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Stabhochspringerin Carolin Hingst : Rückmeldung einer Rebellin

  • -Aktualisiert am

Endlich mal wieder hoch hinaus: Seit Barcelona 2010 war von Carolin Hingst nicht mehr viel zu sehen Bild: picture alliance / dpa

Stabhochspringerin Carolin Hingst trotzt den Reibereien mit Verein und Verband und überspringt 4,60 Meter, die WM-Norm für Moskau. Zuspruch erhält die Mainzerin im sozialen Netz.

          Ein Teil ihres Lebens wird regelmäßig im sozialen Netzwerk Facebook abgebildet. Dort finden sich Fotos von Wettkämpfen, Einblicke in die aktuelle Stimmungslage, was sie so isst und wie sie sich fühlt. Nicht zuletzt persönliche Anmerkungen zum Stabhochsprung-Bundesstützpunkt Mainz, der nach dem Rückzug von Trainer Balian Buschbaum in Auflösung begriffen ist.

          Der letzte relevante Eintrag von Carolin Hingst lautete so: Wettkampf in Bad Homburg, 4,60 Meter übersprungen und ein großes „YUHUUUUUU“. Die 32 Jahre alte Stabhochspringerin des USC Mainz war am Wochenende bei den Hessenmeisterschaften als Gaststarterin dabei gewesen, nachdem sie eine geplante Wettkampfreise in die Schweiz abgesagt hatte. Und der Ausflug von Rheinhessen in den Taunus hat sich durchaus gelohnt. Denn 4,60 Meter bedeuteten nicht nur den Sprung auf Platz eins der nationalen Jahresbestenliste sondern zugleich die zentimetergenaue Normerfüllung für die Weltmeisterschaft in Moskau Mitte August.

          Das Limit des deutschen Verbandes erreicht zu haben, ist in der qualitativ hochwertigen Stabhochsprungszene aber nur ein erster Schritt; wie in den vergangenen Jahren dürfte es bei den deutschen Meisterschaften (6./7. Juli in Ulm) zu einem finalen Showdown um die drei WM-Startplätze kommen. Die Diamond-League-Siegerin und nationale Rekordhalterin Silke Spiegelburg aus Leverkusen (4,82 Meter) ist außen vor, weil im Besitz einer Wildcard.

          Carolin Hingst, deutsche Meisterin der Jahre 2004 und 2008 sowie Olympiasechste von Peking (2008), kämpft weiter. Im vergangenen Jahr hatte sie trotz erheblicher Verletzungsprobleme bei den deutschen Meisterschaften Platz vier belegt, ging mit 4,52 Meter aus der Saison. Aber es war wieder ein Jahr ohne Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft.

          Zuletzt hatte sie bei der Europameisterschaft 2010 das Finale erreicht, und so war das Förderangebot des USC Mainz finanziell abgesenkt worden. Was seine Gründe in den Sparzwängen des Klubs und in der recht ungewissen sportlichen Perspektive von Carolin Hingst hatte. Die Bundeswehrsoldatin lehnte ab, ließ zudem die Vereinswechselfrist verstreichen, Zuwendungen vom USC Mainz gibt es seither keine mehr. Darüber beschwerte sie sich via Facebook („Ich bekomme seit November letzten Jahres kein Geld! Könnt ihr euch vorstellen, wie belastend das ist?“) und absolvierte im Frühjahr einen Wettkampf demonstrativ in einem neutralen Trikot. Womit auch die Präsentation des Klubhauptsponsors fehlte.

          Zusammenarbeit mit Stützpunkttrainern abgelehnt

          Die aufmunternden Kommentare ihrer „Freunde“ ließen dennoch nicht lange auf sich warten: Schalte einen Anwalt oder die Gewerkschaft ein, such dir einen neuen Verein, um nur einige zu nennen. Richtig schlau war diese Attacke der Stabhochspringerin sicher nicht, schließlich hatte sie den vom USC Mainz angebotenen Vertrag nicht unterschrieben. Worauf gründete sich also ihr Anspruch? Was nichts daran ändert, dass Stephan Kallenberg, Leichtathletik-Abteilungsleiter des USC Mainz, nach dem jüngsten Höhenflug in Rechtfertigungsdruck geraten könnte. Ob das Innenverhältnis nicht schon ähnlich gespannt bis zerrüttet ist wie das von Carolin Hingst zum Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), ist eine andere Frage.

          Denn eine Zusammenarbeit mit den offiziellen Stützpunkttrainern, sei es in Mainz, als Buschbaum dort noch tätig war, oder in Leverkusen mit Leszek Klima, hatte sie abgelehnt und sich stattdessen mit dem ehemaligen USC-Weitspringer Peter Engel auf ein ehrenamtliches Engagement verständigt. Unterstützung erfährt Carolin Hingst auch vom früheren DLV-Cheftrainer Herbert Czingon, der mittlerweile die Schweizer Stabhochspringer für die Europameisterschaft 2014 in Zürich fit macht. An prominenten Förderern scheint es demnach nicht zu mangeln.

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