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Talkshow-Auftritt : Ullrich wollte „Beckmann“-Sendung zensieren

  • Aktualisiert am

Offenbar mochte Ullrich die Fragen von Beckmann nicht Bild: dpa

Jan Ullrich lässt bei seinem Rücktritt keine Peinlichkeit aus. Wie der NDR bestätigte, forderte das Management des Radprofis, dass vor der Ausstrahlung der „Beckmann“-Talkshow der Fragenkomplex zum Thema Doping herausgeschnitten wird.

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          Jan Ullrich hat vor der Ausstrahlung der ARD-Talkshow „Beckmann“ am vergangenen Montagabend versucht, Einfluss auf den Inhalt zu nehmen. Nach Angaben des NDR verlangte das Management des ehemaligen Radprofis nach der Aufzeichnung und vor der Ausstrahlung der Sendung, den kompletten Fragenkomplex zum Thema Doping zu schneiden. Zudem sollte die Befragung des ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt erheblich gekürzt werden. Die Redaktion hatte beide Forderungen abgelehnt.

          Der NDR wies am Donnerstag zudem Vorwürfe von Ullrichs Anwalt Marcus M. Hotze zurück, ARD-Moderator Reinhold Beckmann habe sich nicht an angeblich im Vorfeld getroffene Absprachen gehalten.

          Pressekonferenz ohne Fragen

          „Wer in eine Talkshow geht, der muss mit Fragen rechnen“, sagte der NDR-Programmdirektor-Fernsehen, Volker Herres. „Herr Ullrich wusste, worauf er sich einließ. Davon, dass bestimmte Themenkomplexe vorher angeblich für tabu erklärt wurden, kann keine Rede sein.“ Ebenso sei kein „Gegensehen“ der Sendung durch Jan Ullrich und seine Berater verabredet worden.

          „Ullrich wusste, worauf er sich einließ”

          „Mit Herrn Ullrich ist lediglich der bei Talksendungen übliche Vertrag geschlossen worden“, betonte Herres. „Dass Talkgäste nach einer Sendung das Recht erhalten, Schnitte anzuweisen, entspricht weder dem journalistischen Selbstverständnis des NDR noch unserer Praxis.“ Ullrich hatte am vergangenen Montag vor der Aufzeichnung der „Beckmann“-Sendung eine Pressekonferenz abgehalten, in der den anwesenden Journalisten allerdings keine Fragen erlaubt waren.

          Sendung wird wiederholt

          Ullrich sei telefonisch und persönlich mitgeteilt worden, dass er zum Thema Doping kritisch befragt wird, sagte Herres. Am Sonntag vor der Sendung habe es das bei Talksendungen übliche Vorgespräch gegeben; zu den Teilnehmern gehörten Jan Ullrich und Reinhold Beckmann, ebenso wie die Redaktionsleitung und Ullrichs Manager. „Dabei wurden Themen der geplanten Sendung vom Montag besprochen: insbesondere die Doping-Vorwürfe, Ullrichs Rücktritt sowie Höhen und Tiefen seiner Karriere“, sagte Reinhold Beckmann.

          Laut Ullrich-Sprecher Michael Lang habe es eine Vereinbarung gegeben, wonach der Ex-Profi und seine Frau Sara die einzigen Studiogäste sein würden. „Mit Befremden stellten wir fest, dass dann ein Studiogast zugeschaltet wurde“, sagte Lang zu der Einblendung des Gesprächs mit Seppelt. Der Redaktion von „Beckmann“ sei nach der Sendung ein Schreiben zugestellt worden, in dem sie an ihre Zusagen erinnert worden sei. In dem Brief sei zudem der Wunsch geäußert worden, auf Wiederholungen zu verzichten.

          Der NDR sieht nach Angaben von Herres keine Veranlassung, die Sendung für Wiederholungen zu sperren. Gerichtliche Verfügungen in dieser Hinsicht seien im Sender nicht eingegangen.

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