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Stabhochspringer Danny Ecker : „So eine Chance habe ich nie wieder im Leben“

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Herr der Lüfte: Stabhochspringer Danny Ecker in Aktion Bild: dpa

Stabhochspringer Danny Ecker ist Hallen-Europameister, deutscher Meister und Dritter der WM von Osaka. Und er ist vor allem er selbst. Im Interview mit der F.A.Z. spricht der 30 Jahre alte Ecker über Olympia und eine Asien-Reise mit Außenminister Steinmeier.

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          Stabhochspringer Danny Ecker aus Leverkusen, 30 Jahre alt, ist Hallen-Europameister, deutscher Meister, Dritter der WM von Osaka. Und er ist vor allem er selbst. Lange war er in erster Linie der Sohn von Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Ecker über Olympia und eine Asien-Reise mit Außenminister Steinmeier.

          Sie werden bei der deutschen Meisterschaft in Sindelfingen buchstäblich auf dem Sprung sein. Warum?

          Ich bin von Außenminister Steinmeier eingeladen worden, mit ihm auf eine Reise nach Indonesien, Vietnam und Singapur zu gehen und für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin zu werben.

          Werden Sie nachlässig sein, um das Flugzeug zu erwischen?

          Ursprünglich sollten wir am Sonntag sehr früh starten, und ich wollte deshalb noch am Samstagabend nach Berlin fliegen. Nun hat sich die Reise um einen Tag verschoben. So oder so: Ich werde mich auf den Sport konzentrieren können, und ich freue mich darauf. Es geht ja in Sindelfingen nicht unbedingt um den Titel, sondern um das Ticket zum Saisonhöhepunkt: den Hallen-Weltmeisterschaften in Valencia. Ich bin auf Angriff eingestellt.

          Opfern Sie Chancen für die Olympiaqualifikation, wenn Sie eine Woche durch Südostasien fliegen, statt zu trainieren?

          Überhaupt nicht. Der Zeitraum, in dem wir die Qualifikationshöhe für Peking springen können, beginnt am 1. April. Wirklich beginnt die Saison erst Mitte Mai. Was jetzt im Februar passiert, ist dafür irrelevant. Wichtig ist, dass ich Mitte März richtig ins Training einsteige und unverletzt durchtrainieren kann.

          Wenn Sie sich für Valencia qualifizieren, sitzen Sie von den vierzehn Tagen bis zur WM sechs im Flugzeug . . .

          Das wäre sicher nicht die optimale Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. Aber alles, was ich zu dem Termin sagen konnte, war: Ja, ich fliege mit. Oder: Nein, ich fliege nicht mit. So eine Chance habe ich nie wieder im Leben. Die Wettkämpfe vor den deutschen Meisterschaften sind emotional, weil es um die Tickets geht. Danach ist bis zur Weltmeisterschaft ein bisschen Flaute. Ich werde die Reise genießen, und dann habe ich eine Woche, mich zu akklimatisieren.

          Wie sind Sie zu der Reise gekommen?

          Im September waren das DLV-Präsidium, Betty Heidler, Kamghe Gaba und ich im Außenministerium. Wir sprachen unter anderem darüber, dass Herr Steinmeier auf seinen Reisen immer ein Staffelholz von der Weltmeisterschaft in Berlin überreichen wird. Er meinte, dass es gut wäre, auch mal Athleten mitzunehmen. Im Dezember kam die Einladung.

          Was bedeutet Ihnen die Leichtathletik-WM in Berlin?

          Sie ist die wichtigste Weltmeisterschaft meines Lebens. Ich weiß nicht, ob sie nicht sogar wichtiger ist als die Olympischen Spiele in Peking, so sehr freue ich mich darauf. Noch heute sprechen viele ältere Athleten davon, wie grandios die Stimmung bei der WM 1993 in Stuttgart war. Gerade seit der Fußball-WM 2006 stehen die Deutschen noch mehr hinter solchen Ereignissen, das hat man bei der Handball-WM gesehen. Ich erwarte, dass wir das auch in Berlin erleben werden.

          Haben Sie sich bislang als Diplomat im Trainingsanzug gefühlt?

          In der Nationalmannschaft repräsentieren wir auch Deutschland, aber das ist jetzt etwas ganz anderes: Ich verkörpere die deutsche Leichtathletik und die Weltmeisterschaften in Deutschland. Das empfinde ich als eine Riesenehre.

          Was ziehen Sie an?

          Anzug und Krawatte. Wir haben vom Außenamt Empfehlungen bekommen, was man bei welchen Gelegenheiten trägt. In Indonesien muss das bei der Hitze nicht zwangsläufig ein Jackett sein, sondern es geht auch mal ein kurzärmliges Hemd mit offenem Kragen. Es muss nicht unbedingt weiß sein. Ich meine mich zu erinnern, dass in den Unterlagen etwas von Batikfarben steht. So etwas besitze ich gar nicht.

          Sie haben als erster deutscher Stabhochspringer eine WM-Medaille gewonnen. Können Sie das steigern?

          Ich hoffe doch. Selbst wenn ich den dritten Platz wiederholen würde, wäre ich glücklich. Aber man träumt natürlich von Gold, ob nun in Peking oder in Berlin. Stabhochsprung kann man nicht planen; selbst Sergej Bubka ist 1992 in Barcelona dreimal an der Anfangshöhe gescheitert.

          Tim Lobinger scheint derzeit der beste deutsche Stabhochspringer zu sein . . .

          Der Tim hat eine starke Hallensaison hingelegt, er ist favorisiert für die deutsche Meisterschaft. Ich bin nicht der Einzige, der seiner Form hinterherspringt. Aber ich habe mehr drauf als 5,70 Meter.

          Lobinger wird dafür kritisiert, dass er die Latte mit der Hand zurücklegt . . .

          Das ist zweifellos eine artistische Leistung, während der Lattenüberquerung auch das noch zu kontrollieren. Ich kann das nicht, aber ich habe es auch nie geübt.

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