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Street-Skateboarder Huston : „Dieser Sieg hat unser Leben gerettet“

Kein Hindernis ist Street-Skateboarder Nyjah Hutson zu schwer. Bild: Monster Energy Germany

Nyjah Huston ist der mit Abstand beste Street-Skateboarder der Welt. Dabei lebte er jahrelang auf einer einsamen Farm in Puerto Rico. Dann setzen er und seine Mutter alles auf eine Karte – und gewinnen.

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          Nyjah Huston machte im Jahr 2011 einen Schnitt. „Es stimmt“, schrieb er auf Twitter, „ich habe meine Dreadlocks abgeschnitten.“ Während Kinder in bürgerlichen Familien sich als Zeichen der Rebellion gegen ihre Eltern Dreadlocks wachsen lassen, machte Huston das Gegenteil, allerdings mit einem ähnlichem Ziel: Er rebellierte gegen seinen Vater. Der war ein strikter Rastafari. Bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr durfte der kleine Huston nur Reggae-Musik hören, sich ausschließlich vegan ernähren – und seine Dreadlocks nicht abschneiden.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ein paar Jahre lang musste er auf einer einsamen Farm in den Bergen Puerto Ricos leben, wurde dort mit seinen Geschwistern von der Mutter unterrichtet und arbeitete mit dem Rest der Familie auf der Farm. „Ich verstehe bis heute nicht, warum unser Vater uns dort hingebracht hat. Er wollte uns wohl von sozialen Einflüssen abhalten, wir sollten nicht zur Schule gehen und uns nicht mit normalen Kindern anfreunden“, sagte Huston in einem Interview mit dem „Rolling Stone“ 2015. Heute will er nicht mehr darüber reden.

          Mittlerweile ist Nyjah Huston der mit Abstand beste Street-Skateboarder der Welt. Bei dieser Disziplin geht es darum, in einem Hindernisparcours möglichst spektakuläre Tricks zu zeigen. Seit 2010 gibt es die „Skateboarding Street League“, in der sich die Athleten in verschiedenen Wettbewerben für die Weltmeisterschaft am Ende des Jahres qualifizieren: Huston gewann die Tour 2010, 2012, 2014 und 2015. In diesem Jahr steht er vor dem Tour-Stopp im Münchner Olympiapark an diesem Samstag auf Rang zwei der Rangliste. Bislang hat er sieben Goldmedaillen bei den X-Games – einem Event für Extrem- und Trendsportarten – gewonnen und mehr Preisgeld als jeder andere Skateboarder.

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          Geboren wurde Huston 1994 in Davis, Kalifornien. Zum ersten Mal kletterte er auf ein Skateboard, als er vier Jahre alt war. Sein Vater, früher selbst Skateboarder, hatte die Sportart für ihn und seine Brüder ausgesucht, er stellte sie jeden Tag aufs Skateboard und kaufte 2004 für seine Jungs einen eigenen Skatepark. Nyjah verbrachte Tag und Nacht darin. Er habe immer versucht, seinen Vater zu beeindrucken, sagt seine Mutter Kelle. „Nyjahs Talent und seine Sehnsucht nach Anerkennung machten ihn so erfolgreich.“

          Bereits als Zehnjähriger gewann ihr Sohn Wettkämpfe gegen Skateboarder, die doppelt so alt waren. Als Elfjähriger trat er zum ersten Mal bei den X-Games an. „Ich habe damals vor allem versucht, nicht überfahren zu werden“, sagt er heute. Sein Vater unterschrieb für ihn die ersten Sponsorenverträge, es sah alles nach einer Bilderbuchkarriere aus. Dann kam der Bruch. Mit dem Geld, das der Elfjährige als Skateboarder verdient hatte, kaufte der Vater die Farm in Puerto Rico. Die Familie zog um.

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