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Tennis : Andrea Petkovic geht ihren Weg

  • -Aktualisiert am

Zielstrebig nach oben: Andrea Petkovic ist unter den Top 20 angekommen Bild: REUTERS

Andrea Petkovic ist auf ihrer Reise durch die Tenniswelt schon weit gekommen. Auch Dank der Vernunft ihres Vaters. Aber ihr Potential hat die Hessin noch nicht ausgeschöpft - weder im Spiel noch bei den Sponsoren.

          4 Min.

          Es sei eine Reise, sagt Andrea Petkovic, eine lange, aufregende Reise. Eine Reise, die die Darmstädterin in der vergangenen Woche ins Halbfinale des 4,5-Millionen-Dollar-Turniers in Miami führte - und mitten hinein in die Schlagzeilen. Im Viertelfinale hatte die 23-Jährige die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki geschlagen, im Viertelfinale die Nummer sechs, Jelena Jankovic, erst dann war gegen Maria Scharapowa Endstation.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          150.000 Dollar Preisgeld, erstmals unter den besten zwanzig Spielerinnen der Welt notiert - Andrea Petkovic hat eine erfolgreiche Woche hinter sich, und dabei wurde auch die Sehnsucht deutlich, die in Deutschland schlummert, die Sehnsucht nach einer Renaissance des Tennissports hierzulande, der nach den Glanzzeiten von Boris Becker und Steffi Graf nur noch ein Schattendasein fristet. Die Erinnerung ist noch da, die Sehnsucht auch, und so war über Andrea Petkovic plötzlich Erstaunliches zu lesen. Man nannte sie in einem Atemzug mit Steffi Graf. Sie könne, hieß es, das neue Zugpferd der ganzen Sportart werden.

          Zoran Petkovic, 50 Jahre alt, sitzt auf der Terrasse vor dem Clubhaus des TEC Darmstadt, bei dem er als Tennistrainer arbeitet. Seine Tochter die neue Steffi Graf? „Verrückt“, sagt er. Steffi Graf sei eine Legende, habe 22 Grand-Slam-Titel gewonnen, wie könne man sie mit seiner Tochter vergleichen, die erst einmal im Halbfinale eines großen Turniers stand? Überhaupt hält Petkovic wenig von Vergleichen. „Andrea“, sagt er, „ist einen anderen Weg gegangen als alle anderen Spielerinnen auf der Tour, man kann sie mit keiner vergleichen.“

          Noch lange nicht zufrieden: Andrea Petkovic will noch mehr

          Kreuzbandriss als Wendepunkt

          Der andere Weg begann damit, dass Petkovic gar nicht wollte, dass seine Tochter Tennisprofi wurde. Er selbst hatte für Jugoslawien im Davis Cup gespielt, den großen Durchbruch aber nie geschafft. Die Tochter, deutsche Jugendmeisterin im Tennis, hatte nur Bestnoten in der Schule, die elfte Klasse übersprang sie und schaffte trotzdem ein Einser-Abitur. Vater Petkovic hätte die hochbegabte Tochter lieber bei einem Jura-Studium gesehen als im Tenniszirkus.

          Die Tochter aber setzte sich durch, zwei Jahre Probezeit handelte sie 2006 heraus, nebenher schrieb sie sich an der Uni für Politik ein, im Opel Corsa fuhr sie von Turnier zu Turnier, mal war Mutter Amira dabei, mal Schwester Anja, es ging voran, dann riss ihr bei den Australian Open 2008 das Kreuzband, sie musste ein Jahr pausieren, arbeitete in dieser Zeit an ihrer Fitness und spielte sich dann in der Weltrangliste nach vorn - bis ins Viertelfinale der Australian Open, bis ins Halbfinale in Miami führte ihre Tennisreise durch Höhen und Tiefen.

          Nicht alles auf eine Karte

          Seit Australien stehen die Sponsoren Schlange. Kein Wunder, Andrea Petkovic spielt nicht nur spektakulär, ist nicht nur klug und attraktiv, sondern auch schlagfertig und unterhaltsam, sie macht Musik, schreibt Kolumnen, dreht Videos, tanzt, ist ein rhetorisches Talent. Wie viele Sponsoren sie mittlerweile hat? „Zwei“, sagt Zoran Petkovic und lacht. Adidas und Wilson, einen für die Klamotten, einen für die Schläger, beide seit Jugendzeiten. Warum nur zwei? Weil Vater Petkovic immer Wert auf Unabhängigkeit legte. „Manager oder Vermarkter wollen Exklusivverträge, das ist nichts für uns, weil wir nicht wollen, dass jemand über uns entscheidet.“

          Die Petkovics haben, was Tennis betrifft, nie alles auf eine Karte gesetzt, die akademische Karriere der Tochter stand immer als Alternative im Hintergrund. Was man aus eigener Kraft schaffen kann, gut, aber niemals wegen eines Traums, dessen Ausgang ungewiss ist, abhängig werden - so hat es Zoran Petkovic immer gehalten. „Heute“, sagt er, „wollen alle Andrea haben.“ Ausrüster zum Beispiel. „Aber wegen ein bisschen mehr gehen wir nicht weg von Adidas, denn wir haben diese 5000 nicht vergessen, die wir von denen damals bekamen, als Andrea 15 war, und die für uns mehr wert waren als heute 50.000.“

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