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Team Milram : Radeln um die Existenz

  • -Aktualisiert am

Das Ziel: Mindestens 25 Siege

Van Gerwen hat keine schlechte Arbeit geleistet, hat aus der Konkursmasse von Gerolsteiner Fabian Wegmann, Markus und Thomas Fothen, Peter Wrolich, Robert Förster und Ronny Scholz geholt und als Sahnehäubchen obendrauf Linus Gerdemann und Gerald Ciolek vom Team High Road, zwei junge Fahrer der Extraklasse, Rundfahrer der eine, Sprinter der andere, 26 und 22 Jahre alt. Gerdemann und Ciolek sind die Häuptlinge, alle anderen sind Indianer. Und es gibt eine klare Taktik, wovon man im vergangenen Jahr nicht reden konnte. „Letzte Saison“, sagt van Gerwen, „hatten wir zwei Strategien: Bei flachen Etappen war die Taktik Zabel, und bei allen anderen Etappen hatten wir überhaupt keine.“

Mit dem Allrounder Gerdemann (siehe auch: Radprofi Linus Gerdemann: Ein Beruf neben der Spur) und dem schnellen Ciolek wird sich das ändern, Milram hat nun andere Möglichkeiten. Mindestens 25 Siege will van Gerwen in dieser Saison einfahren, darunter einige „von spezieller Qualität“. Man könne bei jedem Rennen die Initiative ergreifen, sagt er, auch bei der Tour de France, wo alle Hoffnungen auf Gerdemann ruhen, der vor zwei Jahren schon einmal in Gelb fuhr. Van Gerwen hat die Teamzentrale in Deutschland installiert, und er will sie mit Leben füllen. Die Fahrer sollen regelmäßig nach Dortmund kommen, sich zum Training treffen und zum Entspannen in einem Wellnesshotel; hier soll die medizinische Betreuung stattfinden, es soll nicht mehr jeder sein eigenes Süppchen kochen können mit Zutaten, von denen keiner weiß; das Team soll nicht mehr so anonym sein wie in Zeiten, als die halbe Mannschaft aus Italienern bestand und man sich kaum sah abseits der Rennen.

Mailand-San Remo als Auftakt

„Bei uns gibt es eine klare Teamorder“, sagt Ciolek, „und das ist gut so.“ Dass einer wie Markus Fothen, bei Gerolsteiner jahrelang selbst in der Kapitänsrolle unterwegs, nun als „unterstützender Fahrer“ in die zweite Reihe rückt und wie alle anderen für die beiden erklärten Stars fahren muss, soll kein Problem sein. „Jeder Fahrer hatte von Anfang an eine klare Ansage und wusste, was auf ihn zukommt“, sagt Ciolek. Die Stimmung sei gut, von Grüppchenbildung keine Spur. Van Gerwen setzt auf den Ehrgeiz der jungen Mannschaft: „Alle wollen noch etwas erreichen, alle haben noch im Kopf, einmal ein Star zu werden. Letztes Jahr waren welche dabei, die keine persönlichen Ziele mehr hatten.“

Am Wochenende geht es los. Die Räder drehen sich, die Saison beginnt. Um Siege wird zwar schon seit ein paar Wochen geradelt - Quatar-Rundfahrt, Mallorca, Paris-Nizza, diese Woche noch Tirreno-Adriatico. Alles recht und schön, aber doch nur Ouvertüren. Das Konzert beginnt am Samstag mit dem fast 300 Kilometer langen Klassiker Mailand-San Remo, „La Primavera“, die Fahrt in den Frühling. „Die Eröffnung der Radsaison“, sagt van Gerwen, „alles andere ist Einrollen.“

Ciolek als Hoffnungsträger

Alle großen Teams werden präsent sein, und bei all der Publicity fehlt natürlich auch Armstrong nicht beim ersten großen Showdown in Europa. Mindestens zehn Fahrer haben eine Siegchance; wer gewinnen will, braucht neben einer perfekten Mannschaftsleistung die passende Tagesform. „Und alle Sterne müssen günstig stehen“, sagt van Gerwen. Sein Mann für die Zielgerade von San Remo ist Gerald Ciolek.

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