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American Football : Ersatz-Quarterback führt Eagles zum Super-Bowl-Sieg

Fly Eagle fly: Zack Ertz beherzigt das Motto der Philadelphia Eagles und erzielt im Flug den entscheidenden Touchdown im Super Bowl. Bild: EPA

Zwei knappe Entscheidungen bescheren den Philadelphia Eagles ihren ersten Super-Bowl-Sieg. Star-Quarterback Tom Brady von den favorisierten New England Patriots unterläuft im entscheidenden Moment ein Missgeschick.

          Am Ende gab es dann doch noch eine relevante Verteidigungsaktion. Als sich Star-Quarterback Tom Brady zweieinhalb Minuten vor Schluss der Partie gerade zu einem seiner berühmten Comeback-Versuche begab, um die New England Patriots nach einem 33:38-Rückstand doch noch zum Sieg im Super Bowl LII zu führen, brach der gegnerische Defense End Bryan Braman von den Philadelphia Eagles durch und schlug dem mit fünf Super-Bowl-Siegen erfolgreichsten Quarterback in der Geschichte des American Football das Ei aus dem Arm. Der Comeback-Versuch war im Keim erstickt. Und so bewahrheitete sich wenigstens im Kleinen die Football-Weisheit „Offense wins Games, Defense wins Championships“ (Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften). Letztlich gewannen die Eagles dank eines weiteren Field Goals mit 41:33 den ersten Super-Bowl-Titel ihrer Klubgeschichte.

          Die vorangegangenen 58 Minuten eines hochspannenden Endspiels um den Titel in der amerikanischen National Football League (NFL), in dessen Vorfeld die Spieler beider Teams auf Proteste während der von Pink gesungenen Nationalhymne durch Hinknien verzichtet hatten, waren indes geprägt von erstaunlich ratlosen Defensivreihen und einer Art Fast-Break-Football, bei dem das 100 Yard (rund 91 Meter) lange Spielfeld fast so schnell wechselweise in beiden Richtungen überwunden wurde, wie es sonst eher beim Basketball üblich ist.

          Die Überraschung in diesem Offensivspektakel war der Eagles-Quarterback Nick Foles, der im Passspiel auf dem selben Niveau wie Brady agierte und mit zwei herausragenden Touchdown-Pässen sowie einem eigenen Touchdown nach einem Trickspielzug für die besonderen Momente des Spiels sorgte. Er ist somit der erste Quarterback der Super-Bowl-Geschichte, der sowohl mindestens einen Pass geworfen wie auch einen gefangen hat.

          Zu Saisonbeginn konnte Foles nicht mit einer solch entscheidenden Rolle rechnen. Er war lediglich als Ersatz des Stamm-Quarterbacks Carson Wentz eingeplant und rückte erst in die Startformation, nachdem Wentz im Dezember das Kreuzband gerissen war. In den Playoffs bewährte er sich dann aber als überraschend starker Ersatz. Der 29 Jahre alte Spielmacher ist der erste Backup-Quarterback seit 2002, der ein Team zu einem Sieg im Super Bowl führt. Damals war es ausgerechnet Brady, der zu Beginn seiner Karriere von der Ersatzbank kommend seinen ersten Titel gewann.

          Beim diesjährigen Super Bowl in Minneapolis entwickelte sich auch durch den Mut zu unkonventionellen Lösungen und aufgrund erstaunlich ratloser Defensivreihen eine muntere Jagd nach Yards, in der bereits nach dem dritten Viertel der 60 Spielminuten ein neuer Super-Bowl-Yards-Rekord aufgestellt wurde. Am Ende wurden von beiden Teams insgesamt 1151 Yards geworfen und gelaufen. Beide Quarterbacks überbrückten bemerkenswerte Distanzen durch Pässe, auch das Laufspiel wussten die beiden Defensivreihen nur selten zu stoppen. Dies bereitete vor allem dem von den Patriots nicht mehr gewollten und zu den Eagles gewechselten Running Back Legarette Blount Freude, der viele Yards und auch einen Touchdown gegen seinen früheren Arbeitgeber erlief.

          Geschlagen: Superstar Tom Brady muss die Niederlage verkraften Bilderstrecke

          Die Eagles, die in der ersten Halbzeit stets in Führung lagen, bewiesen zudem im Finale jenen Mut, der sie durch die Saison getragen hatte. Trainer Doug Pederson, der in seinem ersten Jahr als Cheftrainer sogleich den Titel holte, ordnete wiederholt an, einen vierten Versuch – entgegen der Gewohnheit im Football – auszuspielen, statt den Spielzug per Kick zu beenden. Der Mut wurde belohnt mit einem Touchdown zum 21:12, bei dem Quarterback Foles nach einem Trickspielzug zum Passempfänger wurde. Diese Aktion brachte sechs Punkte plus einen Extrapunkt durch den anschließenden Kick ein – statt lediglich drei Punkte für ein in der Situation eigentlich übliches Field Goal. Pederson ließ sich in seiner Premierensaison als Chefcoach von Statistiken überzeugen, die eine Erfolgsquote von gut fünfzig Prozent für ausgespielte vierte Versuche mit wenigen zu überbrückenden Yards errechneten. „Wir sind das ganze Feld runter, und ich wollte meine Mannschaft nicht auf der Ein-Yard-Line stoppen. Wir haben das die letzten Wochen trainiert, und die Jungs haben das gut gemacht“, sagte Pederson zur konkreten Spielsituation.

          Spielentscheidend waren zudem zwei knappe Entscheidungen zugunsten der Eagles: Was im deutschen Fußball Köln ist, ist im American Football New York, wo das Kommando-Center strittige Entscheidungen nach Ansicht der Videoaufzeichnungen überprüft. Das Vorbild des deutschen Videoschiedsrichters bestätigte zunächst die strittige Entscheidung bezüglich eines Touchdowns zum 28:19 durch Corey Clement zugunsten der Eagles, als der Receiver mit den Füßen extrem knapp an der Spielfeldbegrenzung stehend den Pass in der Endzone in Empfang nahm. Hätten sie den linken Fuß wie auf den Fernsehbildern zu vermuten „out of bounds“ erklärt, wäre der Touchdown ungültig gewesen. Später erkannten sie auch den spielentscheidenden Touchdown durch Zack Ertz an, dem der Ball nach dem Sprung in die Endzone beim Berühren des Bodens aus den Händen glitt. Die Videoschiedsrichter hielten dem Receiver zugute, dass er den Ball schon zuvor unter Kontrolle hatte.

          Eine weitere regeltechnische Rahmenbedingung bereitete den Patriots zusätzliche Probleme: Seit dieser Saison werden als Folge der zahlreichen Studien zu schweren Hirnschäden bei NFL-Profis mögliche Kopfverletzungen direkt im Stadion mit modernstem technischem Gerät untersucht. Wide Receiver Brandin Cooks, für Brady die flinke, auf Läufe in die Tiefe spezialisierte Passempfänger-Alternative zum hünenhaften Rob Gronkowski, musste deshalb früh mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung das Spiel beenden. Den Patriots fehlte von da an eine entscheidende Waffe im Kampf um den Titel.

          Und wie löste Brady das Problem? Er suchte eben in fast jedem entscheidenden Spielzug Gronkowski, der auch den Touchdown-Pass zum zwischenzeitlichen 32:32-Ausgleich in über zwei Meter Höhe fing, wo kaum ein Gegenspieler eine Chance zur Pass Interference hat. Allein: Es reichte in diesem Jahr für den erfolgsverwöhnten Quarterback in seinem achten Super Bowl nicht zum sechsten Sieg. Es wird Brady anspornen, auch im Alter von 40 Jahren noch nicht den Rücktritt zu erklären, sondern neue Anläufe zu weiteren Erfolgen zu starten.

          Nicht unerwähnt darf beim Super Bowl die Halbzeitshow bleiben: Justin Timberlake lieferte mit einigen Jubelperser-Choreographien mit eigens engagierten Fan-Darstellern vor seiner Bühne einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Verhalten der nordkoreanischen Fan-Delegation bei den Olympischen Spielen. Zudem würdigte er in einem tatsächlich recht bewegenden musikalischen Doppelpass den auf ein riesengroßes Tuch projizierten, 2016 verstorbenen Prince, der im Super-Bowl-Spielort Minneapolis sein Leben verbracht hatte.

          Quarterback Nick Foles, wertvollster Spieler des 52. Super Bowl

          Erst war er nur Ersatzmann, dann wurde er zum wertvollsten Spieler des Finales gewählt: Quarterback Nick Foles von den Philadelphia Eagles ist in der Nacht zum Montag MVP des 52. Super Bowl geworden. Mit einer überragenden Leistung führte er sein Team zum Sieg gegen den Seriengewinner um Tom Brady.

          Dass der Texaner in Minneapolis überhaupt auflief, lag an der Verletzung des etatmäßigen Quarterbacks Carson Wentz. Ersatzmann Foles hatte bis dahin einen allenfalls mittelmäßigen Ruf, konnte aber eine kontinuierliche Leistungssteigerung in den Playoffs vorweisen und wusste im Finale erst recht zu überzeugen.

          Foles brachte 28 von 42 Pässen ins Ziel und verzeichnete insgesamt 373 Yards. Er ist erst der dritte Quarterback überhaupt, der den Super Bowl gewinnen konnte, nachdem er in der regulären Saison nur drei oder weniger Spiele gemacht hat. Foles ist außerdem der erste Spieler in der NFL-Geschichte, der im Super Bowl sowohl einen Pass zum Touchdown geworfen als auch einen solchen selber gefangen hat. Sein letzter Pass auf Zach Ertz 2:21 Minuten vor Schluss war letztlich spielentscheidend.

          Vor dem Super Bowl hatte der Quarterback, der außerhalb des Feldes wirkt wie ein freundlicher Student, ein ganz anderes großes Ziel offenbart. „Ich möchte Pastor an einer High School werden“, sagte er. Der 29-Jährige ist tiefgläubiger Christ. Beten, so sagte er, habe ihm in der schweren Zeit nach einer Verletzung bei der Entscheidung geholfen, in der NFL zu bleiben. Im März 2017 war Foles zu den Eagles zurückgekehrt. (dpa)

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