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: T-Mobile hat ein Luxusproblem

  • -Aktualisiert am

Um Ullrich herum muß alles passen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mario Kummer ist in diesen Tagen arg im Streß: Der Sportdirektor der deutschen Radmannschaft T-Mobile muß die effektivste Formation für die Tour de France finden. Keine eben einfache Aufgabe.

          3 Min.

          Mario Kummer geht es in diesen Tagen wie Jürgen Klinsmann: Der Sportdirektor der deutschen Radmannschaft T-Mobile muß die effektivste Formation für die Tour de France finden, der Fußball-Bundestrainer sucht das perfekte Team für den Confederations Cup. Kummers Michael Ballack ist Jan Ullrich. Um den Kapitän und Chef herum muß alles und jeder passen.

          Drei Wochen vor dem Tour-Start am 2. Juli in der Vendee an der Westküste Frankreichs kreuzen sich an diesem Wochenende die beiden wichtigsten Testrundfahrten. In Sallanches endet an diesem Sonntag das Criterium du Dauphine Libere mit dem Amerikaner Lance Armstrong. Seit Samstag rollt die Tour de Suisse mit Jan Ullrich, für den heute mit dem Einzelzeitfahren in Weinfelden schon der erste Härtetest ansteht.

          Die Favoriten gehen sich aus dem Weg

          Schon traditionsgemäß gehen sich der amerikanische Champion und sein ewiger deutscher Herausforderer auch in dieser Endphase der Vorbereitung aus dem Weg - was in diesem Jahr wegen der neuen ProTour dem sechsmaligen Tour-Sieger einen terminlichen Vorteil für die Tour-Planung bringt. Beim neu kreierten Mannschaftszeitfahren über 55 Kilometer am 19. Juni in Eindhoven kann Armstrong sein Team für diesen speziellen und spektakulären Wettbewerb auf der vierten Tour-Etappe (66 Kilometer) testen. Jan Ullrich aber beendet an jenem Sonntag erst die letzte Etappe der Rundfahrt durch die Schweiz - übrigens in einem Städtchen mit dem beziehungsvollen Namen Ulrichen.

          Alexander Winokurow ist bei der Dauphine unter anderen mit den Tour-Kandidaten Andreas Klöden, Paco Lara und Oscar Sevilla unterwegs; Jan Ullrich und Giuseppe Guerini, Daniele Nardello, Rolf Aldag, Stephan Schreck und Tobias Steinhauser testen ihre Form in der Schweiz. Erik Zabel und Matthias Kessler haben ihre Tour-Probe mit dem Giro d'Italia schon hinter sich. Spätestens seit dem spektakulären Sieg Alexander Winokurows am Freitag auf der Mont-Ventoux-Etappe der Dauphine hat Kummer ein Luxusproblem.

          „Jan bleibt der Kapitän“

          Bei aller Freundschaft ist es nur schwer vorstellbar, daß sich der blonde Kasache, schon 2003 Tour-Dritter, bedingungslos Ullrich unterordnet. Der Angriffs- und Siegfahrer zeigt eindrucksvoll, wie schon bei seinem Triumph im Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich, was er kann. Ullrich hingegen hält sich zurück und geht noch nicht ans Limit. Seine Form sei gut, heißt es wie jedes Jahr im Juni. "Jans Leistungsanstieg ist deutlich erkennbar", beteuert Kummer. "Jan bleibt der Kapitän. Das ist auch mit Wino so abgesprochen. Er ist da völlig loyal."

          Der erweiterte Kreis der Tour-Kandidaten bei T-Mobile umfaßt noch 14 Fahrer: Ullrich, Winokurow, Aldag, Guerini, Iwanow, Kessler, Klöden, Lara, Nardello, Schmitz, Schreck, Sevilla, Steinhauser und Zabel. Der Holländer Bram Schmitz ist nur letzte Reserve, falls noch etwas passieren sollte und gleich mehrere Fahrer kurzfristig ausfallen sollten. Das mußte das Team im vergangenen Jahr verkraften, als Winokurow bei der Tour de Suisse stürzte und sich einen Beckenbruch zuzog.

          Die Sportliche Leitung mit Mario Kummer, Walter Godefroot und Olaf Ludwig nominiert das Team bis zur Vorstellung am 22. Juni in der Bonner T-Mobile-Zentrale laut Kummer nach den Kriterien: "Form, Leistung, Gesundheit. Der Fahrer muß ins Mannschaftsgefüge passen. Das gilt auch für Zabel. Doch bei Erik sehe ich da keine Probleme."

          Fragezeichen hinter Zabel

          Dabei steht hinter Zabels Teilnahme an der Tour ein Fragezeichen, seit Klöden mit der Überheblichkeit des Überraschungszweiten der Frankreich-Rundfahrt im letzten Herbst öffentlich die Diskussion eröffnet hat. Wenn man die Tour gewinnen wolle, so sein Standpunkt, könne sich die Mannschaft keinen Sprinter leisten. Also auch nicht Zabel - trotz seiner elf Tour-Starts, zwölf Etappensiege und sechs Grünen Trikots. Erik Zabel geht diese Debatte schon lange auf die Nerven. Sollen die Verdienste nicht zählen, als der Dauerbrenner die Magenta-Farben in all den Jahren hochhielt, in denen Ullrich fehlte?

          Der 34 Jahre alte WM-Zweite kokettierte schon mal mit der "Rolle des Schwarzen Peters". "Bin ich nicht bei der Tour, ist der Druck um so größer, die Tour gewinnen zu müssen. Der Schwarze Peter ist nicht am Start, über den man dann sagen kann: ,An dem hat's gelegen.'" Eines sollte feststehen: Erik Zabel - und das ist das Dilemma - müßte um seiner selbst willen nominiert werden und nicht ausschließlich als Dienstbote, Flaschenholer, Tempobolzer oder Zugmaschine für Jan Ullrich.

          Der Kapitän hält sich aus der Diskussion fein raus: "Das ist ganz einfach. Die neun Besten sollen fahren. Erik hat in den letzten Jahren immer zu den Stärksten gehört und seinen Job gemacht. Die Entscheidung liegt bei der Teamleitung. Beim größten Radrennen der Welt müssen einfach die Besten aus einer Mannschaft antreten." Was so - expressis verbis - natürlich nicht stimmt: Die Nützlichsten für Jan Ullrich sind gefordert.

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