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Stelian Moculescu : Der nimmersatte Volleyball-Bauleiter

Stelian Moculescu: „Ich will gewinnen, immer” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Stelian Moculescu hat das Volleyball-Nationalteam der Männer vor der am Freitag beginnenden Weltmeisterschaft auf Kurs gebracht und sich in Friedrichshafen beim VfB ein Paradies erschaffen.

          4 Min.

          Genugtuung? Stelian Moculescu schüttelt den Kopf. "Nein", er lacht, "wirklich nicht. Darum geht's ja gar nicht. Es geht nicht um mich. Es geht um diese Mannschaft." Diese Mannschaft, das ist das Volleyball-Nationalteam der Männer. Moculescu trainiert es seit sieben Jahren. Es ist nicht lange her, da stand sein Job auf der Kippe, nach der verpaßten Qualifikation für die EM 2005. Es gehe nichts voran im deutschen Volleyball, fanden die Kritiker, und daß Moculescu daran schuld sei, nicht zuletzt durch die Doppelbelastung als Bundestrainer und Vereinstrainer beim VfB Friedrichshafen.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Inzwischen haben sich die Volleyball-Männer erstmals seit zwölf Jahren für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, am Freitag in Japan beginnt sie. Und bei der EM 2007 in Rußland sind sie auch dabei. Das 3:0 im Qualifikations-Hinspiel gegen Tschechien wurde als beste Vorstellung eines deutschen Nationalteams seit Jahren gefeiert. Kritik? Gibt's seither nicht mehr.

          Die Mannschaft rettete seinen Job

          "Es ist immer aufwärtsgegangen mit dieser Mannschaft, nur hat das nicht jeder wahrgenommen", sagt Moculescu. Daß sich das nun geändert hat - schön. Wichtig ist ihm etwas anderes: daß die Mannschaft sich in der kritischen Phase vor ihn gestellt hat, gegenüber dem Verband ihr Vertrauen in ihn aussprach. Und ihm so den Job gerettet hat. "Das", sagt Moculescu, "war der bewegendste Moment in meiner Trainerlaufbahn."

          Von Erfolg zu Erfolg mit dem VfB Friedrichshafen
          Von Erfolg zu Erfolg mit dem VfB Friedrichshafen : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Das will was heißen. Rumänischer Meister, deutscher Meister, österreichischer Meister. Olympia-Fünfter, Europapokal-Finalist, Supercup-Gewinner. Als Spieler, Spielertrainer und Trainer: Moculescus Erfolgssammlung ist eine endlose Aneinanderreihung von Jahreszahlen, von 1968 bis 2006. "Es gibt keine Mannschaft, mit der ich nicht mindestens einen Titel geholt hätte", sagt er. Es ist ein typischer Moculescu-Satz, ein Satz, der arrogant klingt, der seine Gegner in ihrer Gegnerschaft bestärken mag. Nur: Er stimmt eben. So war das - in München, Wien, Passau, Milbertshofen, Dachau, Friedrichshafen.

          „Wir sind nicht der FC Moculescu“

          Mit jedem Erfolg schien Moculescus Ego zu wachsen. Viele empfanden sein Auftreten und seinen Führungsstil als schroff, selbstherrlich, rücksichtslos. Der Volleyball-Großmeister wurde schnell zur Reizfigur. "Ich war jung, ich war gut, und ich bin immer nach vorne gegangen", sagt er heute. Und: "Ich bin im Ostblock groß geworden, das hat mich geprägt." Moculescu gab (und gibt) immer Vollgas. Er haute Sprüche raus wie: "Ich will gewinnen, immer, und wenn mich einer daran hindert, muß er weg." Einmal, da war er mit Friedrichshafen gerade erstmals deutscher Meister geworden und wollte mit dem Präsidenten gleich die nächste Saison weiterplanen. "Mensch", sagte der, "bist du denn nie zufrieden?" "Wenn ich je zufrieden bin", gab Moculescu zurück, "mußt du mich rausschmeißen."

          Er sei einer, der immer antreibt, sagt er. "Auch wenn das für den ein oder anderen unangenehm sein mag." Vor fünf Jahren, als sich in Friedrichshafen wieder mal die Geister an ihm schieden, prägte der VfB-Geschäftsführer den Satz: "Bei all seinen Verdiensten: Wir sind nicht der FC Moculescu." Der Geschäftsführer arbeitet nicht mehr für den VfB. Moculescu schon. In der vergangenen Saison holte er mit dem Klub das Double. Zum zweitenmal nacheinander.

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