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Sydney-Hobart-Rennen : Wild Oats XI droht das Desaster

Hatte die Mannschaft der Wild Oats den vorgeschriebenen Ortungssender während des Rennens ausgeschaltet? An der Antwort darauf hängt der Sieg der Super-Maxi. Bild: AP

Ein Herzschlagfinale bringt Dauersieger Wild Oats XI den ersehnten Erfolg bei der Sydney-Hobart Regatta – nun aber droht ein Protest, der ihr zum zweiten Mal in Folge den Titel kosten könnte.

          Für die Segelwelt könnte sich ein Drama anbahnen: Denn nachdem die australische Rennyacht Wild Oats XI in der diesjährigen Sydney-Hobart-Regatta als erste die Ziellinie gekreuzt hatte, sieht sie sich nun einem Protest der Rennleitung gegenüber. In der australischen Nacht verkündete das Komitee zu prüfen, ob die Mannschaft der Super-Maxi während des Rennens den vorgeschriebenen Ortungssender ausgeschaltet hatte. Würde dies belegt, droht der Wild Oats XI eine Zeitstrafe, die aufgrund des sehr knappen Zieleinlaufs in Hobart wiederum zum Verlust des Titels führen könnte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das aber wäre besonders tragisch. Denn beim Herzschlagfinale am Freitagmorgen kreuzte die Wild Oats XI schon zum zehnten Mal als Erste die Linie, gewann aber nur den neunten Titel – denn schon im vergangenen Jahr hatte sie aufgrund eines stattgegebenen Protestes ihres auch 2018 stärksten Gegners Comanche den Sieg verloren.

          In diesem Jahr beschwerte sich zunächst die Mannschaft der derzeit zweitplatzierten Super-Maxi Black Jack über den möglichen Betrug von Wild Oats XI: Durch das Abschalten des Ortungssystem während des Rennens sei ihre Position für ihre Konkurrenten nicht auszumachen gewesen. Einen Protest aber reichte Skipper Peter Harburg deshalb nicht ein.

          Der Wild-Oats-Skipper Mark §Richo” Richards reagierte nach dem Zieleinlauf denn auch verächtlich: „Das ist ein Sturm im Wasserglas“, sagte der Erfolgsskipper, denn das System sei erstens nicht vorgeschrieben, und zweitens seien die führenden Supermaxis fast die gesamte Zeit in Sichtweite gewesen. Sein Navigator Juan Vila erklärte, er habe das System vor dem Start angeschaltet und verwies auf eine mögliche Fehlfunktion. Das Rennkomitee sprach in der Nacht dann allerdings von „Beweisen“, die es habe, und will den Protest gegen Wild Oats XI am morgigen Samstag verhandeln lassen.

          Nach dem Überqueren der Ziellinie hatte Richards mit Blick auf das Desaster des vergangenen Jahres noch auf dem Wasser im Hafen der tasmanischen Hauptstadt Hobart „Wiedergutmachung, Jungs, Wiedergutmachung“ gerufen.

          Die 74. Auflage der Traditionsregatta in Australien führt 628 Seemeilen von der Ostküstenmetropole auf die Insel im Süden des Kontinents. In diesem Jahr starteten 85 Yachten, darunter der Deutsche Freddy Böhnert, ein hochseeerfahrener Anwalt in Auszeit, der sein Schiff selber nach Australien überführt hatte. Er beendete das Rennen als 37., allerdings zählt am Ende die berechnete Zeit. Richards bezeichnete den Zieleinlauf des Spitzenquartetts der Supermaxis kurz nach acht Uhr am Morgen als den spektakulärsten in der jahrzehntelangen Geschichte der Langstreckenregatta. Seine schon vierzehn Jahre alte Rennmaschine, die der Milliardärsfamilie Oatley gehört, erklärte er zur „australischen Ikone“.

          Alle vier Supermaxis mit jeweils rund 100 Fuß Länge erreichten das Ziel innerhalb von nur 43 Minuten. Erst kurz zuvor hatte Black Jack die lange führende Comanche überholt und machte am Ende 63 Sekunden auf sie gut. Wild Oats XI hatte selber erst 45 Seemeilen vor der Ziellinie die Führung übernommen. Infotrack belegte Platz vier und die Wild Oats X mit einer reinen Frauenmannschaft kam als sechste ins Ziel.

          Trotz des hervorragenden Wetters 20 Jahre nach dem Katastrophenrennen von 1998, bei dem sechs Segler ihr Leben ließen und dem in diesem Jahr gedacht wurde, mussten die Mannschaften extrem hart arbeiten. Richards erklärte, sie hätten seit dem Start am Zweiten Weihnachtstag praktisch jedes einzelne Segel an Bord wohl zehnmal gewechselt.

          Durch die Flaute im Derwent River auf dem Weg nach Hobart war eine Rekordzeit dennoch außer Reichweite: mit einem Tag, 19 Stunden und 35 Minuten überschritt der Sieger in diesem Jahr die Zeit der Comanche aus dem ergangenen Jahr um fast zehn Stunden. Sieger Richards lobte seine Crew aus internationalen Spitzenseglern. Stratege Ian Murray, Navigator Vila und Taktiker Glenn Bourke hätte die Yacht praktisch am Flautenloch vorbeigesteuert, um dann als erste die letztlich entscheidende Böe zu bekommen. „Das war das Manöver, was uns den Sieg gebracht hat.“ Ob Wild Oats XI ihn behält, wird sich nach einer Nacht des Bangens erweisen.

          Wenn das Meer brennt: Wild Oats XI beim Zieleinlauf Bilderstrecke

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