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Waskes Tennis-Akademie : Wiedereinstieg in kleineren Dosen

  • -Aktualisiert am

Gleich wird wieder in die Hände gespuckt: Für Alexander Waske hat der praktische Teil seiner Arbeit wieder begonnen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Tennis Academy von Alexander Waske hat während der Corona-Pause die Zeit genutzt und ihr Konzept und ihre Methoden überdacht. Entschleunigung ist ein Teil des Neustarts.

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          Alexander Waske ist erleichtert. Die Zeit, die er noch vor einigen Wochen gezwungenermaßen hatte, „um wie jeder andere endlich mal den Keller auszumisten“, verbringt der ehemalige deutsche Davis Cup-Spieler nun endlich wieder auf dem Platz. Von Tag zu Tag kehrt in seiner Tennis-University mit Sitz in Offenbach wieder mehr Normalität ein.

          Nach den deutschen Amateur- und Profispielern, die spätestens seit der Corona-Lockerungen durch die Politik im Mai wieder trainieren durften, kehren nun auch die rund 40 Vertragsspieler aus der ganzen Welt allmählich zurück nach Deutschland, um das Training in der Akademie wieder aufzunehmen. Der globale Tennissport kommt in Bewegung. Mitte August soll es auf der ATP-Tour weitergehen, gab die Vereinigung der männlichen Profis kürzlich bekannt. Waske und seine Schützlinge haben wieder ein Ziel vor Augen, auf das sie hintrainieren können. Die Tage des Wartens und der Ungewissheit sind vorüber.

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          Verändert hat sich vorerst dennoch einiges und zwar nicht nur die personell neu besetzte Fitnessabteilung mit Marcus Lindner und Hannes Heyder: „Wir haben alles total entschleunigt und noch nie so trainiert wie jetzt“, sagt Waske. Das liegt zum einen daran, dass die Trainer darauf achten, im richtigen Maß wieder hochzufahren, um präventiv Verletzungen vorzubeugen. Zum anderen aber auch an Veränderungen, die Waske und sein Team vorgenommen haben. „Wir haben die Zeit genutzt, indem wir uns als Akademie in täglichen Videokonferenzen viele Gedanken gemacht haben, wie wir uns verbessern können – ganz besonders strukturell“, erklärt Waske, dem es dabei um tägliche Abläufe im Training, aber auch um grundlegende Fragen ging, auf welche Weise man beispielsweise den Tennissport den jungen Lernenden vermitteln will.

          Der Gedanke dahinter ist trivial, aber einleuchtend: „Alle erfolgreichen Leute probieren, aus jeder Krise etwas Positives zu ziehen. So machen wir das auch“, erklärt Waske. Derart viel Zeit, elementare Überlegungen anzustellen und Verbesserungspotentiale zu erkennen, wird es so schnell wohl nicht wieder geben. Viele Methoden und Konzeptionen kamen auf den Prüfstand – ein Waske zufolge notwendiges Vorgehen, um weiter gegen die großen Konkurrenten bestehen zu können. „Wir sind in einer Nische. Wir sind keine riesige Akademie und können deshalb nur über die Qualität kommen“, sagt der Tennislehrer, der einen Vergleich zur Autobranche zieht: „Wir können nicht VW oder Opel sein, weil wir keine 70 Tennisplätze haben.“

          Kleiner zu sein, muss jedoch nicht heißen, dass die eigenen Aushängeschilder weltweit mit weniger PS als die Konkurrenz unterwegs sind. Die Offenbacher Tennis-University, die von Waske 2010 gemeinsam mit Rainer Schüttler gegründet worden war, hat nennenswerte Erfolge vorzuweisen – auch wenn sie derzeit noch ohne Topspieler aus den vorderen Regionen der Weltrangliste auskommen muss: Angelique Kerber und Andrea Petkovic schafften mit Waske als Trainer den Sprung in die Top Ten. Der 19 Jahre alte Tscheche Jonas Forejtek gehört zu den vielversprechendsten Talenten im Herrentennis, gewann im vergangenen Jahr den Junioren-Grand-Slam-Titel bei den US Open und stand zwischenzeitlich auf Rang eins der Juniorenweltrangliste.

          Er könnte zur Galionsfigur der Akademie werden, falls er seinen steilen Aufstieg fortsetzen kann. Es ist ärgerlich, dass ihm in einer wichtigen Phase seiner Karriere die Möglichkeit verwehrt blieb, Matchpraxis zu sammeln. Allzu weit zurückwerfen sollte es den jungen Tschechen, der während der Corona-Pandemie immerhin genügend Zeit hatte, sein Abitur zu machen, aber nicht: „Alle haben dieses Problem. Außerdem muss nahezu jeder Profi irgendwann in seiner Karriere aufgrund von Verletzungen mal mit so einer Phase umgehen, in der er nicht trainieren kann“, sagt Waske.

          Dass nun Vieles wieder angelaufen ist und auch die Sommercamps öfter gebucht werden als noch vor zwei oder drei Wochen, erfreut die Verantwortlichen in Offenbach vor allem aus finanzieller Sicht. Mit der Einstellung des Trainings im März stoppte die Akademie auch die Forderungen von Zahlungen der Kunden. Über die Runden kommt die Tennis-University trotzdem: „Weil wir in der Vergangenheit gut und vorausschauend gewirtschaftet haben, werden wir mit einem blauen Auge davon kommen“, sagt Cornelia Heintz, die sich um Finanzen und Administration kümmert. Das liege auch an staatlichen Zuschüssen wie dem Kurzarbeitergeld, das die Tennis University für ihre Mitarbeiter beantragt hat.

          Der Aufwand, der derzeit während des Re-Starts betrieben wird, ist enorm: Jeder Spieler werde so behandelt, als würde er neu in der Akademie aufgenommen werden, erklärt Waske. Neue Trainingspläne werden erstellt. Immer wieder treten die Verantwortlichen deshalb in den Dialog mit Spielern und Eltern, erklären, warum nun zum Teil nur noch eine Trainingsstunde auf dem Platz pro Tag im Plan steht, wo früher zwei angesetzt waren. Das versteht nicht jeder, muss aus Sicht von Waske aber sein: Ein dosierter Wiedereinstieg und Transparenz gegenüber den Kunden sind momentan das Wichtigste für den ehemaligen Profi. „Bisher haben wir es geschafft, alles ohne Verletzungen wieder hochzufahren.“ Wenn es so bleibt, wäre das schon ein Erfolg. Wie viel darüber hinaus der frische Wind bringen kann, wird sich zeigen.

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