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Schwimmer suchen Sportdirektor : Tiefe Gräben neben dem Becken

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach einem Sportdirektor: DSV-Präsident Marco Troll Bild: dpa

Die Suche nach einem Sportdirektor bei den Schwimmern bleibt schwierig: Nach Wochen der Vakanz scheint Michael Groß Favorit auf den Posten zu sein. Doch ist er Teil der Lösung oder des Problems?

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          Marco Troll war am Wochenende ein gefragter Mann. Tatsächlich war der Präsident des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) das schon länger, schließlich liegt im DSV derzeit einiges im Argen. Doch bis zuletzt war Troll für An- und Nachfragen zum DSV nicht erreichbar. Nun, in Berlin, war das anders. Während in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee Deutschlands schnellste Schwimmerinnen und Schwimmer um die letzten Tickets zu den Olympischen Spielen in Tokio kämpften, sprach Troll in Kameras, Mikrofone und Aufnahmegeräte, beantwortete jene Fragen, die sich stellen, seit sich der Verband vor knapp acht Wochen überraschend von Sportdirektor Thomas Kurschilgen getrennt hat.

          Seit Ende Februar ist diese zentrale Position im Leistungssport vakant. Eine erste Interimslösung mit dem ehemaligen Wasserball-Nationalspieler Dirk Klingenberg war innerhalb weniger Stunden nach Bekanntgabe der Personalie schon wieder gescheitert, da man im DSV in der Zwischenzeit von einem Sponsoring von Klingenbergs Oldie-Team durch ein Bordell im Jahr 2014 erfahren hatte. Seither sind abermals fast drei Wochen vergangen. Genug Zeit, um die Gerüchteküche hochkochen zu lassen. Erst recht in einem Verband, in dem seit Jahr und Tag alte Fehden und eigene Eitelkeiten gleichermaßen gepflegt werden. Kehrt der von den Schwimm-Bundestrainern ins Spiel gebrachte und als „einzige akzeptable Lösung“ bezeichnete Dreifach-Olympiasieger Michael Groß als Interimslösung zurück? Bereit wäre er, bekräftigte Bundestrainer Bernd Berkhahn in Berlin. Oder hat der Vorstand ein Problem mit der Stärke des „Albatros“? Ist Groß vielleicht schlicht zu teuer? Schließlich stehen dem Verband nach einem Corona-Jahr 2020 mit fehlenden Lizenzerlösen im hohen sechsstelligen Bereich und Ausgaben für eine möglicherweise unrechtmäßige Trennung von Kurschilgen finanzielle Probleme ins Haus.

          Bereit für die Stelle? Michael Groß wird als Kandidat für den Sportdirektor-Posten des DSV gehandelt.
          Bereit für die Stelle? Michael Groß wird als Kandidat für den Sportdirektor-Posten des DSV gehandelt. : Bild: dpa

          Groß ist einer von vielen Kandidaten

          Troll bestätigte Gespräche mit Groß, Details nannte er nicht. Die Runde machten unterdessen weitere Namen: Lutz Buschkow, aktuell Bundestrainer Wasserspringen und von 2008 bis 2016 bereits Direktor Leistungssport im DSV. Oder der Unternehmensberater Michael Rosenbaum. Letzterer, mitverantwortlich für die Episode Klingenberg, sei „nie ein Kandidat“ gewesen, sagte Troll dieser Zeitung. Vielmehr habe man ihn ins Boot geholt, um den Breitensport voranzubringen. Ein Versprechen, mit dem der Vorstand im November zur Wahl angetreten war. Für diese Aufgabe halte man die Agentur „Rosenbaum Nagy“ weiterhin für die passende Besetzung.

          Zum Namen Buschkow sagte Troll auf Nachfrage: „Wir haben mit verschiedenen Personen, unter anderem Lutz Buschkow, gesprochen, wie die anstehenden Aufgaben in Richtung Olympische Spiele organisiert werden können.“ Doch im Schwimmen hat sich der Bundestrainer der Wasserspringer bei seinem ersten Engagement nicht nur Freunde gemacht. Der Vorwurf: Er habe in seiner Doppelfunktion ausschließlich seine Wasserspringer im Blick gehabt. Das wird nun wieder befürchtet. Unter Kurschilgen war in den vergangenen Jahren aber wiederum auch der Unmut in den Fachsparten Wasserspringen, Wasserball und Synchronschwimmen gewachsen, habe sich der damalige Sportdirektor doch ausschließlich ums Schwimmen und dort vor allem um das Wohl und Weh der Medaillenkandidaten gekümmert.

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