verbannten die Funktionäre Schruff und Müller aus dem Fedcup-Team, was Trainerin Barbara Rittner strikt gefordert hatte.

          „Der Fedcup ist kein Kindergeburtstag“, hatte die Fedcup-Chefin klargestellt und betont: „Ich stehe zu dem Wort Mittelklasse-Spielerinnen. Dies gilt für den Fedcup - und da haben die Beiden eine 0:8- beziehungsweise 1:7-Bilanz aufzuweisen.“ Daß sowohl Müller, die im Leistungszentrum Hannover alle Annehmlichkeiten der DTB-Förderung genoß, als auch ihre Freundin Schruff schriftlich um Verbleib im Kader baten, nutzte ihnen letztlich nichts.

          Mit viel zu wenig zufrieden

          Ein ernstes Wort wäre auch in Richtung Thomas Haas angebracht. Der Hamburger hat seine besten Chancen, sich erstmals für den Masters Cup in Schanghai zu qualifizieren, fahrlässig vertan und damit auch dem Ansehen des deutschen Tennis geschadet. Daß ihn in Paris-Bercy eine Magen-Darm-Grippe heimsuchte und den möglichen Turniersieg im Halbfinale zunichte machte, ist sicherlich als Pech zu verbuchen. Daß Haas zuvor in Wien und St. Petersburg jeweils nur eine Runde überstand, darf dagegen getrost als Pleite bezeichnet werden. Damit hat der 28jährige den WM-Start eigentlich schon verloren und nicht erst durch den verpaßten Turniersieg beim Masters-Turnier in Bercy.

          An den Genius eines Roger Federer, die jugendliche Leichtigkeit eines Rafael Nadal und den Ehrgeiz der fleißigen Ivan Ljubicic oder Nikolaj Dawidenko reichen die deutschen Spieler nicht heran. Der Vorwurf, mit viel zu wenig zufrieden zu sein, scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Hinzu freilich kommen immer wieder Verletzungen und Krankheiten. Am schlimmsten hat es Nicolas Kiefer erwischt, der seit den French Open nicht mehr spielen konnte und trotz Operation noch immer an einer Handgelenksverletzung leidet.

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