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Surf-Weltmeister Slater : „Ich fühle mich stark, auch mit 38“

  • Aktualisiert am

Auf der Welle: Surf-Weltmeister Kelly Slater Bild: AP

Kelly Slater ist der älteste Surf-Weltmeister in der Geschichte der vermeintlichen Jugendbewegung. Im Interview spricht der 38 Jahre alte Amerikaner über den Kampf gegen die Jugend, über Aktien und über die Liebe zum Golf.

          Kelly Slater ist die Ikone seines Sports. Der 38 Jahre alte Amerikaner ist dieser Tage zum zehnten Mal Weltmeister im Surfen geworden - einer Disziplin, die, weil koordinativ äußerst anspruchsvoll, eigentlich eine Domäne der Jugend sein sollte. Doch Slater ist ein Phänomen. Sein Gespür für das Meer ist außergewöhnlich, oft hat er in letzter Sekunde gewonnen, weil er an der richtigen Stelle war, dort, wo sich plötzlich eine mächtige Welle auftürmte.

          Seinen ersten WM-Titel gewann er 1992 mit 19 Jahren, 1998 erklärte er seinen Rücktritt, 2003 kehrte er zurück. Zwei Jahre später war er wieder Weltmeister. Seinen zehnten Titel in der WM-Serie sicherte sich Slater vergangene Woche in Puerto Rico schon im Viertelfinale gegen den 23 Jahre alten Brasilianer Adriano de Souza - es war die Nachricht, auf welche die Surfwelt lange gewartet hatte. Dass Slater später auch das Finale gewann - mit der Höchstnote 10 -, war bezeichnend für diesen Perfektionisten der Meere, der in den Vereinigten Staaten längst ein Superstar ist. Der charismatische Athlet und vielfache Millionär war mit der Schauspielerin Pamela Anderson und dem Model Gisele Bündchen liiert und verkehrt seit langem in Hollywoodkreisen.

          Sie waren der jüngste Surfweltmeister, den es jemals gab, und nun sind Sie auch der älteste. Was fühlt sich besser an: als junger Mann zu gewinnen oder sagen wir: als älterer?

          Das ist schwer zu vergleichen. Ich bin ziemlich glücklich über meinen zehnten Titel, aber wahrscheinlich ist es doch aufregender, als junger Mann zum ersten Mal zu gewinnen und sich damit etwas zu erfüllen, von was man lange geträumt hatte: Weltmeister zu sein. Der zehnte Titel war aber der stressigste von allen. Die jungen Surfer werden immer besser, und es ist eine echte Herausforderung, mit 38 an sich selbst zu glauben. Ich bin jetzt einfach nur froh und erleichtert.

          Eine Surf-Legende: Kelly Slater

          Wie schaffen Sie es, mit 38 körperlich in einer Form zu sein, die es Ihnen erlaubt, gegen halb so alte Konkurrenten zu gewinnen?

          Man muss ein bisschen auf sich aufpassen. Gesund leben, viel schlafen, kaum Alkohol trinken. Ich habe kein wirkliches Fitnessprogramm. Ich trainiere meist auf dem Wasser, mit meinem Surfbrett, ich gehe so gut wie nie in einen Fitnessraum. Irgendwie funktioniert das, ich fühle mich stark, auch mit 38.

          Die ganze Szene hat auf diesen zehnten Titel gewartet. Wie fühlt es sich an, eine Legende zu sein? Mit Superstars wie Michael Jordan oder Tiger Woods verglichen zu werden, die ihren Sport ähnlich beherrschten wie Sie?

          Ich sehe das ganz entspannt, es ehrt mich, mit solchen Athleten verglichen zu werden.

          In den vergangenen Jahren hielt sich hartnäckig das Gerücht, Ihr Sponsor Quiksilver würde Ihnen den zehnten Titel mit zehn Millionen Dollar vergolden. Haben Sie das Geld schon bekommen?

          Ich habe das Gerücht gemocht, aber es war nur ein Gerücht. Die Wahrheit ist: Quiksilver hat mir die Wahl gelassen, mir eine größere Summe auszuzahlen oder mich mit drei Prozent am Unternehmen zu beteiligen. Ich habe die Aktien genommen.

          Welche Ziele bleiben Ihnen noch? Werden Sie weitermachen?

          Ich weiß es noch nicht. Ich werde das in den nächsten Monaten entscheiden. Jetzt brauche ich erst einmal ein wenig Abstand von allem. Mein Bruder heiratet demnächst, wir werden ordentlich feiern, und dann gehe ich für ein paar Wochen auf Hawaii ein paar Wellen suchen und Spaß haben. Weiter plane ich noch nicht.

          Sie reisen seit zwanzig Jahren um die Welt. Wird man des Reisens nicht müde?

          Doch, natürlich. Das ewige Reisen ermüdet mich seit langem. Wir sind meistens an den schönsten Plätzen der Welt, aber irgendwann kannst du keine Hotelzimmer mehr sehen und keine Flugzeuge.

          Wie werden Sie in fünf Jahren leben?

          Mal sehen, wie mein Bruder vielleicht. Mit einer Frau, einem Kind, einem Hund in einem schönen Haus am Strand. Ich könnte dann ein bisschen mehr Golf spielen, das wäre nicht schlecht.

          Sie haben Handicap drei. Wie wär's mit einer zweiten Karriere als Profigolfer?

          Das nicht, aber ich spiele sehr gern Amateurturniere, und ich werde das in Zukunft auch öfter tun. Als Golfer bin ich ein ehrgeiziger Amateur, mehr nicht. Aber ich liebe das Spiel. Es zeigt dir, wer du bist. Golf ist eine große Herausforderung und eine hervorragende Vorbereitung für Wettkämpfe auch in anderen Sportarten. Es lehrt Konzentration und Demut. Und ein bisschen ist es auch wie Surfen, es erlaubt dir, Zeit mit deinen Freunden zu verbringen.

          Ihren zehnten Titel haben Sie vergangene Woche gewonnen, und Ihr Triumph fiel zusammen mit der Tragödie um Ihren Konkurrenten Andy Irons, der tot in einem Hotelzimmer gefunden wurde. Wie gehen Sie mit seinem Tod um?

          Es war eine furchtbare Nachricht. Es gibt nichts mehr, was wir für Andy tun könnten, nichts mehr, was wir ändern könnten. Wir müssen nach vorn schauen. Das Leben geht weiter, und wir werden es in Andys Sinne leben.

          Die Fragen stellte Michael Eder.

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