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Team Milram : Radeln um die Existenz

  • -Aktualisiert am

Obwohl einer der schnellsten Männer im Peloton, stand der Kölner im vergangenen Jahr beim Team High Road im Schatten von Mark Cavendish. Der Brite war noch einen Tick fixer, gewann vier Tour-Etappen; für den Deutschen blieben bei seiner Frankreich-Premiere zwei zweite und zwei dritte Plätze. „Es war nicht einfach für mich“, sagt Ciolek. „Wir waren supererfolgreich, aber ich habe meine eigenen Erfolgserlebnisse vermisst.“ Nun ist er nicht mehr als Anfahrer für Cavendish gefragt, nun fährt er auf eigene Rechnung. „Die Verantwortung liegt jetzt bei mir.“ Cavendish ist für Ciolek Vergangenheit, zumindest im eigenen Team.

Ein knapp 300 Kilometer langes Katz-und-Maus-Spiel - auch ohne Dopingjäger

Jetzt also Mailand-San Remo: ein faszinierendes Rennen, ein knapp 300 Kilometer langes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ausreißern und Sprintern. 300 Kilometer! „In den ersten vier, fünf Stunden“, sagt Ciolek, „musst du den Kopf abschalten. Das Rennen beginnt erst bei 150, 200 Kilometern. Bis dahin heißt es mitfahren und so viele Körner sparen wie möglich.“ 30, 40, manchmal 70 Kilometer dauert es, bis das Katz-und-Maus-Spiel erst einmal beendet ist, bis sich eine Ausreißergruppe gefunden hat, mit deren Besetzung alle Teams leben können. Dass eine frühe Ausreißergruppe bis San Remo durchkommt, ist bei einem so großen Rennen wie Mailand-San Remo nahezu ausgeschlossen.

Wenn die erste Gruppe steht, verläuft das Rennen erst einmal ruhig, dann kommt bei Kilometer 140 der erste Berg, der Passo del Turchino. Da gehen die Fahrer das erste Mal ans Limit, ebenso 50 Kilometer später am Le Manie, wo das Feld noch einmal auseinanderfällt. Aber es ist noch zu weit zum Ziel, deshalb läuft alles wieder zusammen und ordnet sich neu. „Man versucht, vor den Anstiegen vorne reinzufahren und sich dann ein bisschen durchreichen zu lassen“, sagt Ciolek, „aber nur so weit, dass man am Ende noch dabei ist“ - an Cipressa und Poggio, den beiden legendären kurzen Anstiegen vor San Remo.

Was lässt sich planen? „Zumindest die letzten beiden Anstiege“, sagt Ciolek. „Dass man vorher sagt, da brauche ich noch ein oder zwei Helfer, die vor mir sind, mir bei der Abfahrt den Seitenwind nehmen, und dass man noch einen vor sich hat für die letzten 2000 Meter.“ Wenn alles läuft wie gewünscht, dann sind, wenn es über den Poggio geht, am Ende noch Christian Knees und Peter Wrolich bei Ciolek, vielleicht auch Gerdemann als Joker. Welche Fähigkeiten müssen die Helfer haben? „Man braucht einen, der ein gutes Auge hat, der ruhig vor einem fahren kann, der für den Hintermann mitdenkt, damit man dahinter nicht ein Loch nach dem anderen zufahren muss.“ Der einen durch das ganze Chaos und die Hektik auf die Zielgerade fährt. Das alles kann man planen. Wie es dann allerdings aussieht in der Realität, das ist eine andere Geschichte. Geschrieben wird sie am Samstag in San Remo.

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