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Heinz Wewering : Die Tränen der Sulky-Legende

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Hein Wewering: ultracooler und abgezockter Profi Bild: Picture-Alliance

Das Traber-Derby geht in die 124. Runde. Sulky-Legende Heinz Wewering ist mit dabei. Ob ihm wieder die Tränen kommen, ist unwahrscheinlich. Doch das Rennen ist einer der Höhepunkte des Derby-Meetings.

          Wenn Heinz Wewering im Sulky eines Pferdes als Sieger über die Ziellinie fährt, ist das für das Publikum auf den deutschen Trabrennbahnen ein gewohnter Anblick. Exakt 16.902 Erfolge hat der mittlerweile 69 Jahre alte Sportler in seiner Karriere bisher errungen, dabei rund 60 Millionen Euro Preisgeld gewonnen. Und er hat sich stets als ultracooler und abgezockter Profi präsentiert, der weder beim Gewinn seiner sechs Welt- und Europameistertitel noch bei seinen 29 Triumphen als deutscher Meister auch nur einmal mit der Wimper gezuckt hat.

          Doch am 7. Juli auf der Mariendorfer Piste im Süden Berlins mochten die Zuschauer ihren Augen kaum trauen. Denn als Wewering wenige Minuten nach dem Rennen den Winner-Circle betrat, um als Sieger geehrt zu werden und Interviews zu geben, versagte dem gebürtigen Westfalen für einen Moment die Stimme. Der ruhmreichste europäische Trabrennfahrer zeigte sich mit feuchten Augen so tief gerührt, wie man ihn zuvor noch nie gesehen hatte. Der Grund: Mit dem völlig überraschenden Sieg seines Riesenaußenseiters namens Rainbow Diamant hatte selbst Wewering nicht gerechnet. Der mit 10.000 Euro prämierte Erfolg war obendrein sehr wichtig, denn er berechtigt Wewering und sein Pferd, am Endlauf des Super Trot Cups teilzunehmen.

          Krönung der Trabrennsaison

          Dieses Rennen ist einer der Höhepunkte des Derby-Meetings, das an diesem Freitag in Berlin beginnt. Bei dem aus insgesamt sieben Veranstaltungstagen bestehenden Ereignis, das die Krönung der deutschen Trabrennsaison ist, geht es um viel Geld. Weit über eine Million Euro werden bei dem Meeting, das am 4. August in das Finale des 124. Deutschen Traber-Derbys mündet, an die Starter aus ganz Europa verteilt. Neben Männern wie dem Niederländer Robin Bakker (36), der das Derby als einziger Fahrer viermal nacheinander gewann, sowie den deutschen Spitzenprofis Michael Nimczyk, Josef Franzl und Rudolf Haller gehört Wewering dabei zu den altbekannten Gesichtern, die in den kommenden Tagen das Geschehen auf der Berliner Trabrennbahn prägen werden.

          Doch einiges ist neu: Zum ersten Mal in der Geschichte des seit 1895 ausgetragenen Derbys finden die Vorläufe, in denen sich nur die schnellsten Traber für den Endlauf qualifizieren, bereits zwei Wochen vor dem Finale statt. „Wir haben diesen neuen Modus gewählt, um dem Wohlbefinden der Pferde entgegenzukommen“, sagt Andreas Haase, der Geschäftsführer des Berliner Rennvereins. Der neue Zeitrhythmus ist für die Tiere wesentlich schonender als die früher praktizierte Variante, bei der nur eine Woche Pause zwischen den Vorläufen und dem Finale lag.

          Aber die Zeittaktung ist nicht die einzige Veränderung. Mit dem Super Trot Cup hat das Berliner Meeting erheblich an internationalem Prestige gewonnen. Verglichen mit dem Derby, auf das inklusive aller Vorläufe rund 500.000 Euro entfallen, ist das Finale des Super Trot Cups mit 70.000 Euro Preisgeld zwar deutlich geringer dotiert. Der 2016 ins Leben gerufene Wettkampf ist aber eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Anfänglich nur als Zusammenarbeit des Berliner Rennvereins mit den Verantwortlichen der Piste im schwedischen Malmö konzipiert, stießen später auch österreichische und dänische Traditionsbahnen hinzu.

          In diesem Jahr wird das Cup-Finale erstmals als Sechsländer-Vergleich ausgetragen, in dem auch die führenden Trabrennsportler aus Italien und den Niederlanden antreten. Aus dem ehemaligen Städtekampf zwischen Berliner und Malmöer Sulkyfahrern ist eine inoffizielle Europameisterschaft geworden, und angesichts der Klasse der Teilnehmer ist die Frage nach dem Sieger völlig offen. Nur eines ist zu vermuten: Sollte am Ende tatsächlich wieder Heinz Wewering im Winner-Circle stehen, wird er diesmal wohl wesentlich gefasster sein. Denn feuchte Augen sind bei Deutschlands bestem Trabrennfahrer eine einmalige Ausnahme.

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