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Systemfehler im Handball : Der Tribut der Deutschen

  • -Aktualisiert am

Deutscher Rekordmeister und dieses Jahr im internationalen Geschäft dennoch abgeschlagen: Nikola Bilyk (links) und Patrick Wiencek vom THW Kiel. Bild: dpa

Im internationalen Vergleich hatten die deutschen Handball-Klubs aus Mannheim, Kiel und Flensburg zuletzt häufig das Nachsehen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ein Kommentar.

          Vielleicht schauen die Spieler des deutschen Meisters mal rein bei „Sky“, wenn am Wochenende der neue Titelträger der Champions League gekürt wird. Wahrscheinlich ist das nicht. Denn die Rhein-Neckar Löwen sind gerade als frischer Handball-Champion nach Mallorca aufgebrochen, um dort eine famose Saison ausklingen zu lassen.

          Wer also sollte sich dort dafür interessieren, ob Barcelona, Veszprem, Skopje oder Paris beim „Final Four“-Endturnier an diesem Wochenende in Köln gewinnt? Die Champions-League-Kampagne der Löwen war im Achtelfinale geendet, gegen den THW Kiel. Die Kieler und die SG Flensburg schieden eine Runde später aus. Zum ersten Mal, seit in Köln gespielt wird, fehlt ein deutsches Team. Das ist schlecht für die Quoten, die Stimmung in der Halle und den ganzen deutschen Männer-Handball.

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          Bei der Analyse muss man aber differenzieren. Es liegt längst nicht alles im Argen im zweitliebsten Teamsport der Deutschen. Das Nationalteam hat sich nach dem frühen WM-Aus stabilisiert. Der neue Bundestrainer Christian Prokop spricht mit seiner offenen Art einen wesentlich größeren Kreis von Spielern an, als es Vorgänger Dagur Sigurdsson tat. Zudem locken demnächst attraktive Großveranstaltungen auf deutschem Boden, zum Beispiel die Weltmeisterschaft Anfang 2019.

          Der Deutsche Handballbund hat sich gerade für ein ganzes Bündel an Turnieren beworben, tritt zudem in der Verbandsspitze zunehmend professioneller auf. Die Vereine haben andere Sorgen. Für die Spitzenklubs aus Mannheim, Kiel und Flensburg heißt es: viel Geld in die Hand nehmen, um in der Champions League mithalten zu können. Oder sich, wie die Löwen, auf zehn starke Profis beschränken, um dann „nur“ deutscher Meister zu werden.

          Die Flensburger sind in dem Bemühen baden gegangen, auf allen Hochzeiten zu tanzen. Und der Kieler Neun-Millionen-Euro-Etat wirkt gegen die Budgets der Kölner Teilnehmer läppisch: Veszprem bekommt Geld von der staatlichen Telefongesellschaft, Skopje wird von einem russischen Rohstoff-Multi finanziert, Barça über die Fußballer quersubventioniert, in Paris wirkt Qatar mit. Handball-Mächte, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.

          Im Champions-League-Achtelfinale am THW Kiel gescheitert: Der deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen mit Hendrik Pekeler, Kim Ekdahl du Rietz und Rafael Baena Gonzalez (von links).

          Wo ist da die Lücke für die Deutschen? Es gibt keine, fürs Erste. Die Bundesliga wird nicht verkleinert, dazu kommt der DHB-Pokal – die Belastung hiesiger Topteams bleibt also deutlich größer als die der Rivalen in den Spielklassen anderer Nationen. In Spanien hat der FCB seit Jahren nicht verloren. Das heißt: Die führenden deutschen Teams werden auch fortan ausgelaugt sein, wenn der Champions-League-Titel vergeben wird.

          Eine Art Systemfehler: eine spannende Meisterschaft in einem wirtschaftlich funktionierenden Wettbewerb, aber geringe Chancen auf die Krone in Köln. Bleibt der Ausweg EHF-Pokal. Den dominieren deutsche Teams der zweiten Reihe seit Jahren. Nur: Reizt das jemanden?

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