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Tom Brady beim Super Bowl : „Was sollen wir mit den Hassern machen?“

  • -Aktualisiert am

Der Quarterback der New England Patriots: Tom Brady Bild: AP

Zu alt, zu schwach? Von wegen! Tom Brady kann den Super Bowl schon zum sechsten Mal gewinnen. Dabei wäre er einst gerne für ein anderes Team aufgelaufen. Nun treibt ihn ein besonderes Ziel an.

          Ginge es nach ihm, wäre alles ganz anders gekommen in seiner Football-Karriere. Dann wäre Tom Brady bei der Verteilung der Nachwuchsspieler auf die NFL-Vereine im Jahr 2000 nicht von den New England Patriots ausgewählt worden, sondern von den San Francisco 49ers. Seinem Lieblingsverein. Dem Klub seines Idols Joe Montana. Doch es kam anders. Und es ist müßig, darüber nachzudenken, ob Brady bei den 49ers auch der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte geworden wäre.

          Der Mann, der fünfmaliger Super-Bowl-Champion ist – und nun zum sechsten Mal Meister werden kann. Der mehr Siege in der K.-o.-Runde aufweist als 27 NFL-Teams in ihrer gesamten Vereinshistorie. Im Alter von 41 Jahren spielt Brady in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr MEZ bei Pro 7 und DAZN) gegen die Los Angeles Rams sein neuntes Super-Bowl-Match. Dabei wurde der Kalifornier belächelt, als er vor 19 Jahren zur „NFL Combine“ kam, einer Sichtung der College-Spieler. „Er sah aus wie ein schlaksiger Junge, der noch nie in einem Kraftraum war“, erinnert sich der damalige 49ers-Cheftrainer Steve Mariuci. So gerne Brady für ihn gespielt hätte, Mariuci war nie an ihm interessiert. San Francisco entschied sich für Giovanni Carmazzi.

          „Das tat unserer Familie weh. Wir hatten seit 25 Jahren Dauerkarten bei den 49ers“, sagt Tom Brady senior. Als sein Sohn von New England verpflichtet wurde, musste er erst einmal auf der Landkarte nachschauen, wo Foxborough liegt. Dieser kleine Ort in Massachusetts, in dem die Patriots beheimatet sind. In seiner ersten Saison war Brady unter den Quarterbacks nur die Nummer vier. Doch die Patriots entließen ihn nicht. Trainer Bill Belichick dachte langfristig: „Wir wollten ihn nicht verlieren und meinten, dass er genug Potential hat, um sich zu verbessern.“ Carmazzi hat nie ein NFL-Spiel bestritten. Brady hingegen ist mit seinen 41 Jahren immer noch einer der besten Quarterbacks der Liga und der uneingeschränkte Anführer der Patriots.

          Vor genau 17 Jahren hieß der Super-Bowl-Gegner schon einmal Rams, die damals noch in St. Louis beheimatet waren. Der 24 Jahre junge Quarterback bewies, dass er der Mann für entscheidende Spiele ist. Beim Stand von 17:17 dirigierte er seine Patriots tief in die Rams-Zone, so dass Kicker Adam Vinatieri in der Schluss-Sekunde das siegbringende Field Goal für den Außenseiter schießen konnte. Die Patriots erinnerten vor wenigen Tagen auf ihrem Instagram-Account mit einer Comic-Zeichnung an dieses Spiel. Zu sehen waren die heutigen Profis Sony Michel, Rob Gronkowski und Julian Edelman, die vor dem Fernseher saßen und einem jubelnden Brady mit der Super-Bowl-Trophäe zuschauten. „Als wir das letzte Mal im Super Bowl gegen die Rams gespielt haben, war @flyguy2stackz 6, @gronk 12 und @edelman11 15“, stand dazu geschrieben. Im Finale 2019 werden sie zusammen mit Brady auf dem Rasen stehen.

          Das Match ist ein Duell der Quarterback-Generationen. Rams-Spielmacher Jared Goff ist 17 Jahre jünger als Brady. Als sie diese Woche beim NFL-TV saßen, wurde Brady gefragt, was für Tipps er Goff geben könne, der mit seinen 24 Jahren so alt ist wie er bei seinem ersten Super-Bowl-Einsatz. Brady lachte kurz. „Ich gebe ihm doch keine Tipps.“

          Er ist trotz aller Erfolge noch voller Ehrgeiz. Er will es seinen Kritikern zeigen. Die meinten nach einer bescheidenen Patriots-Vorrunde, bei Brady einen Leistungsabfall erkannt zu haben. Er sei zu alt und sein Arm nicht mehr stark genug, hieß es. In den Play-offs bewies Brady das Gegenteil – und nutzte den 37:31-Halbfinalsieg bei den favorisierten Kansas City Chiefs für eine Retourkutsche. „Ich bin zu alt, du zu langsam. Wir haben keine technisch beschlagenen Spieler, keine Defensive. Wir haben gar nichts“, sagte er vor laufenden Kameras zu Mitspieler Chris Hogan. Wie er denn mit den ganzen Zweiflern umgehe, wollte ein kleiner Junge am vergangenen Montag von ihm wissen, als Brady im Rahmen der „Opening Night“ auf dem Podium saß. Man dürfe das Negative anderer nicht an sich heranlassen und müsse fokussiert bleiben, sagte Brady mit väterlicher Stimme. „Diese negativen Fans, die Hasser, was sollten wir mit denen machen?“, fragte er den Jungen. Als der mit den Schultern zuckte, sagte Brady: „Wir lieben sie. Denn wir hassen nicht zurück.

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