https://www.faz.net/-gtl-y74k

Stabhochspringer Mohr : Spaß auf der Achterbahn - aber nicht in München

Hoch hinaus: Malte Mohr Bild: dpa

Erst zwei deutsche Springer haben bisher die Sechs-Meter-Marke im Stabhochsprung überwunden: Nun schickt sich Malte Mohr an, die Schallmauer zu durchbrechen. Nur mit seinem Verein hat er derzeit Ärger.

          3 Min.

          Malte Mohr schien den Kopf einziehen zu müssen, als er sich zum ersten Mal in seinem Leben an einer Höhe von sechs Metern versuchte. Das Tonnendach der Anhalt-Arena in Dessau wirkte, als lasse es den Stabhochspringern nur einen Schlitz für ihre Höhenflüge. Und der 24 Jahre alte Malte Mohr machte mit seinen souveränen Leistungen beim Sprinter-Meeting von Dessau am Mittwochabend das Fenster für den Erfolg immer enger - so sah es jedenfalls aus. Erst bei 5,83 Meter, als auch der Ukrainer Maksym Mazuryk (5,60 Meter) ausgeschieden war, nahm er den härtesten Stab, den er hatte finden können, verlängerte seinen Anlauf von vierzehn auf sechzehn Schritte und war im dritten Versuch erfolgreich. Dann scheiterte er dreimal, immer knapper, an 6,01 Meter, mit denen er den zehn Jahre alten deutschen Hallenrekord von Danny Ecker um einen Zentimeter übertroffen hätte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Ich hatte Angst vor der niedrigen Decke“, scherzte Mohr nach dem Wettkampf. Dann schwärmte er: „Es ist schon anders, sechs Meter zu versuchen. Je höher man springt, desto stärker ist der Schwung und desto mehr Spaß macht es. Das ist wie auf der Achterbahn.“ Mit seinem Schwung beeindruckt er auch Bundestrainer Jörn Elberding: „Malte ist der beste deutsche Stabhochspringer zurzeit. Er strahlt eine enorme Sicherheit aus.“

          Bislang haben aus deutschen Landen nur Danny Ecker und Tim Lobinger (1997 und 1999) die sechs Meter übersprungen, und Mohr macht kein Geheimnis daraus, dass er dafür bereit ist. Autogramme gibt er neuerdings in goldener Farbe, und die sprichwörtliche breite Brust hat er auch buchstäblich vorzuweisen. Auf den Weltrekord Sergej Bubkas von 6,14 Meter angesprochen, antwortet er: „Das Niveau habe ich nicht. Vielleicht schaffe ich 6,05 Meter im Sommer.“ Nur drei Stabhochspringer haben im Stadion je 6,05 Meter überflogen; der letzte war der Australier Dmitri Markov vor zehn Jahren.

          Mohr hat hart für Form und Selbstbewusstsein gearbeitet. Elf mehrstündige Einheiten pro Woche im Kraftraum, bei Sprint und Techniktraining, hat er zuletzt absolviert und sich dabei ein beeindruckendes Muskelkorsett zugelegt. Aus dem Schlaks, der vor gut einem Jahr aus Leverkusen nach München wechselte und bei 1,92 Meter Körpergröße 76 Kilo wog, ist ein Athlet von 166 Pfund geworden.

          „Die Volkspartei SAM zeigt ihre Macht.“

          Doch auf der Achterbahn gibt es auch Tiefpunkte. Mohr und seine Trainingsgruppe mit Tim Lobinger (5,60 Meter in Dessau) und Fabian Schulze sowie Trainer Chauncey Johnson haben mit ihrem Verein LG Stadtwerke München Schwierigkeiten. Der Knackpunkt ist ein Vertrag, den Lobinger erhalten soll. Auf einer Pressekonferenz war er als Sprecher und Co-Trainer angekündigt worden, auf den Kontrakt wartet er nach eigenen Angaben immer noch. „Wir wollen einen neuen Ansprechpartner“, fordert er. „Das Training würde definitiv besser laufen ohne den Ärger“, sagt Mohr und klagt über Norman Feiler, den Sprecher der LG und Geschäftsführer der vereinseigenen Vermarktungsagentur SAM GmbH. „Ich halte eine Zusammenarbeit mit ihm für nicht mehr tragbar.“ Mohr hat um Auflösung seines Vertrages gebeten.

          So sehr ist der Zwist inzwischen eskaliert, dass Lobinger Feiler auf seiner Website als „Oberbefehlshaber Hu Jintao“ beschimpft, der ihn ins Exil verbannen wolle. „Die Volkspartei SAM zeigt ihre Macht.“ Wegen angeblich unprofessionellen Verhaltens, berichten die Athleten, drohe Feiler ihnen allen mit Rauswurf. Mohr sagte, er habe seine Zahlungen für Oktober und November erst mit wochenlanger Verspätung erhalten. „Ich habe keinen Vertrag und deshalb auch keine Ansprüche und gucke jeden Monat, ob ich etwas kriege“, beschrieb Trainer Johnson seinen Status. „Aber ich muss sehen, dass ich Brot auf dem Tisch habe.“

          Schiedsgerichtsverfahren beantragt

          Norman Feiler reagierte betroffen auf die Vorwürfe und bestritt sie. Wenn Mohr tatsächlich kein Geld erhalten habe, sei der Vertrag hinfällig; dann gebe es keinen Grund, um dessen Auflösung zu bitten. Doch Mohr habe sein Geld bekommen wie auch Johnson; ein Vertragsangebot an ihn sei vor einer Woche an Johnson gegangen. „Wir müssen verhindern, dass der Verein weiter in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt Feiler. Beim Bayrischen Leichtathletikverband habe er ein Schiedsgerichtsverfahren beantragt. „Ich verstehe nicht, warum ein Athlet mit seinem Verhalten riskiert, dass der Sponsor für den gesamten Verein abspringt.“

          Das kampfbereite Münchner Quartett saß nach dem Wettkampf auf einer Bank in der leeren Sporthalle von Dessau und wirkte zufrieden. „Die einzige Zeit, in der wir Spaß haben“, sagte Johnson, „ist die, wenn wir raus sind aus München.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.