https://www.faz.net/-gtl-11csj

Sydney-Hobart : Ein Zwei-Meter-Fisch bremst die Dauersieger

Einfach super, diese Supermaxi: Die Wild Oats XI erreichte das Ziel in Hobart wieder als Sieger Bild: REUTERS

Am Ende kämpften sie nur gegen sich selbst und die Zeit. Und sie verloren. Die australische Yacht Wild Oats XI gewann zwar zum vierten Mal in Folge das Rennen Sydney-Hobart, scheiterte aber bei der Rekordjagd - wegen eines Hais.

          2 Min.

          Am Ende kämpften sie nur gegen sich selbst und die Zeit. Und sie verloren. Zwar hat die Mannschaft der australischen Supermaxi Wild Oats XI die Traditionsregatta zwischen Sydney und Hobart zum vierten Mal in Folge für sich entschieden, und sie bricht damit auch den Rekord der australischen Yacht Morna, die in den 1940er Jahren drei Regatten nacheinander gewonnen hatte. Ihren eigenen Rekord aus dem Jahr 2005 aber konnte die Wild Oats nicht brechen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dass die Mannschaft um Mark Richards als Erste ins Ziel kommen würde, hatten selbst ihre Gegner im Vorfeld der Traditionsregatta nie bezweifelt. Und doch kam es bei der 64. Auflage des Yachtrennens zunächst ganz anders: Denn wider Erwarten führte über die ersten 22 Stunden die als Zweite gesetzte Skandia des Australiers Grant Wharington dank einer meisterhaften taktischen Leistung.

          „Das wird einen riesigen Unterschied ausmachen“

          Um Gewicht zu sparen, hatte Wharington sich entschieden, mit nur 18 Mannschaftsmitgliedern zu segeln. Wild Oats dagegen hatte 24 Segler an Bord. Vielleicht aber war am Ende ein Hai entscheidend: Der Zwei-Meter-Fisch hatte sich im Ruder der Wild Oats verfangen und sie gebremst. Erst als die Mannschaft das Schiff anhielt, befreite er sich. Und die Supermaxi setzte zur Aufholjagd an.

          Als dann der Wind in der Bass-Straße zwischen Tasmanien und dem australischen Festland abflaute, brachte Wild Oats ihre größere Segelfläche zum Einsatz. „Wir haben in diesem Jahr einen Spinnaker, der mit 900 Quadratmetern gut 150 Quadratmeter größer ist als alle, die wir bislang hatten. Wenn wir damit nur einhundert Wellen im Rennen besser nutzen können, wird das einen riesigen Unterschied ausmachen“, hatte Skipper Mark Richards im Vorfeld gesagt.

          Stärke der Mannschaft hat uns den Sieg gebracht“

          Er sollte recht behalten. Nach einem Tag, 20 Stunden und 34 Minuten auf See erreichte sie den Hafen von Hobart im Süden der australischen Insel Tasmanien. 2005 hatte sie für dieselbe Strecke einen Tag, 18 Stunden und gut 40 Minuten gebraucht. „Es war sehr harte Arbeit für uns. Wir hatten mehr als 50 Segelwechsel. Das hätte kaum eine andere Mannschaft geschafft. Die Stärke unserer Mannschaft hat uns am Ende den Sieg gebracht“, sagte Richards am Hafen in Hobart. Der Rest der hundert in der Hafenbucht von Sydney gestarteten Yachten wird erst für den Montag oder Dienstag in Hobart erwartet. Die langsamste Yacht überhaupt hatte 1945 gut elf Tage für die Strecke gebraucht.

          Das leichte Abflauen des Windes kam für alle überraschend: Die Meteorologen hatten für den 628 Seemeilen messenden Kurs Starkwind vorausgesagt. Viele erwarteten, dass die Supermaxi des australischen Milliardärs Bob Oatley deshalb ihren eigenen Rekord werde brechen können. Auch wenn das nicht gelang, genoss Oatley, inzwischen 80 Jahre alt und nicht mehr in der Lage, das Rennen selber mitzusegeln, den Sieg seiner 30-Meter-Yacht in Hobart. Ein neues Boot für das nächste Rennen wolle er nicht mehr bauen, erklärte er. „Ich wüsste nicht, was ich gegenüber der Wild Oats XI ändern sollte.“

          Der Wild Oats bleiben weitere Herausforderungen

          Überhaupt stand in diesem Jahr die Vergangenheit fast mehr im Mittelpunkt der Regatta. Denn das Rennen vor genau zehn Jahren hatte in einer Katastrophe geendet. Ein unerwartet starkes Sturmtief ließ die Höhe der Wellen in der Bass-Straße bis auf zwanzig Meter steigen. Die leichten Rennyachten waren darauf nicht vorbereitet. Sechs Segler verloren an diesem Tag ihr Leben. Von den 115 gestarteten Booten gaben 71 auf. Bis heute betrachten die Australier das Rennen von 1998 als nationale Katastrophe. Seitdem sind die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verstärkt worden. An diesem zweiten Weihnachtstag brach bislang nur auf der Georgia das Ruder, so dass die Crew in Sicherheit gebracht werden musste.

          Trotz der Siege in Serie bleiben Wild Oats weitere Herausforderungen: Denn Morna hat - wenn auch unter zwei Namen - insgesamt sieben Siege bei Sydney-Hobart errungen, den letzten in den sechziger Jahren als Kurrewa IV. Und auch im nächsten Jahr gilt es, den eigenen Rekord von vor drei Jahren zu verbessern.

          Weitere Themen

          Werder-Fans feiern Klassenverbleib Video-Seite öffnen

          Jubel in Bremen : Werder-Fans feiern Klassenverbleib

          Nach zwei Unentschieden in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim waren es allein die besser bewerteten Auswärtstore, die die Werderaner vor einem Abstieg in die zweite Liga bewahrten.

          Topmeldungen

          Premierminister Morrison präsentiert Australiens neue Verteidigungspläne

          Neue Sicherheitspolitik : Australien bietet China die Stirn

          Seit 1945 stand Australien in allen Kriegen treu an der Seite Amerikas. Jetzt, wo für Canberra das Problem China immer dringlicher wird, sucht die Regierung neue, zuverlässige Verbündete und rüstet auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.