https://www.faz.net/-gtl-t1bm

Stasi : Keine Zukunft für Steuer in der DEU

  • Aktualisiert am

Hat das beste deutsche Paar eine Zukunft? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Auf Druck des Bundesinnenministeriums hat die Deutsche Eislauf-Union dem Stasi-belasteten Trainer Ingo Steuer endgültig den Laufpaß gegeben. Die Zukunft des Paares Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy ist nun ungewiß.

          2 Min.

          Für den durch seine frühere Stasitätigkeit schwer belasteten Eiskunstlauftrainer Ingo Steuer gibt es keine Zukunft mehr in der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Das hat eine Erklärung des Verbandes vom Mittwoch deutlich gemacht, in welcher der Verband "keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit" mit dem Paar Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy "in Verbindung" mit Steuer sieht.

          Wurde zuletzt noch die "Möglichkeit einer privat finanzierten Trainertätigkeit diskutiert", ist nun nach monatelangem Hin und Her eine unumstößliche Entscheidung getroffen worden. Sie könnte auch das Ende der Karriere der Europameisterschaftszweiten des Vorjahres zur Folge haben, da das Chemnitzer Paar bisher unverdrossen an seinem Trainer festhält.

          Sawtschenko/Szolkowy bleiben stur

          Unterdessen hat das Bundesinnenministerium (BMI) die vor zwei Wochen vorübergehend eingefrorenen Fördergelder in Höhe von 200.000 Euro mit sofortiger Wirkung freigegeben. "Wir sind durch die DEU von ihrer aktuellen Beschlußlage in Kenntnis gesetzt worden; daraufhin erfolgte die Auszahlung" bestätigte Christian Sachs, der sportpolitische Sprecher des BMI.

          Sawtschenko/Szolkowy wollen keinen anderen Trainer akzeptieren

          Das Angebot der DEU an Sawtschenko/Szolkowy, sich in Zukunft mit der Finanzierung durch den Verband entweder von Oleg Wasiliew, dem Coach der russischen Olympiasieger Totmianina/Marinin, in Chicago oder von der Sankt Petersburgerin Tamara Moskwina, der erfolgreichsten Paarlauftrainerin der Welt, in Chemnitz betreuen zu lassen, haben die beiden fürs erste abgelehnt. Die DEU hält ihr Angebot bis auf weiteres aufrecht und würde auch einen "zu benennenden unbelasteten Trainer" als neuen Begleiter ihrer beiden besten Sportler akzeptieren. In seiner Erklärung bedauert der Verband, daß sein Trainerangebot "ausgeschlagen wurde und deshalb die sportliche Zusammenarbeit beendet werden muß", sollte das Paar "bei seiner bisherigen Entscheidung bleiben".

          Ein übereifriger Spitzel für die Stasi

          Daß die Deutsche Eislauf-Union nach untauglichen Versuchen, einen Mittelweg zwischen den Wünschen des Paares und den Forderungen des Bundesinnenministeriums, (BMI) zu finden, endlich eine kompromißlose Haltung einnimmt, ist auch ihrer derzeit schweren Situation geschuldet. Das BMI hatte die Geldüberweisungen an die DEU unter Hinweis auf den nicht gelösten Fall Steuer storniert. Der ehemalige Paarlaufweltmeister war zu DDR-Zeiten ein übereifriger Spitzel für die Stasi, wofür eine Reihe aktenkundiger Belege sprechen. Da jeder Auftritt des international renommierten Paars mit diesem Trainer an der Bande rufschädigende Nebenwirkungen entfalten könnte, hat die Eislauf-Union nun endlich unzweideutig reagiert. Steuer hatte sich im Februar, vom damaligen Nationalen Olympischen Komitee (NOK) nicht für die Winterspiele nominiert, seine olympische Teilnahme in Turin juristisch erstritten. Durch die Haltung des NOK, heißt es in der Erklärung der DEU, sei deutlich geworden, "daß Trainer mit einer Stasivergangenheit nicht geeignet sind, den deutschen Leistungssport zu repräsentieren".

          Ob die dort gemeldeten Sawtschenko/Szolkowy kommende Woche bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf auch ohne Steuer ihr Saisondebüt geben, bleibt nach der Entscheidung der DEU offen.

          Weitere Themen

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          „Der Junge macht mich wahnsinnig“

          Box-Champion Bösel : „Der Junge macht mich wahnsinnig“

          Dominic Bösel geht mit einem hochriskanten Plan in seinen Kampf – und hat Erfolg. Am Ende gelingt ihm ein spektakulärer K.o.-Sieg. Die Taktik findet selbst sein großes Idol Henry Maske „beängstigend“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.