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Sydney - Hobart : Dollars zerreißen unter der Dusche

  • -Aktualisiert am

Start im Naturhafen von Sydney Bild: REUTERS

Der Start zum Hochseesegelklassiker Sydney - Hobart war schön wie im Bilderbuch. Die dunklen Wolken aber brauen sich schon zusammen. Die Meteorologen haben Sturm und Wellen bis sieben Meter vorhergesagt.

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          Malerischer hätte der Auftakt kaum sein können: traumhaftes Sommerwetter, Temperaturen von 25 Grad, Hunderttausende von Zuschauern rund um den Naturhafen von Sydney und überall geblähte Segel.

          Der 60. Start zum Hochseesegelklassiker Sydney - Hobart war am zweiten Weihnachtsfeiertag schön wie im Bilderbuch. Die dunklen Wolken aber brauen sich schon auf dem Weg ins 626 Seemeilen (1163 Kilometer) entfernte Hobart schon zusammen. Die Meteorologen haben der 116 Boote starken Flotte aber von diesem Montag nachmittag an Winde von mehr als 80 Stundenkilometer und Wellen von fünf bis sieben Meter vorhergesagt, was Erinnerungen an die Katastrophe von 1998 weckt, als sechs Segler in den tosenden Wogen ums Leben kamen und 55 von tollkühnen Hubschrauberpiloten gerettet wurden.

          Eine der millionenteuren Superyachten wird gewinnen

          Sydney-Hobart gehört in Australiens größter Stadt zu Weihnachten wie die Familienfeier und der Strandbesuch, seit sich 1945 neun Yachten auf die abenteuerliche Reise in die tasmanische Hauptstadt machten. Fast 5000 Boote umschwärmten die Starterflotte auf dem Wasser. Jeder, der ein Boot besitzt, hat an diesem Tag besonders viele Freunde. Während die meisten Zuschauer zu Wasser und zu Lande sich schon bald anderen Aktivitäten wie dem Verzehr der Überreste des Weihnachtsessens oder dem Öffnen einer weiteren Sektflasche widmeten, begann für die mehr als 1000 teilnehmenden Segler mit dem Rennen Richtung Südpol der Höhepunkt ihres Jahres. Obwohl ein zynischer Bootsbesitzer die Attraktion von Sydney - Hobart einmal mit den Worten beschrieben hatte: "Das ist ungefähr so, als ob man unter einer eiskalten Dusche Hundertdollarscheine zerreißt."

          Der millionenschwere Favorit: Skandia

          Die Ziellinie im Derwent-Fluß wird mit großer Wahrscheinlichkeit abermals eine der millionenteuren Superyachten als Erste überqueren. Der Rekord steht bei knapp unter 20 Stunden. Die Segler auf den kleineren Booten der Flotte dürfen froh sein, wenn sie wenigstens die Silvesterfeierlichkeiten in Hobart miterleben. Neben der Ehre, als erste Yacht anzukommen, steht vor allem die Handicap-Wertung im Blickpunkt, bei der nach einer Formel die Eigenschaften der Boote wie Länge und Segelfläche einbezogen werden, so daß die größten Boote, die bis zu 30 Meter lang sein können, mit Nußschalen wie dem 9,4 Meter langen "Grashüpfer" verglichen werden können.

          Gefährliche Überquerung der berüchtigten Bass-Straße

          Die Materialschlacht bei den Großen ist gewaltig. So hat zum Beispiel die mitfavorisierte "Skandia" zwölf Segel mit einer Gesamtfläche von mehr als 3000 Quadratmeter an Bord, deren größtes die Fläche eines Jumboflügels übertrifft. Der Mast der Monsteryacht ist 37 Meter hoch.

          Nach den Wettervorhersagen dürften ausgerechnet die kleinen Boote von den starken Winden und großen Wellen betroffen sein, weil die schnellen Superyachten möglicherweise schon aufs Ziel zusteuern, wenn die kleinen noch die gefährliche Überquerung der berüchtigten Bass-Straße bewältigen müssen, wo die See am heimtückischsten sein kann. Allen Seglern und den meisten Australiern ist noch das Desaster von vor sechs Jahren in Erinnerung.

          Fast ständig naß und unterkühlt

          Nur der Einsatz modernster Technik hatte damals verhindert, daß nicht wesentlich mehr als ein halbes Dutzend Menschen ums Leben kam. Fast 20 Meter hohe Wellen stellten auch an die Rettungsmannschaften höchste Anforderungen. Nicht einmal die Hälfte der Starter erreichte Hobart, fünf Boote gingen unter. Mehrere Segler, die damals dabei waren und sich geschworen hatten, niemals mehr bei Sydney-Hobart zu starten, haben in diesem Jahr ihre Vorsätze gebrochen. "Das Rennen ist wie Kinderkriegen, mit der Zeit verblaßt die negative Erinnerung, und man will es wieder versuchen", sagte ein - allerdings männlicher - Segler.

          In jedem Fall scheint das Hochseeabenteuer gewisse Suchterscheinungen auszulösen, anders ist es kaum zu erklären, daß es Segler gibt, die schon mehr als 20 Mal den harten Trip angetreten haben, auf dem die Crews kaum schlafen und fast ständig naß und unterkühlt sind. Ein besonderer Reiz besteht auch darin, daß aufgrund der Handicap-Wertung neben den professionellen Segellegionären an Bord der Millionenyachten immer noch lupenreine Amateure bei Sydney - Hobart dabei sind.

          Nette Häppchen oder Astronautennahrung

          Diesmal gibt es erstmals eine eine Extrakategorie, die sich "Cruising Class" nennt und mit "Vergnügungsfahrt" nur unzureichend übersetzt ist. Immerhin dürfen diese Boote jederzeit auch ihren Motor einsetzen und sogar Pausen in Häfen an der Küste einlegen. Die Segler dieser Boote werden zwar mit Sicherheit nicht unter den Siegern sein, aber wenigstens unterwegs in der geheizten Kabine mit netten Häppchen und gekühlten Getränken versorgt, während an der Spitze Astronautennahrung aufgenommen wird. Kein Wunder, daß nach den kargen Tagen die Feiern in Hobart entsprechend opulent und extrem feucht ausfallen.

          Am Sonntag abend führte die neuseeländische Vorjahreszweite "Konica-Minolta" (2003 unter dem Namen Zana) vor Titelverteidigerin "Skandia" (Australien) und der "AAPT" (Australien). Das einzige deutsche Boot, die erst vor ein paar Tagen aus Neuseeland überführte nagelneue 15-Meter-Yacht "Vineta" des Hamburger Reeders Felix Scheder-Bieschin belegte mit rund 75 Kilometer Rückstand auf die Führenden Platz 20.

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