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Radprofi Stefan Schumacher : Neustart in der dritten Liga

  • -Aktualisiert am

Seine gute Zeit, die eine schlechte war: Stefan Schumacher im Gelben Trikot Bild: AP

Stefan Schumacher will sich nach Doping-Sperre und Betrugsprozess wieder im Radsport durchsetzen und attraktiv machen für große Teams - sauber. Das hatte er als Doper auch gesagt.

          Die Nachricht, dass Stefan Schumacher rechtskräftig vom Vorwurf des Betrugs durch Doping freigesprochen ist, erreichte ihn vor kurzem beim Training in Italien. Knapp ein Jahr nach dem ersten Verhandlungstag im April 2013 und fünf Monate nach dem Urteil war es das Ende des ersten Strafprozesses in Deutschland wegen Betrugs durch Doping.

          Es war ein Prozess, der vor allem gezeigt hat, dass eine normale Strafkammer erhebliche Probleme hat, in die oft fast mafiösen Strukturen des Profiradsports einzutauchen. Selbst nach 19 Verhandlungstagen waren sich die drei Berufsrichter nicht völlig sicher und sprachen einen Freispruch in dubio pro reo aus - im Zweifel für den Angeklagten.

          Unabhängig aller juristischen Bewertungen hat der Fall aber auch eine menschliche Seite. Drei Jahre nachdem Stefan Schumacher seine Doping-Sperre von zwei Jahren abgesessen hatte, fand er sich im Frühjahr 2013 plötzlich als Pilotfall vor Gericht wieder. Und statt acht Verhandlungstagen bis Juni lief der Prozess an 19 Tagen bis weit in den Herbst.

          „Das hat doch verdammt viel Kraft gekostet“, sagt der Radprofi, der sich jetzt nur noch auf seine späte Karriere als Sportler konzentrieren will. Das wird freilich nicht so einfach werden. Schumacher war einst ziemlich weit oben, er war Etappensieger bei Giro d’Italia und Tour de France, er hat 2007 das Amstel Gold Race gewonnen und wurde im gleichen Jahr Dritter bei der Straßen-Weltmeisterschaft in Stuttgart. Der Schwabe stieg in kürzester Zeit in die Beletage des Radsports auf, steigerte sein Gehalt beim Team Gerolsteiner von weniger als 50.000 Euro auf mehr als 600.000 Euro im Jahr.

          Erst 2008 wurde er erwischt

          Jetzt heißt sein Arbeitgeber Christina Watches. Das dänische Team fährt in der dritten Liga der Profitour und hat dadurch kein Startrecht bei den großen Rennen. Seit Donnerstag tritt der einstige Träger des Gelben Trikots der Tour beim Etappenrennen „Settimana Internazionale Coppi e Bartali“ in der Emilia Romagna in Italien in die Pedale.

          Einer seiner Höhepunkte im Frühjahr wird das Rennen „Rund um Köln“ am Ostermontag sein. Hartes Brot für einen, der einst ganz oben war. Das allerdings auch mit Doping-Hilfe: Schumacher stand während seiner Karriere oft unter Verdacht, wurde aber erst 2008 bei der Tour de France und den Olympischen Spielen in Peking mit dem Epo-Präparat Cera erwischt und schließlich für zwei Jahre gesperrt.

          „Ich verstehe, dass manche lächeln“

          Anfangs hat Schumacher Doping stets geleugnet, 2013 hat er es schließlich kurz vor dem Verfahren ohne Wenn und Aber gestanden. Damit kam er nicht in die Verlegenheit, vor dem Kadi lügen zu müssen. Und er ermöglichte tiefe Einblicke in den unappetitlichen Alltag im Profiradsport mit seinen skrupellosen Medizinern. Aber jetzt will er trotzdem zurück. „Sportlich“, sagt Schumacher, „habe ich 2013 gezeigt, dass ich es noch kann.“

          Er war Dritter bei den deutschen Meisterschaften im Zeitfahren und gewann zwei Etappen bei Rennen in Algerien und Rumänien. Sauber, wie er sagt. Schumacher hat aber Verständnis dafür, dass man jemandem wie ihm nur schwer glauben kann. „Ich verstehe, dass manche lächeln, schließlich habe ich als Doper auch gesagt, ich bin sauber“, erklärt er.

          Stefan Schumacher: „Ich verstehe, wenn manche lächeln“

          Gedanken darüber, wie er sich nun auf saubere Weise in der Szene noch einmal durchsetzen will, macht er sich keine. Sagt er zumindest. „Ich denke, ich habe es drauf, aber jetzt will ich erst einmal nur Rennen fahren“, sagt Schumacher.

          „Und das ohne den Druck einer drohenden Gefängnisstrafe. Das hat mich am Ende doch mehr belastet, als ich zunächst gedacht habe.“ Den Druck ist er jetzt los, ob ihm das nützt, bleibt abzuwarten. Schumacher will sich mit guten Leistungen attraktiv machen für die großen Teams.

          „Das habe ich nicht in der Hand“

          Sportlich dürfte das schwer werden. Und ob es überhaupt sauber geht, scheint fraglich. Trotz seiner positiven Selbsteinschätzung sind die Fakten eher ernüchternd. In der Fahrerwertung der Europa Tour des Radsport-Weltverbands (UCI) belegte Schumacher in seinem Gerichtsjahr 2013 nur Rang 88. 2012 war er da noch auf Platz 33 notiert.

          Trotzdem hält er an seinem Plan fest. „Ich habe im Winter gut trainiert, ich denke, ich kann es noch“, sagt er. Fünf Jahre mindestens will der gefallene Star noch als Radprofi fahren. Vielleicht sogar noch länger. „Man sieht ja an Jens Voigt, dass das geht“ - der Radprofi Voigt ist 42 Jahre alt. Aber Schumacher weiß auch, dass ein Leistungssprung Misstrauen hervorrufen würde.

          „Das habe ich nicht in der Hand“, sagt er. Genauso wenig wie die Aussicht, dass seinem Team im kommenden Jahr eine umstrittene Personalie droht: Der Däne Michael Rasmussen, Doping-Sünder der ganz harten Schule, will nach Ablauf seiner Sperre 2015 als Manager zu seinem letzten Team zurückkehren. Und das heißt: Christina Watches.

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