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Vier Frauen 42 Tage auf Ozean : „Das war eine Wahnsinnserfahrung“

Ankunft auf Antigua: Die Wellenbrecherinnen Catharina Streit, Meike Ramuschkat, Stefanie Kluge und Timna Bicker senden keine Notsignale. Bild: Wellenbrecherinnen.de

Vier Frauen aus Hamburg meistern eine besondere Herausforderung und kommen beim längsten Ruderrennen der Welt ins Ziel. Danach berichten sie über ihren unfassbaren Trip, Delphine und Begegnungen mit Schiffen.

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          Eigentlich ging es gar nicht so viel ums Rudern. Catharina Streit hat zwar in den vergangenen sechs Wochen 42 Tage und 46 Minuten lang in einem Ruderboot von La Gomera nach Antigua gesessen. Aber den Ruderanteil an der ungewöhnlichen Atlantiküberquerung bemisst sie erstaunlich klein. „Ich würde sagen, dass das Rudern zehn Prozent der Sache ausgemacht hat“, sagt die 33 Jahre alte Hamburgerin zu den grob geschätzt 400.000 Ruderschlägen, die sie in den vergangenen Wochen ausgeführt haben dürfte. „Der allergrößte Teil ist das Mentale.“ Das Schlafen im ständigen Schwanken, das Essen aus der Konserve, der Kampf mit den Widrigkeiten der Naturgewalt Meer mit seinen bis zu sieben Meter hohen Wellen.

          Tatsächlich klingt es unfassbar, was Catharina Streit gemeinsam mit Meike Ramuschkat, Stefanie Kluge und Timna Bicker mit der Zieleinfahrt auf Antigua am Donnerstag geschafft haben: Sie sind als erstes deutsches Team und reine Frauencrew bei der Talisker Whisky Atlantic Challenge in einem hochseetauglichen Ruderboot über den Ozean gerudert. Von den 35 teilnehmenden Booten waren 16 zwölf Stunden bis zehn Tage schneller, das 18. Team wird in der Nacht zum Samstag im Zielhafen „English Harbour“ erwartet.

          Delphine zur Ablenkung

          42 Tage lang haben die vier Frauen auf ihrer „Doris“ kein Land gesehen, sondern nur einen Horizont, „den man eigentlich auch nie sieht, weil er so unendlich ist“, wie die 26 Jahre alte Timna Bicker sagt. Auf den 5069 geruderten und wenigstens teilweise von der Strömung der Passatwindroute begünstigten Kilometern von La Gomera bis nach Antigua gab es stattdessen nur Wasser, Wasser, Wasser und sehr gelegentlich einmal Delphine zu sehen. „Sie haben gespielt und Kunststücke aufgeführt, als würden sie das für uns machen, um uns von den Strapazen abzulenken“, sagt Timna Bicker. „Da fühlten wir uns schon extrem privilegiert, das sehen zu dürfen.“ Nur zweimal hingegen zeigten sich Wale mit ihren Flossen in respektvollem Abstand zum Boot, und ebenfalls nur zweimal passierten in der Ferne Containerfrachter.

          Mit den Schiffen standen sie jeweils in Funkkontakt und baten um eine gewisse Rücksicht, wenn sich die Routen kreuzen sollten. Und sie stießen auf eine gewisse Verwunderung, wenn sie von ihrer Ruderpartie auf höchster See berichteten. „Das waren ganz lustige Unterhaltungen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir nur ein kleines Ruderboot sind und sie uns bitte auf dem Schirm haben mögen“, sagt Catharina Streit. „Sie wünschten uns dann weiter gute Fahrt.“

          Ein Blauer Marlin, der sich nach Begutachtung durch die Unterwasserkamera erfreulicherweise nicht als Hai herausstellte, begleitete den Vierer ohne Mann einmal über eine längere Strecke. Das war's. Für 42 lange Tage und Nächte waren die Frauen vollkommen auf sich allein gestellt in ihrem hochseetauglichen Ruderboot, um ihr Projekt „Wellenbrecherinnen“ zu vollenden. „Das Meer da draußen ist so riesig, das kann man sich vorher gar nicht vorstellen. Da ist die Wahrscheinlichkeit, irgendetwas zu begegnen, sei es Treibgut oder was anderes, eins zu eine Million“, sagt Streit. Diese Wahrscheinlichkeitsrechnung trug dazu bei, dass sich die vier Frauen selbst in höherem Wellengang im Dunkel der Nacht nach Worten von Timna Bicker nie unwohl gefühlt hätten. „Selbst wenn mal eine von uns krank war, haben wir das zusammen gemeistert'“, sagt sie. „Das war eine Wahnsinnserfahrung.“

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