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Switolina gewinnt WTA-Finals : Die Frau für die entscheidenden Momente

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Jetzt zählt nur noch der Pokal: Jelina Switolina war nach dem Finalsieg überglücklich. Bild: EPA

Bei der letzten Ausgabe der WTA-Finals in Singapur gewinnt zum ersten Mal eine Tennisspielerin aus der Ukraine: Jelina Switolina setzt sich im Endspiel gegen eine Amerikanerin durch.

          Sie ist bekannt für lauten, großrahmigen Jubel, aber diesmal sank sie vergleichsweise geräuschlos zu Boden. Mit einem hart erkämpften Sieg in drei Sätzen gegen Sloane Stephens (3:6, 6:2, 6:2) gewann Jelena Switolina aus der Ukraine am Sonntag bei den WTA Finals in Singapur den bisher größten Titel ihrer Karriere. Die besiegte Amerikanerin hatte völlig recht, als sie bei der Siegerehrung meinte, Switolina sei nicht nur eine großartige Spielerin, sondern vor allem eine tolle Wettkämpferin. Sie setzte sich in vier ihrer fünf Spiele in dieser Woche in drei Sätzen durch, darunter in den beiden längsten und härtesten Partien des Turniers. Und sie ist offenbar die Frau für die entscheidenden Momente, wenn es um Pokale geht.

          Von 15 Finals ihrer Karriere gewann sie 13, davon allein vier in diesem Jahr, in Brisbane, Dubai, Rom und nun in Singapur. Stephens und Switolina waren ohne Niederlage in der Vorrunde im Halbfinale gelandet, beide wurden am Samstag in drei Sätzen getestet, und wer das am Ende einer langen, harten Saison in großer Form übersteht, der gehört in der Tat zu den allerbesten Athletinnen. Was Jelena Switolina jetzt noch fehlt, das ist ein Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Aber vielleicht läuft die Sache ja ähnlich wie bei Caroline Wozniacki, die im vergangenen Jahr in Singapur gewann und dann zu Beginn des neuen Jahres auch bei den Australian Open.

          Das Jahr der erfüllten Träume

          Es war ein Jahr, in dem sich lang gehegte Träume erfüllten, vor allem auf der ganz großen Bühne. In Melbourne kehrte Wozniacki mit ihrem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Titel an die Spitze der Weltrangliste zurück, in Paris bewies Simona Halep sich in der Welt, dass sie die Rückschläge der Vergangenheit überwunden hatte. In Wimbledon lag Angelique Kerber platt vor Freude auf dem Rasen, und in New York war Naomi Osaka selbst von einem gestressten Gewitter namens Serena Williams nicht zu stoppen.

          Die Spielerinnen und erst recht alle ehemaligen Stars wie Billie Jean King, Martina Navratilova oder Chris Evert, die als Repräsentantinnen in das Turnier eingebunden sind, wären auch im kommenden Jahr gern nach Singapur gekommen, die vielleicht westlichste Stadt des fernen Ostens. Doch die WTA konnte dem laut vernehmbaren Ruf des Geldes aus China nicht widerstehen, wo nun in Shenzhen zehn Jahre lang gespielt werden soll. Ob das Publikum in China zahlreicher erscheinen und engagierter mitgehen wird als die in Grenzen leidenschaftlichen Gäste in Singapur wird sich zeigen. Bei den meisten Spielen war die Halle auch in diesem Jahr nicht annähernd so gut besucht wie während des Finales.

          Der Anfang eines Schlussstriches kann schon mal gezogen werden. Angelique Kerber meldete sich am Wochenende mit einem Foto, das sie als Badenixe im berühmten Infinity Pool des Hotels Marina Bay Sands zeigt, unter dem Stichwort #SleepEatPoolSleep in die Ferien ab. Sie wird sich in den kommenden Wochen mit einem unvergleichlich besseren Gefühl in diverse Fluten stürzen können als nach der eher mittelprächtigen Saison im vergangenen Jahr. Wenn sie nach dem zweitbesten Jahr ihrer Karriere mit dem Sieg in Wimbledon sagt, es gebe noch Luft nach oben, dann sollte sich die Tenniswelt darüber freuen. Mit 30 war sie zwar die Älteste der acht Spielerinnen in Singapur, aber 30 ist ja auch im Frauentennis schon lange kein Alter mehr, in dem die meisten das Ende ihrer Karriere näher kommen sehen. Mit welchen Coach sie nach dem Urlaub Ende November wieder an die Arbeit gehen wird, gehört zu den interessantesten Fragen der kommenden Wochen.

          Irgendwie wäre es logisch, wenn das Tennisjahr der Frauen mit den WTA Finals abgeschlossen wäre, aber das wird erst ab 2019 so sein. Ab Dienstag wird noch fünf Tage lang in Zhuhai (China) um die so genannte WTA Elite Trophy gespielt, für die Spielerinnen der Weltranglistenplätze neun bis 19 qualifiziert sind. Dazu gehört auch Julia Görges, die mit den besten Erinnerungen nach China flog – im vergangenen Jahr gewann sie den allerletzten Titel der Saison.

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