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Turn-WM in Stuttgart : Seht her: So tapfer sind wir!

  • -Aktualisiert am

Elisabeth Seitz bei ihrer Bodenübung – die Bandagen an den Füßen sind kaum zu sehen. Bild: dpa

Frauen müssen beim strapaziösen Bodenturnen bei der WM Bandagen in Hautfarbe tragen, um die Eleganz der Übung nicht zu stören. Die der leidenden Männer indes dürfen weiß leuchten. Warum ist das so?

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          Wie sich das wohl anfühlt? Sich in einem knappen Glitzer-Anzug vor mehr als 7000 Zuschauern auf den Schwebebalken zu schwingen und auf dem schmalen Grat allerhand Kunstschritte und Überschläge vorzuführen? Anderen zittert schon das Mikrofon, wenn sie nur etwas sagen müssen. Die Turnerinnen aber, manche erst 16 Jahre alt, halten gerade bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart serienweise der Nervenprobe stand. Man sieht die Leute von dort unten kaum hinter dem Scheinwerferlicht, man hört nur ihre Anfeuerungsrufe oder ihr Aufstöhnen.

          Da war es nicht weiter verwunderlich, dass einmal, während Simone Biles ihre umjubelte Bodenübung turnte, wenige Meter weiter eine Italienerin vom Schwebebalken fiel. Dieses furchterregende Publikum verwandelt sich dann. Wer purzelt, wird sofort aufgemuntert und mit Schwarm-Energie wieder aufs Gerät zurück geklatscht, egal ob Deutsche, Chinesin oder Amerikanerin. Dafür sind die Stuttgarter berühmt, und es ist jedes Mal wieder ein Moment der Aufmunterung, den alle genießen, nicht nur die zarten Wesen auf dem Schwebebalken.

          Unter einem anderen Aspekt betrachtet, ist das Leistungsturnen dem richtigen Leben wiederum ziemlich ähnlich. Auch dort existieren Phänomene der Gattung Männerschnupfen, der ja nur eine populäre Umschreibung der verbitternden Grundregel ist, dass Männer stets viel kränker sind als Frauen, egal was beide haben. Sie manifestiert sich hier im Bodenturnen, wie man zurzeit wieder in Stuttgart beobachten kann. Weil diese Disziplin besonders strapaziös für die Füße ist, treten immer wieder Zipperlein auf, die einen Sportler dazu zwingen, Bandagen zu tragen.

          Wobei die Frauen-Bandagen laut Reglement stets Hautfarbe haben müssen. Wieso? Um die Eleganz der Übung nicht zu stören nach dem Grundsatz, Schönheit muss leiden. Oder vielleicht doch eher, damit niemand sieht, dass auch Turnerinnen Schmerzen haben und nicht nur Turner? Die Bandagen der Männer nämlich dürfen so weiß leuchten, dass man es bis in die hinterste Reihe sieht. Sie werden getragen wie Ehrenzeichen. Seht her, Leute, signalisiert uns das: So tapfer sind wir!

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