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Zeitfahr-WM : „Wahrscheinlich haben wir da den neuen Eddy Merckx“

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Die Medaillengewinner in Yorkshire: Zweiter Remco Evenepoel (l.), Sieger Rohan Dennis (Mitte) und der Dritte, der Italiener Filippo Ganna Bild: AP

Für Tony Martin gab es bei der diesjährigen Zeitfahrweltmeisterschaft nichts zu holen. Der Australier Rohan Dennis distanzierte die Konkurrenz deutlich, nur ein 19 Jahre alter Belgier konnte ansatzweise mithalten.

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          Tony Martin wischte sich völlig enttäuscht den Schweiß aus dem Gesicht – alle Mühe war vergebens. Für den angeschlagenen Rekordweltmeister hat sich in der Hügellandschaft von Yorkshire der Traum von einer weiteren Medaille zerschlagen. Der von einem schweren Sturz bei der Vuelta offensichtlich noch nicht genesene Martin musste sich bei der Straßenrad-WM im Einzelzeitfahren über 54 Kilometer von Northallerton nach Harrogate mit dem neunten Platz begnügen.

          2:27 Minuten hinter dem alten und neuen Weltmeister Rohan Dennis aus Australien wurde der 34-Jährige gestoppt – für Martins Verhältnisse fast schon Welten. Silber und Bronze gingen an das belgische Wunderkind Remco Evenepoel und den Italiener Filippo Ganna, ebenfalls erst 23 Jahre jung. „Mit der Vorgeschichte sollte ich damit leben können“, sagte Martin dem ZDF. „In der Vorbereitung habe ich mich miserabel gefühlt. Ich habe mich im Training gequält. Das war alles anders als perfekt. Der Worst Case wäre gewesen, wenn ich demoralisiert als Elfter vom Rad gestiegen wäre. Jetzt habe ich wenigstens den zweiten Startplatz für Olympia geholt“, betonte der deutsche Radstar.

          Zwölf Tage nach seinem Horrorsturz bei der Vuelta war die Zeit zur Genesung für Martin zu kurz. Über Probleme im Brustkorb unter Belastung hatte er bereits geklagt, nachdem er im Mixed-Teamzeitfahren abgehängt worden war. Den Traum von einer Medaille oder dem fünften WM-Titel hatte er aber nicht aufgeben wollen. Der Kölner Nils Politt kam als zweiter deutscher Starter mit mehr als vier Minuten Rückstand auf Platz 22. „Ich bin ziemlich zufrieden mit meiner Fahrt. Ich wüsste nicht, was ich besser hätte machen können“, sagte Politt, der allerdings im Rennen ein technisches Problem mit seiner elektronischen Gangschaltung hatte.

          Tony Martin auf der Strecke im britischen Harrogate

          Immerhin hat der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) durch die Top-Ten-Platzierung von Martin einen zweiten Startplatz für das olympische Einzelzeitfahren in Tokio gesichert. Für Martin allerdings nur ein schwacher Trost.  Martin, der letztmals beim WM-Titel in Doha das Podest erreicht hatte, lag schon nach der ersten Zwischenzeit fast eine halbe Minute hinter Dennis, nach 37,7 Kilometern waren es gar mehr als zwei Minuten. Wie erwartet lag dem Jumbo-Visma-Profi der erste, flachere Teil der Strecke mehr, als es dann hügeliger wurde, baute er ab. An den Bedingungen hat es also nicht gelegen. Im Gegensatz zum Regen-Chaos vom Vortag war die Strecke weitgehend trocken, zwischenzeitlich kam sogar die Sonne zum Vorschein.

          Ein jetzt schon zu guter 19-Jähriger

          Überragend war indes der alte und neue Champion Dennis. Dabei war der Australier seit dem 18. Juli kein Rennen mehr gefahren, nachdem er bei der Tour im Streit mit seinem Bahrein-Merida-Team während der Etappe einfach vom Rad gestiegen war. Seitdem haben die Anwälte in dem Fall das Sagen, über eine Auflösung des bis 2020 laufenden Vertrages konnten sich die beiden Seiten bislang nicht einigen. In Yorkshire durfte Dennis auch nicht mit einer Rennmaschine seines Teams starten.

          Eine starke Vorstellung lieferte auch Youngster Evenepoel ab. „Mit 19 so eine Leistung zu bringen, ist unglaublich. Wahrscheinlich haben wir da den neuen Eddy Merckx“, lobte Martin. Im Sommer hatte Evenepoel bereits die stark besetzte Clásica San Sebastian gewonnen und war bei der Deutschland-Tour mit einer furiosen Attacke 100 Kilometer an der Spitze gefahren. Im vergangenen Jahr hatte der frühere Nationalspieler der belgischen Fußball-Juniorenmannschaften noch beide Titel in den Unter-19-Rennen gewonnen – also im Zeitfahren und beim Straßenrennen. Nicht wenige Experten trauen dem Youngster zu, dass er die Radsport-Szene schon bald dominieren wird.

          Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) muss damit weiter auf die zweite Medaille im Elitebereich warten. Nach Silber zum Auftakt im Mixed-Teamzeitfahren war Lisa Klein am Dienstag bei den Frauen auf Platz fünf gefahren. Die WM wird ab Donnerstag mit den Straßenrennen fortgesetzt. Höhepunkt ist das WM-Rennen der Männer am Sonntag über 285 Kilometer.

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