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Stabhochspringer Holzdeppe : „Sturz und Querschnittslähmung erschüttern die Szene“

Raphael Holzdeppe blendet die Gefahren aus. Bild: dpa

Nach einem Unfall ist Stabhochspringerin Kira Grünberg vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Weltmeister Raphael Holzdeppe spricht über das Risiko seiner Sportart, eine mögliche Helmpflicht und den größten Feind.

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          Ihre österreichische Kollegin Kira Grünberg ist nach einem Trainingsunfall querschnittgelähmt vom Hals abwärts. Wie nimmt man so eine Nachricht auf, und was bleibt davon hängen, wenn man ins nächste Training geht?

          Dass so ein schrecklicher Sturz passiert wie bei Kira und dann auch noch eine Querschnittslähmung nach sich zieht, das erschüttert die ganze Szene. Ich bin in Gedanken oft bei Kira und ihrer Familie und wünsche ihr alles Gute. Aber andererseits ist es für mich in einer Phase, in der ich mich auf die Weltmeisterschaft vorbereite, extrem schwierig, das Ganze wirklich an mich herankommen zu lassen. Wenn ich das tun würde, müsste ich mir zu viele Gedanken machen und wäre vielleicht unsicher. Das kann ich mir in der jetzigen Phase überhaupt nicht erlauben. Wenn ich am Anlauf stehe, den Stab hochhebe und losrenne, dann darf ich in diesem Moment keinerlei Zweifel haben, dass es schiefgehen könnte. Ich muss zu hundert Prozent sicher sein, dass es funktioniert.

          Haben Sie selbst schon einmal eine kritische Situation bewältigen müssen?

          So etwas kommt immer mal vor, und man verletzt sich auch mal, aber normalerweise passieren keine derart schlimmen Unfälle. Weil man es meistens im letzten Moment noch schafft, sich auf die Matte zu retten oder dass man wenigstens auf einen anderen Körperteil fällt als auf den Kopf. Ich weiß auch nicht, wieso es bei der Kira zu so einer schlimmen Verletzung gekommen ist. Aber es muss irgendetwas extrem Kritisches passiert sein, was das Ganze unkontrollierbar gemacht hat. Bei der Erfahrung, die sie hat. Sie macht ja Stabhochsprung nicht erst seit ein, zwei Jahren.

          Ist Stabhochsprung eine besonders gefährliche Disziplin?

          Wie jede Sportart hat auch Stabhochsprung seine Tücken. Es ist vielleicht ein bisschen gefährlicher als Fußball, aber nicht so extrem gefährlich wie ein DTM- oder Formel-Rennen.

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          Sie haben gesagt: Meistens kann man sich retten: Lernt man das? Im Judo etwa lernt man das Fallen zuerst. Ist das richtige Fallen Teil der Ausbildung?

          Die turnerische Ausbildung gehört bei 95 Prozent der Stabhochspringer zum Handwerk. Es gibt immer wieder Springer ohne diese Ausbildung, die aber trotzdem sicher springen, weil die von Natur aus ein sehr gutes Körperverständnis haben. Aber es ist nicht wie beim Judo, dass man zuerst richtig fallen lernt. Man lernt das ganze komplexe System: anlaufen, abspringen, auf der Matte landen. Man macht das so viele tausend Mal, dass man bei jedem Schritt eine Vorstellung entwickelt, wo genau man sich im Raum bewegt. Dieses Gefühl, wo man gerade ist und wo man landen wird, das entwickelt sich über die Jahre. Und wenn Unfälle in unserer Disziplin passieren, dann meist bei Athleten, die Stabhochsprung gerade erlernen und noch nicht diese Kontinuität in ihren Ablauf gebracht haben.

          Wo ist der entscheidende Punkt, an dem man weiß: Es klappt oder jetzt könnte es gefährlich werden? Der Einstich?

          Das ist unterschiedlich. Wenn zum Beispiel sehr böige Winde herrschen, dann macht sich das schon beim Anlauf bemerkbar. Der Stab ist lang und reagiert sehr sensibel auf Wind, wenn man dagegenhalten muss. Dann ist man vielleicht ein bisschen verkrampfter und nicht so frei, in seiner Art und Weise zu springen. Dann weiß man: Den Sprung muss ich noch stärker kontrollieren, weil die Verhältnisse sehr schwierig sind. Ansonsten weiß man ab dem Punkt, wo man abgesprungen ist, wohin der Sprung geht. Bei schwierigen Verhältnissen sieht man oft, dass die Springer erst gar nicht versuchen, über die Latte zu springen, sondern erst mal nur sicher auf der Matte zu landen. Bei unserer Sportart geht die Sicherheit vor.

          Sie sind in großem Maß vom Material abhängig, also vom Stab.

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