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Streit um Goldwallach : Sam wird zur Herzenssache

Michael Jung mit dem Wallach Sam bei der Weltmeisterschaft 2010 Bild: REUTERS

Bei den Weltreiterspielen gewann Sam Gold in der Vielseitigkeit. Seit November tobt ein Streit zwischen dem Verband und der Besitzerin um den Wallach. Nun gibt es nach F.A.Z.-Informationen ein neues Problem: Sam hat einen Herzfehler.

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          Einen letzten Brief will Reinhard Wendt an Sabine Kreuter noch schreiben. Das ist ihm Herzenssache. Schließlich verhandelt er schon seit November letzten Jahres mit ihr, weil das Deutsche Olympiadekomitee für Reiterei (DOKR) mit Hilfe mehrerer Gönner das Vielseitigkeitspferd Sam kaufen will. Sam – das ist er elfjährige Wallach, mit dem der Schwabe Michael Jung im vergangenen Jahr in Lexington den Einzel-Weltmeistertitel gewonnen hat.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Das Pferd gehört zu 60 Prozent Sabine Kreuter, zu 40 Prozent der Familie Jung. Immer wieder sind Wendt und die resolute Allgäuerin einer Einigung nahe gekommen, immer wieder ist das Geschäft kurz vor dem Ziel gescheitert. „Im Moment habe ich keine Idee mehr, was ich ihr noch vorschlagen soll“, sagt der Sportchef der deutschen Reiterei. In dem Brief will er sie bitten, sich einmal in die Lage der anderen Seite zu versetzen. Und er will ihr eine Frist setzen. Wenn sie sein Angebot bis dahin nicht akzeptiert hat, ist für ihn das Thema Sam beendet.

          Der Wallach hat ein Herzproblem

          Das jüngste Problem: Bei einer veterinärmedizinischen Untersuchung, die Wendt gegen den zähen Widerstand von Frau Kreuter durchgesetzt hat, wurde nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Befund festgestellt, den später ein Spezialist bestätigte. Der Wallach hat ein Herzproblem, das sich zwar im Moment nicht leistungsmindernd auswirkt, und vielleicht auch nie zum Tragen kommt, trotzdem aber ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt.

          Darum hat Wendt Sams Hauptbesitzerin offenbar vorgeschlagen, die Zahlung des Kaufpreises in mehrere Raten über zwei Jahre zu strecken – also bis nach den Olympischen Spielen in London 2012. Falls das Pferd leistungsfähig bleibt, würde die Verkäuferin am Ende die gleiche Summe eingenommen haben, die Wendt und seine Unterstützer ihr ursprünglich angeboten haben. Diese soll sich nach zuverlässigen Informationen auf etwa 420.000 Euro belaufen. Dieses Angebot hat Frau Kreuter offenbar abgelehnt.

          Laut Wendt gerieten die Verhandlungen auch aus anderen Gründen immer wieder ins Stocken. Sabine Kreuter habe verlangt, dass kein anderer als Michael Jung das Pferd reiten dürfe. Und dass ihr auch nach dem Verkauf weiterhin 25 Prozent aller Gewinngelder zustehen sollten. Beide Zugeständnisse kann Wendt ihr nicht machen.

          Der erste Punkt widerspräche dem Interesse des Verbandes, denn auch im Fall einer Verletzung Jungs soll das Pferd im Spitzensport bleiben. Der zweite Punkt ließe die finanziellen Interessen der Geldgeber außer Acht, über die das DOKR nicht verfügen kann. Auch einen Weiterverkauf Sams wollte Sabine Kreuter ausschließen. Laut Satzung kommt dieser sowieso nur in Frage, wenn das Pferd nicht mehr für den Spitzensport tauglich sein sollte – bei dieser Minimalregelung muss Wendt es auch belassen.

          Bot ein Engländer eine Million Euro?

          Sabine Kreuter war – wie schon in der Vergangenheit – für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf ihre Website hingegen verbreitet sie ihre eigene Darstellung des Falls. Das DOKR, heißt es dort, habe ihr für Sam 20.000 Euro zahlen wollen. Wendt bestätigt dies sogar, ergänzt allerdings, dass das Angebot aus dem Jahr 2008 – zwei Jahre vor dem Gewinn des Weltmeistertitels – stamme und sich damals schon auf einen zehn- bis fünfzehnprozentigen Anteil bezogen habe, um das Pferd vor einem Verkauf zu sichern. Tatsächlich hat der Vorsitzende des deutschen Dressurausschusses, Holger Heigel, wenige Tage nach Jungs WM-Coup ein viel höheres Angebot vorgelegt.

          Zusammen mit einigen Freunden offerierte er Sabine Kreuter 600.000 Euro für ihren Anteil an Sam, Jung hätte seine 40 Prozent behalten. Diese Summe orientierte sich an dem angeblichen Gebot eines reichen Engländers über eine Million Euro, auf das sich Frau Kreuter berief. Die Gruppe habe, so Heigel heute, das Geld aber nur dann zahlen wollen, wenn Kreuter ihr die Millionen-Offerte schriftlich dokumentiert hätte.

          Die Lage ist nun prekär

          Das habe sie nicht getan. Stattdessen behauptete sie, wegen eines weiteren Bieters hätte sich der Preis auf zwei Millionen verdoppelt und dokumentierte auch dieses Gebot nicht. Daraufhin zogen sich die Mäzene zurück. Auf ihrer Website beschwert sich die Pferdebesitzerin, die zwischendurch Sam sogar von Jungs Hof in Horb entführt hatte, dass ihr das Heigel-Gebot nie schriftlich vorgelegt worden sei.

          Sam steht derweil im Stall der Familie Jung, nicht ahnend, dass er sich in einem vertragslosen Zustand befindet. Am 31. Dezember 2010 endete die Vereinbarung, die Michael Jung das Nutzungsrecht an Sam und die Gewinngelder zusprach. Die Lage ist prekär, schon allein wegen der Haftungsfrage, falls sich das Pferd etwa beim Training verletzen sollte. Doch niemand weiß, wie es jetzt weitergehen soll mit dem Pferd, das Deutschland 2012 in London eine, oder vielleicht sogar zwei Goldmedaillen sichern sollte.

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