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TBV Lemgo : „Keine Hierarchie, keine Leitfigur“

  • -Aktualisiert am

Keine Zukunft in Lemgo: Trainer Markus Baur wurde noch vor Saisonstart entlassen Bild: dpa

Noch vor dem ersten Spiel der Handball-Bundesliga entließ der TBV Lemgo Trainer Baur und Sportdirektor Stephan. Große Hoffnungen waren in das Duo gesetzt worden. Hintergrund der Probleme war die strenge Hand Baurs und die sportliche Bilanz.

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          Die Worte vom Wochenende klangen derart bedrohlich, dass Markus Baur und Daniel Stephan wohl schon geahnt haben, was passieren würde. „Lemgo hat eine unglaublich enttäuschende Leistung in diesem so wichtigen Turnier gezeigt“, sagte Fynn Holpert, „man merkte ganz schnell, dass etwas nicht stimmt. So kann es nicht weitergehen.“ Der TBV hatte das Qualifikationsturnier zur Champions League im spanischen León gerade nach indiskutablen Leistungen sieglos beendet, und der mitgereiste Holpert war außer sich.

          Holpert war acht Jahre Geschäftsführer des TBV Lemgo. Nach einem Gastspiel bei der SG Flensburg-Handewitt arbeitet er seit Juli als Sportbeauftragter des mächtigen Lemgoer Hauptsponsors Heristo AG (Nahrungsmittel) und sitzt als Vorsitzender im einflussreichen TBV-Beirat. Er war gewissermaßen Vorgesetzter von Trainer Baur und Sportdirektor Stephan. Holpert sagte: „Die Mannschaft hat keine Hierarchie, keine Leitfigur. Ihr fehlt der Wille.“

          Am Dienstag suchte er das Gespräch mit den beiden ehemaligen Profis, am Mittwoch entließ der TBV seine Führungskräfte. Am Donnerstag verpflichtete Lemgo dann Volker Mudrow als Baurs Nachfolger und sorgte damit für die von Zerbe und Holpert versprochene „schnelle Lösung“. Mit dem Trainer Mudrow, im April in Wetzlar entlassen, war Lemgo 2003 deutscher Meister geworden. Immerhin sportlich hatten die Turbulenzen keine unmittelbaren Auswirkungen - gegen Magdeburg gab es zum Bundesliga-Start am Abend einen 38:30-Sieg.

          „Doch dann haben wir anders entschieden“

          Baur hatte im Januar 2008 in Lemgo begonnen; an seine Verpflichtung und die Zusammenarbeit mit Stephan und Geschäftsführer Volker Zerbe knüpften sich große Erwartungen, galt der einstige Spielmacher der Nationalmannschaft doch als Nachfolger Bundestrainer Heiner Brands. Beim TBV ist er nach nur anderthalb Jahren als Bundesligatrainer gescheitert.

          Auch daran, dass er die ehemaligen Mitspieler aus Furcht vor zuviel Nähe zu distanziert und zu streng führte: Das Team war schon in der vergangenen Rückrunde von Baur abgerückt, auch, weil er bis zur Schuhwahl und dem Essen alles vorgab. Diese stille Auseinandersetzung gipfelte in der Leistungsverweigerung von León. „Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagte Zerbe am Donnerstag. Er gab zu, dass man überlegt habe, Stephan als Trainer zu installieren. „Doch dann haben wir anders entschieden.“ Der ehemalige Welthandballer Stephan ist ein guter Freund Baurs. Als Sportdirektor war er ohne große Impulse geblieben.

          Seit Heristo den TBV „übernommen“ hat – im Beirat kommen fünf von sechs Personen vom Hauptsponsor –, wird in Ostwestfalen mit viel Geld versucht, zu alter Stärke zurückzufinden. Man spricht von fast sieben Millionen Euro Etat. So wurden in den letzten Jahren Michael Kraus, Holger Glandorf, Martin Strobel und Sebastian Preiß verpflichtet, allesamt wichtige Nationalspieler.

          Doch der Ertrag blieb aus: Zweimal scheiterte der TBV schon im Achtelfinale des EHF-Pokals. Eine Blamage für einen deutschen Klub. Nach starker Vorrunde wurde in der abgelaufenen Serie eine bessere Plazierung als der vierte Rang auch aufgrund von vielen Verletzungen verspielt. Spätestens, als Holpert aus Flensburg an die alte Wirkungsstätte zurückkehrte, war klar, dass es für Baur und Stephan ungemütlich werden könnte.

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