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Rugby-WM : Südafrika erfüllt den ultimativen Traum

  • -Aktualisiert am

Der Weltmeister mit Pokal: Südafrika feiert. Bild: dpa

Zum ersten Mal in der Geschichte der Rugby-WM reckt ein nicht weißer Kapitän die goldene Trophäe in den Himmel. Für Südafrika und den Rugby-Sport eine kaum zu unterschätzende Symbolik.

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          Es ist kein Geheimnis, dass Endspiele beim Rugby durch Penalties und Dropkicks und nicht unbedingt durch mitreißende Sturmläufe entschieden werden. Südafrikas Kapitän Siya Kolisi fasste die Erwartungen für das WM-Finale zusammen, als er sagte: „Es wird eine Linie geben, die sie versuchen zu überschreiten und wir werden versuchen, sie daran zu hindern. Mit Disco-Beleuchtung ist dabei nicht zu rechnen.“

          Und trotzdem hatten die 70.000 im International Stadium von Yokohama doch gehofft, dass diese so begeisternde WM auch ihren mitreißenden Höhepunkt finden würde. Das letzte Mal liefen die Spieler unter dem Dröhnen japanischer Trommeln ein, zum letzten Mal wurden die Hymnen gesungen.

          Auf den Rängen dominierte das Weiß der Engländer, unten auf dem Rasen hatten allerdings von der ersten Minute an die Springboks das Sagen. Und das noch mehr, als einer der physisch stärksten Engländer im Gedränge, Kyle Sinckler, bereits nach drei Minuten mit einer Verletzung vom Platz musste. Danach verwandelte das Match sich exakt in das, was Kolisi prophezeit hatte.

          Pokalübergabe mit großer Geste

          Die Springboks ließen die Engländer ihre gefürchtete Physis spüren und sich kaum aus der Reserve locken. Keine Mannschaft konnte entscheidend an Territorium gewinnen und so waren es bis zwölf Minuten vor dem Ende ausschließlich Penalties, die beiden Teams die Punkte brachten. Nach 68 Minuten stand es 18:12 für Südafrika. Englands Trainer Eddie Jones zeigte nun immer öfter ein für ihn ungewohnt ratloses Gesicht. Denn das Spiel wurde eher von den Mängeln seiner bis dahin so gefeierten Spieler, als von der Brillanz der Gegner bestimmt.

          Und obwohl sich die Engländer gegen die schweren Jungs vom Kap im Gedränge nie wirklich behaupten konnten, waren es am Ende ihre pfeilschnellen Flügelstürmer Makazole Mapimpi und Cheslin Kolbe, die mit Versuchen in der 68. und 75. Minute die Männer in Weiß endgültig besiegten. Das 32:12 markierte den Endstand.

          „Es war uns eigentlich klar, dass die Südafrikaner so spielen würden“, sagte der englische Trainer Jones auf der Pressekonferenz. „Und trotzdem sind wir hier zu keiner Minute wirklich ins Spiel gekommen. Südafrika war überragend heute. Dominant in jedem Aspekt dieser Partie und immer gefährlich. Sie sind ein würdiger Weltmeister.“

          Und obwohl ästhetisch kaum jemand hoffen kann, dass das zähe Spiel von Yokohama die Zukunft des Rugby darstellt, so endete es doch mit einer großen Geste. Denn hatte vor zwölf Jahren, beim letzten Titelgewinn der Südafrikaner der damalige Staatspräsident Thabo Mbeki noch größtenteils hellhäutigen Hünen die Hände geschüttelt, so reckte in Yokohama mit Siya Kolisi zum ersten Mal in der Geschichte der Rugby-WM ein nicht weißer Kapitän die goldene Trophäe in den Himmel. Für Südafrika und den Rugby-Sport ist das eine kaum zu unterschätzende Symbolik.

          Geschlagen: Der Engländer Billy Vunipola im blutigen Trikot. Bilderstrecke

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