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Stabhochspringerin Silke Spiegelburg : „Es ist sehr schade, dass unser System so eng gestrickt ist“

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Voller Angriffslust: Silke Spiegelburg hofft nun auf eine WM-Medaille. Bild: picture alliance / dpa

Immer wieder nur Platz vier: Weltklasse-Stabhochspringerin Silke Spiegelburg erklärt im Interview, wie man als Sportler für diesen Platz bestraft wird - auch von Sponsoren und im Fördersystem.

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          Was sagen Sie als Expertin zum Olympia-Abschneiden der deutschen Bobfahrer mit bisher Platz acht und Platz fünf als besten Ergebnissen?

          Ich habe ihre Rennen im Fernsehen verfolgt. Sie tun mir sehr leid, ich kann da mitleiden.

          Sie kennen sich aus mit der Sportart?

          Ich bin in Innsbruck im Viererbob mitgefahren. Unglaublich, was da für Kräfte wirken! Ich habe versucht, ein bisschen rauszugucken hinter dem Piloten, aber das war kaum möglich. Es hat tierisch Spaß gemacht.

          Ihre Herausforderungen sind an diesem Wochenende der Stabhochsprung bei der deutschen Meisterschaft und in drei Wochen bei der Weltmeisterschaft.

          Ich hoffe, dass mir in Leipzig ein guter Wettkampf gelingt, auch als Test für die WM in Polen. Leider hatte ich nach meinem ersten Start eine dicke Grippe und konnte zwei Wochen lang nicht trainieren. Jetzt bin ich gesund und fühle mich Tag für Tag fitter. Am Samstag will ich in Leipzig hoch springen und in Sopot eine Medaille holen.

          Das wäre ja mal was. Das Fernsehen war dabei, als Sie nach Ihrem letzten Sprung bei den Olympischen Spielen von London riefen: „Wieder Vierte! Warum immer Vierte?“ Begegnet Ihnen dieses Zitat häufig?

          Oh ja. Langsam wird’s ein bisschen peinlich. Es ist mir rausgerutscht, weil meine Emotionen so waren.

          Im Jahr drauf bei der WM in Moskau waren Sie wieder Nummer vier. Wie oft ist Ihnen das inzwischen bei Titelkämpfen passiert?

          Fünf Mal.

          WM 2009 in Berlin, Hallen-WM 2012 in Istanbul, EM 2012 in Helsinki, Olympia 2012 in London, WM 2013 in Moskau. Woran liegt das?

          Stabhochsprung hat seine eigenen Gesetze. Mit Abstand kann ich sagen, dass es 2012 nicht sein sollte. Im Winter hatte ich Probleme mit dem Knie, im Sommer war das eine Wind-Lotterie. An einem anderen Tag wäre ich vielleicht vorn gewesen. Um nach zehn Jahren im Spitzensport neue Reize zu setzen - ich bin dabei, seit ich achtzehn war -, arbeite ich jetzt mit dem Bundestrainer zusammen, Andrej Tiwontschik.

          War Moskau ausschlaggebend?

          Der Wettkampf war tadellos. In den vergangenen Jahren hätte man mit 4,75 Meter immer eine Medaille gewonnen. Leider habe ich das Jahr erwischt, in dem man damit nichts gewinnt. Der Kampf ist immer wieder offen. Ich gebe nicht auf.

          Niemand weiß das besser als Sie: Ist Platz vier wirklich der übelste von allen?

          Auf jeden Fall. Man hat damit einfach nichts gewonnen, man ist einer der absoluten Verlierer. Das merkt man an der Berichterstattung, man kriegt das finanziell zu spüren, die Sponsoren und das Fördersystem zeigen es einem. Ich finde es sehr, sehr schade, dass dieser eine Platz Unterschied so große Auswirkungen hat, dass unser System so eng gestrickt ist. Das ist, was ich persönlich am deutlichsten gemerkt habe.

          Das Schlimmste ist nicht der Schmerz, eine Medaille verpasst zu haben, sondern Sie werden auch noch bestraft?

          Wenn man keine Medaille holt, hat man im nächsten Jahr einfach weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Sponsoren wollen Medaillengewinner. Das ist ganz klar und verständlich. Aber es ist so, dass man es wegen diesem einen Platz viel schwerer hat.

          Verliert man da Tausende oder Zehntausende Euro, wenn in dem einen Wettkampf manchmal nur ein einziger Zentimeter fehlt zur Medaille?

          Das kann ich nicht beziffern. Es fängt bei der Sporthilfe an. Sie unterstützt mich tatkräftig, aber auch sie lebt von Spendengeld und Sponsoren. Die begrenzten Möglichkeiten führen dazu, dass es Eliteförderung nur für Medaillengewinner gibt.

          Sie sind nicht in der Eliteförderung?

          Nein.

          Sie haben drei Mal die Diamond League gewonnen, Sie halten den deutschen Rekord mit 4,82 Meter.

          Das hat damit nichts zu tun. Für die Eliteförderung muss man eine Medaille gewonnen haben. Wenn man drin ist, muss man wieder eine Medaille holen, um drin zu bleiben. Die Mittel reichen nicht aus, die breite Masse zu fördern. Da kann man der Sporthilfe und den Vereinen und den Verbänden gar keinen Vorwurf machen.

          Zählt nicht, dass Sie die beständigste Stabhochspringerin der Welt sind, seit drei Jahren?

          Das interessiert keinen. Es kommt auf den einen internationalen Höhepunkt im Sommer an und auf sonst nichts. Das ist das Fördersystem in Deutschland.

          Die Fragen stellte Michael Reinsch.

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