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Straßenrad-WM : Pedersen krönt sich zum Weltmeister – Deutsche chancenlos

  • Aktualisiert am

Der Däne Mads Pedersen bejubelt seinen Sieg bei der Straßenrad-WM in Großbritannien. Bild: dpa

Im peitschenden Regen von Harrogate überquert der Däne nach dem auf 261 Kilometer verkürzten Rennen die Ziellinie. Die deutschen Radfahrer haben zehn Monate vor den Olympischen Spielen hingegen noch viel Arbeit vor sich.

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          Pascal Ackermann gab 28 Kilometer vor dem Ziel bei der denkwürdigen Wasserschlacht von Harrogate auf und verschwand direkt unter der Dusche im Bus, John Degenkolb verpasste die entscheidende Gruppe. Als Mads Pedersen auf der Parliament Street nach über sechs Stunden Schwerstarbeit sensationell zum WM-Titel stürmte, war die nächste Nullnummer der deutschen Mannschaft bei der Straßenrad-WM in England längst perfekt. Ackermann und Co. spielten auf dem wegen des miserablen Wetters verkürzten Kurs über 261 Kilometer am Sonntag erwartungsgemäß keine Rolle und müssen weiter auf den ersten WM-Titel seit Rudi Altig vor 53 Jahren warten.

          Stattdessen krönte sich bei widrigen Bedingungen Außenseiter Pedersen zum Nachfolger des spanischen Altstars Alejandro Valverde, der im Vorjahr bei der WM in Innsbruck alle überrascht hatte und diesmal wie viele andere vorzeitig ausstieg. Der 23 Jahre alte Däne schlug erst auf den letzten Metern den Italiener Matteo Trentin sowie Stefan Küng aus der Schweiz. Gianni Moscon und Favorit Mathieu van der Poel hatten in der kleinen Gruppe vorher abreißen lassen.

          Ernüchterung bei Deutsche Radfahrern

          Von einem solchen Erfolg können die Deutschen nur träumen. Für das Team des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) war es eine ernüchternde WM in Harrogate, wo vor 37 Jahren Sängerin Nicole den Eurovision Song Contest mit „Ein bisschen Frieden“ gewonnen hatte. Seit 2016 gab es nun zum dritten Mal in Serie bei den Frauen und Männern keine Medaille in den olympischen Disziplinen.

          Zehn Monate vor den Sommerspielen in Tokio sind die Aussichten alles andere als rosig. Allerdings machten dem BDR auch Ausfälle und Verletzungen zu schaffen: Hoffnungsträger Maximilian Schachmann, der sich nach seinen Handbrüchen bei der Tour auch noch eine Grippe eingefangen hatte, musste passen. Tony Martin als alternder Zeitfahr-Rekordchampion war nach seinem heftigen Vuelta-Sturz angeschlagen angereist und kam in seiner Spezialdisziplin nicht über Rang neun hinaus.

          Ausscheidungsrennen im peitschenden Regen

          Beim Schlussakt wurde eine frühe Ausreißer-Gruppe um Vuelta-Sieger Primoz Roglic vorzeitig vom Feld gestellt. Ab etwa 100 Kilometer vor dem Ziel wurde das Rennen im peitschenden Regen zu einem Ausscheidungsfahren. Nicht nur Roglic und Valverde, sondern auch der gestürzte belgische Mitfavorit Philippe Gilbert und Youngster Remco Evenepoel stiegen vorzeitig aus.

          Der BDR hatte mangels Alternativen auf einen eher unwahrscheinlichen Massensprint gehofft und auf Ackermann gesetzt. Der 25 Jahre alte Südpfälzer hielt gemeinsam mit Degenkolb und Nils Politt auch lange im Peloton mit, doch rund 40 Kilometer vor dem Ziel wurde das Tempo auf dem hügeligen Profil zu hoch. „Es war richtig hart. Dann hatte ich noch einen Plattfuß, das hat mir ein bisschen die Körner gezogen“, sagte Ackermann in einer ersten Reaktion im ZDF.

          Van Vleuten hängt alle ab

          Einmal mehr spielte das schlechte Wetter am Sonntag eine große Rolle. Dauerregen in der Nacht führte dabei zu einer Streckenverkürzung von 285 auf 261 Kilometer. Der ursprüngliche Kurs wäre sonst das längste WM-Rennen seit 1976 gewesen. Trotzdem standen Teile des Kurses noch unter Wasser. Die Fahrer kämpften sich durch tiefe Pfützen, das TV-Bild fiel bei Dauerregen, Wind und etwa 10 Grad zeitweise komplett aus.

          Die Frauen hatten am Samstag noch deutlich besseres Wetter angetroffen. Dabei sorgte Annemiek van Vleuten für einen denkwürdigen Auftritt. Nach einer 105 Kilometer langen Alleinfahrt holte sich die Niederländerin mit über zwei Minuten Vorsprung den WM-Titel. Für die 36-Jährige war es der erste Sieg bei einem großen Rennen im Nationaltrikot, nachdem sie bei den Olympischen Spielen in Rio in Führung liegend fürchterlich gestürzt war. Beste Deutsche war Lisa Brennauer (Durach) mit über fünf Minuten Rückstand auf Platz neun.

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