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Zverev gegen Djokovic : „Mehr rennen und mehr leiden"

Alexander Zverev: „Es war mental nicht einfach, weil ich wusste, dass ich gewinnen musste“ Bild: Reuters

Alexander Zverev fühlt sich reif für den Urlaub. Doch vorher hat er im Halbfinale der ATP Finals noch etwas zu erledigen: das nächste Duell mit Novak Djokovic. Er weiß, was das bedeutet.

          3 Min.

          Reif für den Urlaub und noch ein gewaltiges Pensum auf den letzten Drücker abzuarbeiten? Kennt wohl jeder aus seinem Job. Wenn sich Akten, Aufträge und Anforderungen stapeln, hilft nur eins: Gedanken an die bevorstehende Freizeit verdrängen, Zähne zusammenbeißen und die Reserven mobilisieren, um die Arbeit möglichst zu einem guten Ende zu bringen. Meistens klappt’s ja irgendwie, mit letzter Kraft und Konzentration. Und dann kann das süße Nichtstun kommen.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Anders als gewöhnliche Arbeitnehmer genießt Alexander Zverev das Privileg, weitgehend eigenständig über Arbeitsaufwand und Ruhephasen entscheiden zu können. Er führt ja schließlich ein Familienunternehmen mit dem Geschäftsfeld Tennis und kann somit planen, bei welchen Turnieren er Punkte sammeln und Geld verdienen will. Das berufliche Vorankommen verkompliziert sich zwar durch die Anwesenheit von Konkurrenten auf dem Platz. Aber Zverev ist gut genug, die meisten Aufgaben auch bei schwindender Energie zu erledigen.

          So geschehen am Donnerstag in Turin, seinem letzten Arbeitsort in der laufenden Saison. Der 24 Jahre alte Deutsche bezwang bei den ATP Finals den gleichaltrigen Polen Hubert Hurkacz 6:2 und 6:4 und sicherte sich damit im dritten Gruppenmatch den nötigen zweiten Sieg, um ins Halbfinale des Jahresabschlussturniers der acht Besten einzuziehen – und seinen ersehnten Urlaub um mindestens zwei weitere Tage hinauszuzögern. „Ich bin glücklich, dass ich fokussiert geblieben bin“, sagte Zverev nach dem Match gegen Hurkacz, das nur 62 Minuten Arbeitszeit erforderte.

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          Die Aufgabe, die der Hamburger mit Wohnsitz Monte Carlo nun noch am Samstag zu erledigen hat, könnte allerdings anspruchsvoller nicht sein. Er wird es im Halbfinale mit Novak Djokovic zu tun bekommen, seines Zeichens Weltranglistenerster, fünfmaliger ATP-Finals-Gewinner und besonders auf Hartplätzen eine Großmacht. Dass Zverev die extrem knifflige Herausforderung meistern kann, hat er in den bisherigen zehn Aufeinandertreffen mit Djokovic dreimal bewiesen. Zweimal davon bei besonderen Gelegenheiten, im Endspiel der ATP Finals 2018 in London, als Zverev seinen bis dato größten Triumph feierte, sowie im Halbfinale des olympischen Tennisturniers von Tokio. Beim letzten Duell unterlag Zverev dem Serben im Halbfinale der US Open in fünf Sätzen. „Die Unterschiede zwischen den Topspielern sind sehr klein“, sagte Zverev im Blick voraus. Gegen Djokovic komme es darauf an, dass „die Details stimmen“.

          Gegen Hurkacz passte einen Satz lang alles sehr fein zusammen. Zverev startete konzentriert, mit einem Rückhand-Passierball erster Güte, und hielt das Niveau zunächst mühelos. Bis zum Stand von 4:0 hatte der Hamburger gerade einmal zwei Punkte abgegeben. Was immer der Pole zunächst versuchte, ob Grundlinienduelle, Stoppbälle oder Netzattacken – es endete meistens auf dieselbe Weise: Punktgewinn Zverev, Kopfschütteln Hurkacz. Nach nur 27 Minuten hatte der Deutsche den ersten Satz mit 6:2 für sich entschieden.

          Im zweiten Satz wurde es ein härteres Stück Arbeit. Für Hurkacz ging es nach zwei Niederlagen in den Gruppenspielen darum, seine erste Teilnahme an den ATP Finals ehrenhaft zu Ende zu bringen. Er servierte nun besser, während Zverev sich einige Nachlässigkeiten erlaubte. Aus kniffligen Situationen befreite sich der Weltranglistendritte mit starken Aufschlägen, sodass der Pole letztlich zu keiner einzigen Breakchance kam. Zverev verwandelte gleich seinen ersten Matchball, der ihm Platz zwei in der roten Gruppe hinter dem Russen Daniil Medwedew sicherte und das Kräftemessen mit Djokovic ermöglichte. Ihn erwarte nun „mehr rennen und mehr leiden“. Mit dem Sieg des Deutschen zerplatzten auch die Halbfinal-Hoffnungen des italienischen Nachrückers Jannik Sinner, der am Donnerstagabend im dadurch bedeutungslosen Match gegen den bereits als Gruppensieger feststehenden Medwedew 0:6, 7:6 (7:5) und 6:7 (8:10) verlor.

          Bei Zverevs dritter Halbfinalteilnahme bei den ATP Finals nach 2018 und 2019 wird es nicht zuletzt auf die Fitness ankommen. Zwar ist der Hartplatz in der Turiner Halle außergewöhnlich schnell, was die Ballwechsel mehr verkürzt, als vielen Spielern lieb ist. Doch Zverev hatte sich nach dem Halbfinalaus jüngst beim Masters-Turnier in Paris nur tageweise freigenommen, während Djokovic sich vor Paris sechs Wochen Auszeit gegönnt hatte. Seither hat er sieben Matches in Serie gewonnen und zeigt sich recht frisch. „Ich bereite mich auf ein sehr schweres, sehr langes Match vor“, sagte Zverev. Wenn’s gut läuft, hat Alexander Zverev auch danach noch was zu tun: im Endspiel.

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