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Trennung im Tennis : Lendl will nicht mehr Trainer von Zverev sein

  • -Aktualisiert am

Das passt nicht mehr zusammen: Ivan Lendl (links) und Alexander Zverev Bild: Picture-Alliance

Zuletzt hatte Alexander Zverev seinen Coach harsch kritisiert. Nun zieht Ivan Lendl die Konsequenzen. Überraschend ist allenfalls der Zeitpunkt. Immerhin sportlich läuft es für Zverev. In Hamburg zieht er ins Halbfinale ein.

          Sah es nicht nach einem traumhaften Szenario für Deutschlands größtes Sandplatzturnier der Männer aus, als der Tag der Viertelfinals bei den Hamburg European Open begann? In jeder der vier Begegnungen ein Spieler aus den Top Ten, darunter Alexander Zverev, die große Hitze hatte etwas nachgelassen, und wieder standen die Leute Schlange vor den Kassenhäuschen. Doch hinter der schönen Kulisse brannte ein anderes Thema. In der Nacht war auf Twitter der Beitrag eines australischen Tennis-Journalisten erschienen, der seit mehr als drei Jahrzehnten mit Zverevs Coach Ivan Lendl befreundet ist und in dem stand, der Amerikaner beende die Zusammenarbeit. Lendls Agent Jerry Solomon bestätigte die Meldung ein paar Stunden danach, Zverev selbst sprach am Abend nach seinem Sieg im Viertelfinale: „Es ist vorbei. Wir hatten verabredet, es nach dem Turnier zu verkünden. Ich war etwas überrascht, dass ich das über die Presse erfahren habe. Das war komisch für mich.“

          Überraschend an der Nachricht war allenfalls der Zeitpunkt, nicht aber der Inhalt. In einer Medienrunde zum Hamburger Turnier hatte Zverev in der vergangenen Woche über Nebengeräusche seiner Arbeit mit Ivan Lendl gesprochen, den er im August 2018 als Coach verpflichtet hatte. „Manchmal gehen wir auf den Tennisplatz, du trainierst zwei Stunden lang, und eine halbe Stunde davon steht er mit dem Rücken zu mir und erzählt, wie er am Morgen davor Golf gespielt hat“, klagte er da. „Ich habe ihm gesagt, dass er seinen Focus mehr auf Tennis konzentrieren soll.“ Starker Tobak – ausgerechnet jenem Mann fehlende Arbeitsmoral vorzuwerfen, der zu seiner Zeit als Spieler genau dafür berühmt gewesen ist.

          Doch es ist schwer vorstellbar, dass die Beziehung wirklich über Erzählungen an Loch 16 zu Ende ging; es hatte sich schon vor Wochen angedeutet, dass die Einrichtung mit zwei Coaches nicht oder nicht mehr funktioniert. Zverev hatte immer Wert auf die Feststellung gelegt, sein Vater Alexander senior sei der Chef im Trainerteam, der kenne ihn am besten und habe ihn in die Weltspitze geführt. Ob Lendl die Idealbesetzung für die Rolle des Nebendarstellers ist? Vermutlich nicht.

          Im Twitterbeitrag des australischen Freundes Craig Gabriel wird Lendl so zitiert: „Ich glaube fest an Sascha, der ja immer noch sehr jung ist. Ich denke, dass er eines Tages ein großer Spieler werden kann, dass er aber zur Zeit einige Probleme außerhalb des Tennisplatzes hat, die es erschweren, eine Arbeitsweise zu finden, die mit meiner Philosophie übereinstimmt. Wenn es um meine Arbeitsmoral geht, dann fühle ich mich sehr wohl bei der Behauptung, meine Erfolgsbilanz spräche für sich.“ Tatsache ist, dass auch der zweite Versuch mit einem zweiten Coach im Team offensichtlich nicht funktionierte. Sieben Monate, von Sommer 2017 bis Frühjahr 2018, dauerte die Zusammenarbeit mit dem früheren spanischen Spitzenspieler Juan Carlos Ferrero, Lendl war elf Monate an Bord.

          Zusammen feierten sie im November 2018 den bisher größten Erfolg in Zverevs Karriere, den Sieg bei den ATP Finals in London, und als sich die gesamte Mannschaft danach bei einer Bootsfahrt auf der Themse ablichten ließ, hätte man meinen können, sie sei unterwegs zu großen Zielen. Kurz danach war es mit dem gemeinsamen Weg vorbei; London sei der Anfang vom Ende seiner Zusammenarbeit mit seinem damaligen Manager Patricio Apey gewesen, hatte Zverev erzählt. Der Rechtsstreit mit Apey gehört zu den größten Baustellen auf den aktuellen Wegen, und alles in allem betrachtet ist es erstaunlich, dass er in diesem Jahr überhaupt 27 Spiele gewann, je vier bei den French Open in Paris, beim Turniersieg in Genf und als Finalist in Acapulco.

          Welche Schlüsse Zverev aus der neuesten Entwicklung zieht, und wie er die Dinge in diesem Jahr der Prüfungen zum Besseren wenden kann? Schon nach dem Scheitern der geschäftlichen Beziehung mit Ferrero hatten viele den Namen Boris Becker ins Gespräch gebracht, doch ein paar Stunden bevor Lendls Abschied offiziell bekannt wurde, ließ Becker zum wiederholten Male wissen, er stehe für den Job als Coach nicht zur Verfügung; er sei als Chef des deutschen Männertennis und als Kommentator für diverse Fernsehsender ausreichend beschäftigt. „Ich bin mit Sascha eng befreundet. Wenn ich ihn sehe, reden wir oft über Tennis in meiner Rolle als Teamchef, aber ich kann und will das nicht jede Woche machen. Das weiß er auch.“ Becker sagt auch, er habe Zverev geraten, sich nicht zu oft öffentlich den Frust von der Seele zu reden, „aber er ist 22 Jahre alt, und ich habe Söhne in dem Alter, die machen in der Regel nicht, was ich gerne hätte“. Am Ende führen nur selbst gemachte Erfahrungen zum Ziel.

          Zverev bei Heimturnier in Hamburg im Halbfinale

          Deutschlands Tennisstar Alexander Zverev hat sich bei seinem Heimturnier in Hamburg nach einer Energieleistung ins Halbfinale gespielt. Der 22-Jährige besiegte am Freitag nach einer Aufholjagd den Serben Filip Krajinovic in 2:21 Stunden mit 2:6, 7:5, 6:2. Der Weltranglisten-Fünfte lag im zweiten Satz bereits mit 2:5 zurück und schaffte doch noch die Wende. In seinem zweiten Halbfinale in seiner Heimatstadt nach 2014 trifft der an Nummer zwei gesetzte Zverev auf Vorjahressieger Nikolos Bassilaschwili. Der Georgier siegte 6:2, 6:3 gegen den Franzosen Jérémy Chardy. Vor Zverev musste in dem French-Open-Finalisten Dominic Thiem der Top-Gesetzte seine Ambitionen aufgeben. Der Weltranglisten-Vierte aus Österreich unterlag dem russischen Außenseiter Andrej Rubljow 6:7 (3:7), 6:7 (5:7). Im Halbfinale der mit 1,7 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung trifft der 21-jährige Moskauer am Samstag auf den Sieger der Partie zwischen Fabio Fognini aus Italien und Pablo Carreno Busta aus Spanien. (dpa)

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