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Surfen in Hossegor : Sehnsuchtsort für Profis, Piraten und Dorftrottel

Ausritt: Ein Surfer reitet durch die Welle Bild: Baptiste Haugomat, www.baptiste-haugomat.com

Früher war Hossegor ein unscheinbares Seebad, heute ist der Ort in Frankreich Zentrum der Surf-Industrie. Die Touristen bestimmen den Lifestyle in der Stadt - und sorgen zweimal im Jahr für einen gewöhnungsbedürftigen Umschwung.

          Ende August, 21 Uhr, eine Strandbar in der Nähe von Hossegor, Südfrankreich. Surfbretter liegen auf dem Boden, auf den Tischen stehen Biergläser und Teller, auf denen riesige Burger thronen. Es riecht nach gegrilltem Fleisch. Direkt vor dem Eingang führt ein Pfad über die Düne an den Strand, man kann die Brandung hören. Ein junger Mann kommt in das „Cream Café“, bestellt ein Bier und begrüßt auf Englisch ein paar Freunde.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Kommt ihr um 12 Uhr mit surfen?“, fragt er. „Um 12, morgen früh?“, erwidert der Kumpel. „Nein, in drei Stunden, heute Nacht ist Vollmond, da sieht man genug, und das Wasser ist schön leer.“ Seit Jahren ist das Cream Café ein Treffpunkt für Wellenreiter aus der ganzen Welt. Der australische Surfprofi Robbie Page, der in den achtziger Jahren zu den besten Surfern der Welt gehörte und 1988 den Superbowl der Surfer, die Pipelinemasters auf Hawaii, gewann, eröffnete die Strandbar 2001 zusammen mit zwei Freunden.

          Eine Stadt mit Surfer-Lifestyle

          “Hossegor ist das Mekka der Surfer in Europa“, sagt Xavier Soubestre. Der Franzose wurde vor 68 Jahren in dem kleinen Ort am Atlantik geboren, seit sechs Jahren ist er Bürgermeister. Er empfängt in einem kleinen Rathaus, vor der Tür drängen sich Touristen über einen Markt, auf dem Flip Flops, Handtücher und gerahmte Fotografien von Surfern in monströsen Wellen verkauft werden. Soubestre trägt ein kurzärmliges Hemd, der oberste Knopf ist offen. „Das Image von Hossegor hat sich durch das Surfen komplett verändert“, sagt er. „Früher wurde der Ort ,La station des sports élégants’ genannt.“ Gäste hätten hier Golf gespielt, Tennis und Basque Pelota, eine Art Squash.

          „In den sechziger Jahren kamen dann die ersten Surfer“, sagt Soubestre. Vor allem „La Nord“, eine Welle, die direkt vor dem Stadtstrand Hossegors bricht und bis zu einer Höhe von acht Metern noch surfbar ist, ist seitdem unter Wellenreitern weltberühmt. „In den siebziger Jahren wurde bei uns der erste große europäische Surfwettbewerb veranstaltet“, sagt Soubestre. Danach kam die Surf-Industrie in den kleinen Ort. „Als ich geboren wurde, lebten 800 Leute in Hossegor“, sagt der Bürgermeister. „Heute arbeiten allein 1000 Menschen für die Surf-Industrie.“ Billabong, Rip Curl, Quiksilver, Nixon, all die großen Surfmarken haben ihre europäischen Hauptquartiere in der Nähe von Hossegor. Knapp 4000 Einwohner hat der Ort mittlerweile. „Australier, Amerikaner, Südafrikaner, alle kommen sie her“, sagt Soubestre.

          Aussicht: Im Herbst und im Frühling sind die Wellen vor Hossegor perfekt

          Auch deutsche Surfer zieht es nach Hossegor. Oliver Dorn kam vor acht Jahren. „Ich habe lange darauf hingearbeitet“, sagt der 37 Jahre alte gebürtige Berliner. Als Kind begann er zu surfen, zum Studieren zog er nach Kiel, „weil es die Surf- und Wassersporthauptstadt Deutschlands ist“. Dort begann er nach dem Studium für die Surfindustrie zu arbeiten, drei Jahre später bekam er ein Jobangebot aus Hossegor. „Ich habe sofort zugesagt“, sagt Dorn. „Jetzt kann ich das ganze Jahr lang surfen.“ Sein Arbeitgeber stellte gleichzeitig mit ihm eine ganze Gruppe junger Ausländer ein, Holländer, Schweden, Franzosen. „Der Lifestyle in dieser Stadt ist geprägt vom Surfen“, sagt Dorn.

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