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Surfen in Hossegor : Sehnsuchtsort für Profis, Piraten und Dorftrottel

„Das eigentlich Unnormale ist aber der Umschwung, den es zweimal im Jahr gibt.“ Im Sommer werde Hossegor überrannt von Touristen und Saisonarbeitern. „Im Herbst wird es schlagartig leer.“ Die ASP Worldtour, auf der die Surfer ihren Weltmeister ermitteln, macht Anfang Oktober Station in Hossegor. Mit den besten Surfern der Welt reisen danach auch die letzten Touristen ab. „Man braucht dann ein paar Wochen, um sich drauf einzustellen, dass einfach alles tot ist“, sagt Dorn. „Aber dann trifft man wieder Leute, die man den ganzen Sommer nicht gesehen hat. Es wird ein normaler, gemütlicher Ort. Wenn die Saison wieder anfängt, ist man genervt, dass es so voll wird. Außerdem sind die Wellen nicht mehr so gut.“

Ein R mit einem Bein

Viele Einheimische hadern nicht nur mit vollen Stränden und kleinen Wellen. „Die Stadt ist voll, dadurch sind Grundstücke und Mieten sehr teuer geworden“, sagt Bürgermeister Soubestre. „Junge Leute, die hier geboren wurden, können sich das kaum noch leisten. Das ist eine Herausforderung, um die wir uns kümmern müssen.“ Französische Surfer reagieren manchmal auch etwas gereizt auf die vielen Touristen, die sich am Wellenreiten versuchen. „Das kann man schon verstehen“, sagt der deutsche Surfer Dorn.

„Wenn man hier als Einheimischer dauernd beim Surfen von Touristen gestört wird, die nicht wissen, wie man sich im Wasser zu verhalten hat, dann nervt das irgendwann. Gerade am Ende der Saison sind viele Surfer nicht mehr so entspannt.“ Eigentlich sei es aber friedlich. „Es gibt nur ein paar Urlocals, die ganz gut surfen können und meinen, deswegen das Wolf Pack imitieren zu müssen.“ Wolf Pack nennt sich eine Surf-Gang aus Hawaii, die berüchtigt für ihre Brutalität ist. „Hier sind das eher so die Dorftrottel“, sagt Dorn.

Ausblick: Am Strand von Hossegor wartet eine Surferin auf ihren Einsatz

Die richtig guten Surfer reisen ab, wenn die Wellen im Sommer kleiner werden. Auch die Franzosen. „Ich bin im Herbst und im Frühling hier, da sind die Wellen perfekt“, sagt Pauline Ado. Die 22 Jahre alte Profi-Surferin ist in der Nähe von Hossegor geboren, als erste Europäerin qualifizierte sie sich zweimal nacheinander für die Worldtour der besten Surferinnen der Welt. „Nach Hossegor kommen so viele Profi-Surfer, das zeigt schon, wie gut die Wellen sind“, sagt sie. Die Amerikanerin Courtney Conlogue (21) gewann Ende August zum zweiten Mal in Serie den „Swatch Girls Pro“ in Hossegor, sie hat gute Chancen, in diesem Jahr Weltmeisterin zu werden. „Ich liebe Frankreich, hier gibt es so viele gute Wellen“, sagt sie. Ihr Heim-Revier ist der berühmte Huntington Beach in Los Angeles.

Genau wie am Huntington Beach tummeln sich auch in Hossegor jeden Sommerabend Hunderte Jugendliche auf der Strandpromenade, sobald die Sonne hinter dem Ozean versinkt. An einem August-Abend ist vor dem Strand eine riesige Bühne aufgebaut, ein DJ thront mit einer Flasche Champagner in der Hand über der Masse, Elektromusik schallt über den Platz. In einer kleinen Bar am Rande der Promenade tritt später ein Mann auf, der aussieht wie der Pirat Jack Sparrow aus dem Film Fluch der Karibik. „Was ist der Lieblingsbuchstabe eines Piraten?“, ruft er der kleinen Zuschauergruppe zu. „Ein P“, antwortet er selbst. „Weil es ein R mit einem Bein ist.“ Dann fängt er an, Musik zu spielen, Jugendliche springen begeistert durch die Bar, Gläser gehen zu Bruch. Jack Sparrow spielt auf einer Violine. In der Ecke hinter ihm lehnt ein Surfbrett an der Wand.

Die Bilder aus Hossegor stammen von der Website des Fotografen Baptiste Haugomat.

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