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Stabhochspringer Holzdeppe : „Lieber mitten in der City“

So soll es sein: Wettkampf vor weltberühmter Kulisse Bild: dpa

Stabhochspringer tingeln über Marktplätze und durch Einkaufszentren. Sie sind die Fahrensleut’ der Leichtathletik. Und Weltmeister Holzdeppe findet das gut. Aus „Berlin fliegt“ (an diesem Samstag/13 Uhr) soll eine ganze Serie werden.

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          Auf etwa 23 Wettkämpfe wird der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe bis zum Ende der Saison wohl kommen. Er hat die Wahl, nicht erst seit er in Moskau Weltmeister geworden ist. Wenn es der junge Pfälzer drauf anlegte, könnte er ein-, zwei Mal pro Woche springen, drei Dutzend Mal über den Sommer. Über den Winter geht es in seinem Gewerbe in der Halle weiter. Stabhochspringer tingeln über Marktplätze und durch Einkaufszentren; sie haben ihre eigenen Tourneen. Sie sind die Fahrensleut’ der Leichtathletik.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das ist natürlich ein heftiger Gegensatz zu Marathonläufern und Zehnkämpfern, die jahrein, jahraus trainieren und doch nicht mehr als zwei Wettkämpfe pro Jahr bestreiten können. Werden sie deshalb die Könige der Leichtathletik genannt? „Darüber kann man nachdenken“, findet Raphael Holzdeppe, der sich zum Star des am Samstag (13 Uhr/ Übertragung in der ARD ab 15 Uhr) in Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfindenden Wettbewerbs „Berlin fliegt“ aufgeschwungen hat. „Wir beanspruchen jeden Muskel“, sagt er. „Wenn man die Wurfdisziplinen weglässt, trainieren wir gar nicht mal so viel anders als die Zehnkämpfer.“ Training ist der limitierende Faktor für die Auftritte, bei denen sich die Stabhochspringer in der Bewunderung ihrer Zuschauer sonnen können. „Ich mag Marktplatzspringen lieber als Stadionwettbewerbe“, sagt er. „Mitten in der Stadt zu springen, das bringt den Zuschauern den Stabhochsprung näher.“ Man gibt Autogramme, man spricht mit den Zuschauern, man beeindruckt das Publikum, das nicht von der Tribüne herab, sondern vom Kopfsteinpflaster zu den fliegenden Athleten aufschaut.

          Doch die tägliche Übung ist essentiell für den Stabhochsprung, jedenfalls auf dem Niveau, wie es in Deutschland herrscht. Deswegen sind Holzdeppe und seine Kollegen nicht ständig auf Tour. Sie müssen etwas dafür tun, dass sie Tempo haben beim Anlauf, Kraft, um den Stab dabei zu tragen und sich wie Weltklasse-Turner an der Stange in die Luft zu schwingen. Sie müssen beweglich sein und explosiv, wenn sie den Boden verlassen und wenn sie sich in fünf Meter Höhe von der Stange abstoßen. Und sie brauchen Kondition, um drei, vier Stunden lange Wettkämpfe durchstehen zu können - ganz zu schweigen von dem Mut, sich erst in die Höhe der dritten Etage zu katapultieren und sich dann von dort auf die Matte stürzen zu lassen. „Es fällt mir schwer, zu sagen, dass die Zehnkämpfer die Könige der Leichtathletik sind“, sagt Holzdeppe.

          Weltmeister Holzdeppe: Gerne mittendrin bei den Leuten

          Vielleicht stehen die Stabhochspringer kurz vor der Krönung. „Berlin fliegt“, ein Schauwettbewerb von Nationalmannschaften, die lediglich aus Weitspringern und Stabhochspringern bestehen, soll erweitert werden um Wettbewerbe in Moskau und Los Angeles, Paris und London. ,Berlin fliegt’ ist ein Schritt in die Zukunft der Leichtathletik“, sagt der Präsident des deutschen Verbandes, Clemens Prokop. Die Serie soll eine Gesamtwertung haben, so etwas wie die Vierschanzentournee der Leichtathletik werden - und ihr Finale am Brandenburger Tor haben. Die Marktplatzspringen, die längst nichts mehr von Provinz und Jahrmarkt an sich haben mit ihren erstklassigen Anlagen, sollen in zwei Jahren eine Champions League erhalten.

          Für Raphael Holzdeppe ist das eine famose Perspektive. Mit zehn Jahren hat er angefangen mit dem Stabhochsprung. Sergej Bubka, immer noch im Besitz der Weltrekorde und ewiges Vorbild aller jungen Stabhochspringer, machte erst mit 36 Jahren Schluss. „Kann sein, dass ich noch genauso viele Jahre vor mir habe, wie sich seit meinen ersten Sprüngen hinter mir habe“, räsoniert er. Aber nicht nur das. Weil Holzdeppe - Bestleistung 5,91 Meter - einer der wenigen deutschen Stabhochspringer werden will, nach Tim Lobinger, Danny Ecker und Björn Otto der vierte, der sechs Meter überspringt, dürfte es mit den Stabhochsprung und seinem Weltmeister steil bergauf gehen.

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