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Team Milram : Radeln um die Existenz

  • -Aktualisiert am

Ungewisse Zukunft: Milram und seine deutschen Stars Fabian Wegmann (l.) und Linus Gerdemann Bild:

Das Team Milram ist das letzte deutsche Pro-Tour-Team. Es muss „glaubwürdig erfolgreich sein“. Denn das Thema Doping wird es das ganze Jahr verfolgen. Michael Eder hat das Team bei seinen Saisonauftaktbemühungen beobachtet.

          5 Min.

          So trostlos, so unromantisch, so betongrau und nüchtern - so stellt man sich die Radsportwelt vor in Zeiten des Dopings und des Doping-Verdachts, und so ist dies ein Ort, wie geschaffen für die Zentrale einer professionellen Rad-Equipe. Wer zum Team Milram will, dem einzig verbliebenen deutschen Pro-Tour-Team, muss sich in einem tristen Dortmunder Industriegebiet über den riesigen Parkplatz einer Spedition kämpfen, vorbei an Lastwagen, Zugmaschinen, Hängern. Dahinter ein Zweckbau, zweistöckig, die „Teamzentrale“.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Achtzehn Schlafplätze gibt es darin; wenn die Materialwagen nachts von den Rennen zurückkommen, können Betreuer und Mechaniker hier übernachten. Vom Gebäude führt ein Zugang zu einer Halle, in der die Teambusse stehen und die Werkstatt untergebracht ist. Am Eingang stapeln sich Kisten mit Massageöl, Verpflegung, Bekleidung. In der Werkstatt hängen an rennfreien Tagen 75 Rennmaschinen und 200 Sätze Laufräder. Materiallaster stehen in der Halle und davor, zwei Reisebusse, ein Wohnmobil, 13 Begleitfahrzeuge. 200 Renntage hat Milram 2009 - es gibt viel zu tun, viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren.

          Ausstieg des Hauptsponsors droht

          Es ist eine wichtige Saison für das Team und dessen niederländischen Manager Gerry van Gerwen, es geht um die wirtschaftliche Existenz. Wenn alles schief läuft, könnte am Saisonende der Hauptsponsor abspringen. Die Nordmilch AG, die für ihre Marke Milram wirbt, hat nach den Doping-Fällen Schumacher und Kohl vom Team Gerolsteiner vergangenes Jahr angekündigt, ihr Engagement zu prüfen, ein Ausstieg zum Saisonende ist nicht ausgeschlossen. Also muss van Gerwen sein Team zu Erfolgen steuern - und durch ein Jahr ohne Doping-Auffälligkeiten. „Glaubwürdig erfolgreich sein“ - das ist die Maxime, die man im Team wie ein Mantra wiederholt. Allerdings hat es van Gerwen verpasst, wirklich Klarschiff zu machen.

          Der Mann für die Gesamtwertung und der Mann für die Sprints: Linus Gerdemann (l.) und Gerald Ciolek

          Mit Christian Henn hat er von Gerolsteiner einen Sportlichen Leiter verpflichtet, der seine Karriere 1999 nach einem positiven Testosteron-Befund beendete und später auch einräumte, mit Epo gedopt zu haben. Und gegen den Italiener Claudio Sprenger, einen von drei Teamärzten, steht der Vorwurf im Raum, er habe 1998 beim Team Polti dem Deutschen Jörg Jaksche Insulin gespritzt, ein Vorwurf, den der Italiener zurückweist. (siehe: Radsport: Milram steht zu Teamarzt Claudio Sprenger)

          Das Radsportjahr steht unter schlechten Vorzeichen - mal wieder

          Das Thema Doping wird sie das ganze Jahr verfolgen, das wissen sie bei Milram. Das Radsportjahr steht unter schlechten Vorzeichen, denn nicht nur der dopingverdächtige Lance Armstrong kehrt zurück, sondern auch eine ganze Reihe überführter Doper, die ihre Strafe abgesessen haben: Ivan Basso, Tyler Hamilton, Floyd Landis. Sollten sie die großen Rennen dominieren, sollten sie durch die Schlagzeilen radeln, wäre dies ein Fiasko für den Radsport, der weg will vom Ruf, nicht Rennen zu veranstalten, sondern Apothekenrundfahrten.

          Van Gerwen ist ein jovialer Mann, der zum Optimismus neigt und sein Team gerüstet sieht für die Saison eins nach Sprintstar Erik Zabel. „Wir wachen jeden Tag auf, und etwas Großes kann passieren“, sagt der Niederländer. Als es vor der Saison darum ging, ein neues Team zusammenzustellen, hatte er von Nordmilch die klare Vorgabe, ein „deutsches“ Team müsse her, eine junge Mannschaft, unbelastet von Doping-Fällen aus der Vergangenheit, mit klaren Strukturen und Zielen, Fahrer auch mit dem Zeug zum Star.

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