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Einnahmen brechen weg : Sportler in Existenzangst

Deutsche Spitzensportlerin: Leichtathletin Malaika Mihambo Bild: dpa

Laut einer Studie kostet die Corona-Pandemie deutsche Olympia-Athleten ein Viertel ihrer Einnahmen. Für die Sportler ist dies besorgniserregend, die Politik nennt die Situation „höchst alarmierend“.

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          Die Mitglieder der Olympia-Mannschaften und der Paralympics-Teams Deutschlands haben durch den Ausfall von Preisgeld und Werbeverträgen in der Pandemie Millionenverluste erlitten. Sechs Millionen Euro sind nach einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln, die an diesem Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages vorgestellt wurde, allein den 466 Mitgliedern der Teams, die für die Sommerspiele von Tokio 2021 und die Winterspiele von Peking 2022 vorgesehen sind, in den ersten zehn Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entgangen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das entspricht einem Viertel ihrer Einnahmen, monatlich im Schnitt 1287 Euro. Für das kommende Jahr prognostiziert Professor Christian Breuer, Leiter der Studie, einen Rückgang der Einnahmen um im Schnitt weitere 600 Euro pro Monat. Der Einnahmeverlust der Olympia- und Paralympics-Athleten soll, bei anhaltenden Einschränkungen, dann auf von 9,2 auf 10,5 Millionen Euro im Jahr steigen.

          Warnung von Athleten

          Athletensprecher Max Hartung nennt die Ergebnisse der Studie besorgniserregend. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Sportlerinnen und Sportler in die Situation geraten, ihre Lebenshaltungskosten nicht decken zu können“, warnte der Fechter in einer Mitteilung von Athleten Deutschland: „ Außerdem müssen sie in der Lage sein, die notwendigen Kosten zur Ausübung ihres Sports – wie jene für Ausrüstung, Fahrtkosten oder zusätzliche Physiotherapie – weiterhin aufbringen zu können.“

          Fast jedes zweite Mitglied der Top-Mannschaften ist vom Ausfall von Startgeld und Prämien betroffen sind. 38 Prozent berichten von reduzierten Sponsorleistungen, jeder zehnte erhält verringerte Leistungen vom Verein. Laut Studie können Top-Athleten mit Brutto-Einnahmen von rund 2100 Euro im Monat rechnen, von denen in Durchschnitt 600 staatliche Sportförderung etwa durch Stellen bei Bundeswehr und Polizei sind. Die Stiftung Sporthilfe unterstützt Top-Athleten mit im Schnitt 380 Euro. Der Verlust an Prämien beläuft sich demnach auf im Schnitt 871,08 Euro monatlich, der an Sponsorgeld auf 436,20. Gut 600 Euro wenden die Sportlerinnen und Sportler dafür auf, ihren Sport zu betreiben.

          Hartung weist darauf hin, dass zusätzlich zu den wirtschaftlichen Verlusten Sportlerinnen und Sportler durch die Absage der Wettkämpfe ihre sportliche Perspektive verlieren und ihre wichtigsten Bühne, während Sponsoren ihre Budgets zusammenstrichen. Athletinnen und Athleten blieben, auch wenn sie nicht bei Wettkämpfen zu sehen seien, wertvolle Botschafter und gesellschaftliche Akteure in einer für alle schwierigen Zeit.

          „Höchst alarmierend“ nennt Mahmut Özdemir, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, die Situation. Die Politik sei aufgefordert, den Athleten die Existenzangst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass der olympische und paralympische Nachwuchs aus ökonomischer Not seinen Sport aufgebe. Auch die Unionsfraktionen sehen sich zur Hilfe aufgefordert. Eberhard Gienger, ihr sportpolitischer Sprecher, fordert eine Beschäftigung mit dem Thema im Sportausschuss, um bei besonderen Härten helfen zu können. Er regt an, für Top-Athleten Hilfe ähnlich der für Soloselbständige zu ermöglichen.

          Auch Athleten in Perspektiv- und Ergänzungs-Kadern bekommen die Pandemie wirtschaftlich zu spüren: Ihnen stehen laut Studie 15 Prozent weniger zur Verfügung, das entspricht 332 Euro monatlich. An der Befragung durch die Sporthochschule beteiligten sich 1626 Sportlerinnen und Sportler, das ist eine Quote von vierzig Prozent.

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