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Steffen Deibler im Gespräch : „Ich würde nie willentlich dopen“

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Disziplin ist alles: Training um 6 Uhr morgens, dann um 8.30 Uhr zur Vorlesung in die Universität Bild: REUTERS

Steffen Deibler ist in Barcelona der aussichtsreichste deutsche Schwimmer bei der WM. Im F.A.Z.-Interview spricht er zuvor über seine Doppelbelastung und das Misstrauen gegenüber Spitzensportlern.

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          Steffen Deibler schaffte am Sonntagabend bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Barcelona mit deutscher Rekordzeit den Sprung ins Finale über 50 Meter Schmetterling an diesem Montag. In 23,02 Sekunden war er Sechstschnellster im Halbfinale. Wenig später wurde er mit seinem Bruder Markus, Christoph Fildebrandt und Dimitri Colupaev in 3:13,77 Minuten Sechster in der 4x100-Meter-Freistilstaffel, Gold ging an Frankreich. Der 26 Jahre alte Steffen Deibler ist Student der Umwelttechnik und Weltrekordhalter auf der Kurzbahn über 50 Meter Schmetterling. Bei den Olympischen Spielen 2012 war er Vierter über 100 Meter Schmetterling.

          Wie läuft das Studium?

          Gut. Ich habe meine letzte Vorlesung und meine letzte Klausur in den vergangenen Wochen gehabt, jetzt habe ich noch Praxissemester und Bachelorarbeit vor mir. Ich habe im letzten Wintersemester viel studiert.

          Trotzdem waren Sie bei den deutschen Meisterschaften in Berlin im April mit 51,19 Sekunden über 100 Meter Schmetterling so schnell wie nie - und wie niemand sonst auf der Welt in diesem Jahr. Wie geht das?

          Ich glaube, es ist das Resultat der guten Arbeit, die ich im letzten Jahrzehnt und vor allem in den letzten fünf, sechs Jahren in Hamburg gemacht habe. Jetzt hat sich ausgezahlt, was ich investiert habe.

          Wie schwer ist es, das jahrelang antrainierte Leistungsvermögen auf den Punkt abzurufen, in der einen Minute, in der es drauf ankommt?

          Das ist schon ein Prozess, der bei mir eine gewisse Zeit gedauert hat. Das Mentaltraining, das ich seit Herbst 2010 mache, war da sehr hilfreich. Es gibt Athleten, die können das von Anfang an, Michael Phelps etwa. Ich bin da immer stärker geworden über die Jahre, und bei meinem vierten Platz in London ist das dann perfekt aufgegangen.

          Wie groß ist der Anteil des Kopfs am Erfolg im Schwimmsport?

          Er kann oft über Sieg oder Niederlage, Finale oder nicht Finale entscheiden. Es ist ein großer Unterschied, ob ich positiv und mit einer guten Einstellung ins Rennen gehe oder ob ich vorher schon sage: Oh Gott, das wird ja so anstrengend, das wird so hart, wie soll das überhaupt werden? Diese Extreme machen viel aus.

          Sie gehen diesmal als aussichtsreichster deutscher Schwimmer in die WM. Eine neue Ausgangssituation ...

          Das ist natürlich was ganz anderes. 2011 hatte ich mich erst im zweiten Anlauf für die WM in Schanghai qualifiziert, bin da hingefahren mit der Hoffnung auf eine Finalteilnahme. Jetzt will ich die Zeit von Berlin bestätigen.

          Michael Phelps ist in Barcelona nicht mehr am Start - ein Anreiz weniger, aber auch ein Konkurrent weniger ...

          Ja, es wäre natürlich richtig geil, Phelps zu schlagen. Das wär das i-Tüpfelchen, das hat Paul Biedermann ja auch einen Riesen-Boost gegeben bei der WM 2009. Letztes Jahr in London konnte ich ihn ja ein bisschen ärgern, da hat er mich erst nach 80 oder 85 Metern überholt. Ich glaube, da könnte ich dieses Jahr noch deutlich länger gegenhalten.

          Auch in Barcelona möchte Steffen Deibler vorne dabei sein

          Das Medienecho nach London war für die deutschen Schwimmer verheerend. Sie selbst haben dort Ihr bis dahin bestes Rennen gezeigt. Wie haben Sie die öffentliche Kritik erlebt?

          Mir hat das in London wahnsinnig viel Spaß gemacht. Mein Traum vorher war ja eine Finalteilnahme gewesen. Dass ich dann Vierter werde, in jedem Lauf schneller bin als je zuvor, hätte ich nie gedacht. Die Personen, die mir wichtig sind, konnten das sehr gut einordnen. Wenn in der Presse stand, die deutschen Schwimmer sind schlecht, war mir das deshalb ziemlich egal. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn der vierte Platz mehr gewürdigt worden wäre, aber das war mir in dem Moment nicht so wichtig. Schade ist dabei nur, dass wir in den letzten Monaten Schwierigkeiten hatten, unsere Finanzierung bis Rio 2016 zu sichern. Dort ist es für mich das große Ziel, eine Medaille zu gewinnen.

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