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Tennis am Rothenbaum : Sommer, Sonne, Sandplatz-Wahnsinn

  • -Aktualisiert am

Frisch aus dem 3-D-Drucker: Nikolos Bassilaschwili hält die vorläufige Trophäe nach dem Gewinn der Hamburg European Open in hoch. Bild: dpa

Drei Top-Ten-Spieler, packende Spiele und Zverevs Rückkehr: Die Hamburg European Open haben einen sehenswerten Neustart. Doch im nächsten Jahr drohen dem Turnier am Rothenbaum gleich mehrere Probleme.

          Nein, diesmal gab es keinen jener mächtigen Silberpokale, die der Sieger kaum heben kann. Nach seinem Erfolg im Finale der Hamburg European Open gegen den jungen Russen Andrej Rublew hielt Nikolos Basilaschwili eine federleichte Kopie in der Hand, das Werk eines 3D-Druckers. Der echte Pokal mit einer Abbildung des letzten Ballwechsels der Partie wird später nachgereicht, aber das hat sicher keine Eile. Für Georgiens besten Spieler war es der dritte Titel der Karriere, der erste seit dem Sieg im vergangenen Jahr auf diesem Centre Court, und er ist damit der erste nach Roger Federer vor 14 Jahren, dem eine Titelverteidigung am Rothenbaum gelang.

          Als die Finalisten um die Trophäe aus dem Drucker spielten, hatte Alexander Zverev Hamburg verlassen, mit sehr gemischten Gedanken im Gepäck. Einerseits hatte es ihm gutgetan, beim ersten Auftritt in seiner Heimatstadt nach zwei Jahren Abstinenz die Unterstützung der Leute zu spüren; er sagte, es sei eine Wahnsinnswoche gewesen. Andererseits wog die Enttäuschung über die Niederlage im Halbfinale gegen Basilaschwili in etwas mehr als drei Stunden und nach zwei vergebenen Matchbällen schwer. Er habe alle Chancen auf der Welt gehabt, klagte er später, habe aber nichts daraus gemacht. „Ich muss meine Chancen besser nutzen. Das ist jetzt ein paar Mal schon passiert, dass ich mit Matchbällen verloren habe, und ich hoffe, das wird sich bald ändern.“

          Auch bei einer Niederlage im Mai in Barcelona gegen den Chilenen Nicolás Jarry hatte ihm nur ein Punkt zum Sieg gefehlt, desgleichen danach im Viertelfinale der BMW Open in München gegen Jarrys Landsmann Christian Garin. Bei der Rückkehr an den Hamburger Rothenbaum, wo er schon mit 16 gespielt hatte, konnte ihm niemand vorwerfen, er habe unter schwierigen äußeren Bedingungen nicht alles gegeben. Um zu ahnen, wie hart ihn die Niederlage traf, genügte ein Blick in sein Gesicht; darin spiegelten sich Erschöpfung und Enttäuschung, verbunden mit der Frage: Warum?

          Was Alexander Zverev am Rothenbaum fehlt

          Fraglich ist auch, ob ihn die Hamburger so bald wiedersehen werden. Im kommenden Jahr stehen die Hamburg European Open direkt nach Wimbledon und nur knapp zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio auf dem Programm; Zverev kleidete seine zu erwartende Absage in die Worte: „Da wird es sowieso schwierig.“ Und was fehlt, um ihn in den Jahren danach wieder in seine Heimatstadt zu locken? „Ein Hartplatz.“ Den Wechsel innerhalb kurzer Zeit vom Rasen Wimbledons auf den Sand am Rothenbaum und danach auf die Hartplätze in Nordamerika findet er kompliziert. Diesmal profitierte Hamburg von seiner frühen Niederlage in Wimbledon; hätte er dort die zweite Woche erreicht, wäre aus der Rückkehr in sein Kinderbett – für die erste Nacht, dann schlief er im Hotel – schon diesmal nichts geworden.

          Für das Turnier, das unter dem Namen Hamburg European Open und unter der Regie der österreichischen Direktorin Sandra Reichel und deren Vater Peter-Michael Reichel als Veranstalter einen sehenswerten Neustart hinlegte, passte diesmal vieles fast perfekt: Drei Top-Ten-Spieler am Start, darunter Zverev als lokaler Held, eine Woche Sonnenschein an der Alster, rund 60.000 Zuschauer, die beste Stimmung verbreiteten und extrem spannende Spiele sahen. Sandra Reichel sagt, sie sei überwältigt vom Zuspruch, den sie in dieser Woche allerorten erfahren habe, und sie lobte die erbauliche Kooperation mit dem Deutschen Tennis Bund, dem das Turnier gehört. Dessen Präsident Ulrich Klaus wagte sich ins Romantische, als er die Zusammenarbeit so bezeichnete: „Keine Zwangsehe, sondern eine Liebesheirat.“

          2020? „Es wird sicher schwierig“

          Eine Beziehung, die auf Harmonie, aber einstweilen nicht auf Rosen gebettet ist. Die Reichels machten kein Geheimnis daraus, dass sie für die Premiere kräftig in Vorlage gehen mussten, weil noch nicht genügend Sponsoren an Bord waren. „Uns war klar, dass wir erst mal investieren müssen“, sagte Sandra Reichel zum Schluss, „aber wir wissen, wie viel Risiko wir eingehen können.“ Und mit Blick auf die Konstellation anno 2020 fuhr sie fort: „Es wird sicher schwierig. Aber wir haben das erste Jahr gemeistert, wir werden auch das zweite meistern.“

          Natürlich ging es auch am letzten Tag des ersten Hamburger Turniers unter ihrer Regie nach der Zeit mit Michael Stich noch mal um die Diskussion, ob ein anderer (früherer) Termin oder ein anderer Belag (Hartplatz) auf die Dauer entscheidend zum Erfolg beitragen könnten. Aber die Chancen auf beides sind eher gering, und deshalb ist es vielleicht am besten, sich an den – in diesem Fall eher nüchternen – Worten des DTB-Präsidenten zu orientieren. „Wir haben jetzt diesen Termin“, sagt Ulrich Klaus, „und wir müssen und wollen das Beste daraus machen.“

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