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Tennis : Der Rubel rollt bei „Sugarpova“

  • -Aktualisiert am

Geschäft mit dem Zucker: Scharapowa und ihre Fruchtgummis Bild: dapd

Maria Scharapowa ist die erfolgreichste Frau im Sportbusiness. Bei den US Open ist sie zwar vorzeitig gescheitert. Mit ihrem gewieften Manager Max Eisenbud verkauft sie aber jetzt auch noch Fruchtgummi.

          3 Min.

          Maria Scharapowa hat viele Gesichter. Wenn sie auf dem Platz steht und den Aufschlag einer Gegnerin erwartet, blickt sie ebenso entschlossen wie verschlossen. Drischt sie danach verbissen auf die Bälle ein, stöhnt sie laut, ist ihr ein wichtiger Punkt gelungen, zeigt sie die Faust und einen Ausdruck, der von unbändigem Kampfgeist zeugt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem roten Teppich versteht es die Russin, gute Figur zu machen und auf amerikanische Weise ihr Kameralächeln anzuknipsen. Geht es um private Angelegenheiten wie jüngst die Trennung von ihrem Verlobten Sasha Vujacic, gibt sie sich der Öffentlichkeit gegenüber schmallippig und geheimnistuerisch. Mittlerweile spielt die 1,88 Meter große Maria Scharapowa sogar die kleine Süße. Das Objekt ihrer Begierde ist kein neuer Mann, sondern Fruchtgummi.

          Niederlagen nur auf dem Platz: Maria Scharapowa schied bei den US Open gegen Viktoria Asarenka aus

          Die Lieblingsmarke der plötzlich bekennenden Naschkatze heißt „Sugarpova“, was kaum überraschend kommt, hat die laut Weltrangliste zweitbeste Tennisspielerin und erfolgreichste Frau im Sportbusiness doch ebenjene Süßigkeit soeben auf den Markt gebracht. Fünf Dollar kostet das Tütchen, zu haben sind die Fruchtgummibälle in New York in einem Laden auf der Fifth Avenue, ein paar Schritte entfernt von dem Schokoladengeschäft, in dem ihr Kollege Roger Federer für Schweizer Trüffel wirbt. „Vielleicht bieten wir auch bald Schokolade und Karamell an“, sagt die Unternehmerin über die süßeste Versuchung, seit es Maria Scharapowa als Marke gibt. „Für meinen Körper hoffe ich aber, dass es nicht so weit kommt.“ Dick sein soll nur das Geschäft.

          Der Name „Sugarpova“ ist ein genialer Einfall. Er stammt von Max Eisenbud, dem gewieften Geschäftemacher, der Maria Sharapova, wie sie im englischsprachigen Raum geschrieben wird, zur zweitgrößten Weltmarke im Tennis nach Roger Federer aufgebaut hat. Früher auf dem College organisierte Eisenbud Studentenpartys, versuchte sich danach als Manager einer Rockband, die aber eine kleine Nummer blieb. Vorübergehend ohne Berufsperspektive, kam der einstige Nachwuchsspieler über einen guten Bekannten, den ehemaligen Profi Justin Gimelstob, eher zufällig ins Tennisgeschäft.

          Erfolgreichste Berater/-Spieler-Beziehungder Tennis-Geschichte

          Weil er keinen juristischen Abschluss habe, sagte Eisenbud in der „New York Times“, hatte er diesen Berufszweig zuvor für sich ausgeschlossen. Beim Vermarktungsriesen IMG gelandet, werkelte er so lange vor sich hin, bis er beim Spaziergang über Nick Bollettieris Tennisakademie in Florida ein zwölfjähriges Mädchen beim Draufhauen beobachtete. Er sprach das Talent und seine Eltern an, kümmerte sich zunächst um ein paar Kleinigkeiten, dann brachte er jene Maria Scharapowa groß heraus. „Man kann behaupten, dass Max und Maria die erfolgreichste Berater/-Spieler-Beziehung führen, die es in der Geschichte des Tennisspiels je gegeben hat“, sagt Andrew Walker, der Marketingchef der Profispielerinnenvereinigung WTA.

          Kongeniales Geschäftsduo: Maria Scharapowa (r.) und Manager Max Eisenbud

          Eisenbud ließ kleinere Unternehmen, die damals in die junge Russin investieren wollten, zunächst zappeln. Nachdem Maria Scharapowa schließlich 2004 als Siebzehnjährige in Wimbledon gewann, schloss er Sponsorenverträge mit Branchenriesen ab. „An jenem Tag änderte sich Marias Leben ebenso wie meines“, sagt der mittlerweile vierzig Jahre alte Eisenbud. „Plötzlich war ich vom Idioten zum geschicktesten Berater der Welt geworden.“ Bisheriger Höhepunkt seiner Geschäftstüchtigkeit war der 2010 aufgebesserte Achtjahresvertrag mit dem Sportartikelhersteller Nike, der für die Russin bis zu 70 Millionen Dollar abwirft.

          Eigener Shop: Scharapowa in New York

          In jedem der vergangenen acht Jahre galt die Russin als bestverdienende Sportlerin der Welt. 2011 strich sie laut Forbes 27,1 Millionen Dollar ein. Hinter der viermaligen Grand-Slam-Turniersiegerin führt Forbes die Tennisspielerin Li Na (18,4 Millionen). Die rasant unter die Spitzenverdienerinnen aufgestiegene Chinesin wird seit 2009 beraten von - Max Eisenbud. Zwei Jahre nach dem Beginn der Zusammenarbeit gewann Li Na die French Open. Seither können sie und Eisenbud bei den Sponsorenangeboten aus dem Vollen schöpfen.

          Der Aufstieg des Tennistalents Maria Scharapowa zu einem Superstar, der fast acht Millionen Fans auf Facebook hat, und, was für die Vermarktung das Wichtigste ist, weit über die Sportwelt hinaus berühmt ist, wurde schon vor fünf Jahren an der Harvard Business School wissenschaftlich erforscht. Grundlage des Erfolges sei es zunächst gewesen, behauptet die Wirtschaftsprofessorin Anita Elberse, dass die Russin den Weg von Sibirien ins kapitalistische Amerika wählte.

          Geschäft mit dem Zucker

          Was sie wirklich beeindruckt habe, sei die Vermarktungsstrategie von IMG-Manager Eisenbud. „Wenn man die wenige freie Zeit berücksichtigt, die Maria Scharapowa das ganze Jahr über bei ihren Trainingseinheiten und Turnierreisen bleibt, ist die Wertschöpfung innerhalb von nur zwanzig Werbetagen sehr bemerkenswert.“ Bis heute bringt Anita Elberse ihren Stundenten bei, warum das Scharapowa-Business so erfolgreich funktioniert, und was den Reiz der Russin für Großunternehmen aus völlig verschiedenen Branchen ausmacht.

          Das neue Geschäft mit dem Zucker ist Maria Scharapowas erster Schritt in die Selbständigkeit. Anders als bei bisherigen Deals mit Unternehmen gehört ihr „Sugarpova“, sie hat ein geschäftliches Wörtchen mitzureden. „Ich kam an jenem Punkt, an dem ich mein eigenes Geld investieren wollte und die letzten Entscheidungen treffe“, sagt die Fünfundzwanzigjährige, die im Halbfinale der US Open am Freitag an der Weißrussin Viktoria Asarenka scheiterte. Den Laden schmeißt im Alltag aber Eisenbud - ohne Gehalt, wie er stets betont. „Max ist halb Agent, halb Familie“, sagt Maria Scharapowa, „er hat von Anfang an an mich geglaubt.“ Wenn sie Eisenbud und seine Familie in Miami besucht, nennen sie die beiden Söhne „Tante Maria“. Dass sie nun auch ihre eigenen Süßigkeiten mitbringt, macht die blonde Tante sicher nicht unbeliebter.

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