https://www.faz.net/-gtl-u5wb

Stabhochspringen : Björn Otto nähert sich den sechs Metern

  • Aktualisiert am

Weltjahresbestleistung im Visier: Björn Otto Bild: dpa

Bisher war er nur Studentenweltmeister, doch jetzt ist Björn Otto der beste Höhenjäger weltweit. Mit 5,90 Metern gewann er die deutschen Meisterschaften im Stabhochspringen vor den Arrivierten Danny Ecker und Tim Lobinger.

          2 Min.

          Dem Freudentanz auf der Matte folgte der Sprint zu Trainer Michael Kühnke, der seinen Schützling beinahe mit samt einer Werbebande zu Boden riss: Als Stabhochspringer Björn Otto bei den deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Leipzig seinen ersten Titel gewonnen und die eigene Jahres-Weltbestleistung um zwei Zentimeter auf 5,90 m gesteigert hatte, löste sich die Anspannung des Duos in einer wahren Freudenexplosion auf.

          „Das war ein genialer Wettkampf. Ich bin Bestleistung gesprungen, habe das EM-Ticket gelöst und noch mal den Rekord versucht. Mehr kann man sich kaum wünschen“, meinte der Dormagener, der erstmals als Favorit zu einer DM gekommen war und diese Rolle mit Bravour meisterte.

          Bisher nur Studentenweltmeister

          „Das Niveau im Stabhochsprung ist im Moment unglaublich hoch“, so Otto, der sich mit „Granatenstäben“ in eine bislang ungekannte Sphäre katapultiert hatte. „Die Stäbe von heute hatte ich noch nie in der Hand. Ich glaube, meine beste Trainingsleistung ist 5,50 Meter.“ Otto galt bislang als guter Hallenspringer, dem im Freien der Schwingboden fehlt. Sein größter Titel war der eines Studentenweltmeisters, jetzt ist er Topfavorit für die Hallen-EM vom 2. bis 4. März in Birmingham.

          Zur Zeit die Nummer eins: Björn Otto

          Bei den nationalen Meisterschaften ließ er noch die deutsche Rekordhöhe von 6,01 Meter auflegen, brach den Versuch aber ab. „An diese Höhe muss ich mich erstmal vom Kopf her gewöhnen.“ Beim siebten Saisonstart der fünfte Sieg und die vierte Jahres-Weltbestmarke - da verneigte sich sogar die Konkurrenz: „Björn hat gezeigt, dass im Moment kein Kraut gegen ihn gewachsen ist“, sagte der mit 5,80 zweit platzierte Ecker.

          Selbst Lobinger gratulierte

          Und selbst Vize-Europameister Tim Lobinger, seit einem Streit im vergangenen August kein Otto-Freund mehr und in Leipzig mit 5,75 m Dritter, ließ wissen: „Wenn heute Björns erster DM-Titel gefeiert wird, schließe ich mich gern an.“

          Auf Otto ist Lobinger schon seit vergangenem Sommer nicht gut zu sprechen. Damals gewann er den vierten und letzten Wettbewerb eines Stabhochsprung-Cups in Elstal und schnappte seinem Konkurrenten 25.000 Euro Prämie für den Gesamtsieg weg, was Lobinger öffentlich als unfair geißelte.

          Fünf Springer über 5,70

          Für das hohe Niveau des Wettkampfes waren neben den drei Erstplatzierten auch der mit Lobinger höhengleiche Fabian Schulze (Kornwestheim) auf Platz vier und der Olympia-Sechste Lars Börgeling (Leverkusen/5,70) als Fünfter verantwortlich. „Das ist Wahnsinn. Ich erinnere mich an Zeiten, als ich mit 5,60 Zweiter geworden bin“, sagte Otto.

          Lobinger indes wollte nach dem Wettkampf nicht mehr viel reden. Die Negativ-Schlagzeilen der Woche, als er den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) wegen dessen Nominierungsrichtlinien für die Hallen-EM in Birmingham (2.-4. März) kritisiert hatte, machten ihm zu schaffen: „Ich halte es mit den Fußballern von Schalke 04 und sage nichts mehr.“

          Lobinger als dritter Mann bei EM

          Die Diskussion, ob Bundestrainer Jörn Elberding ihn oder den mit 5,83 in der Jahres-Bestenliste besser platzierten Schultze für die kontinentalen Titelkämpfe vorschlagen sollte, war gerade voll entbrannt. Nur so viel sagte er noch und wirkte dabei erstaunlich gelassen: „Der Verband wird mit viel Fingerspitzengefühl entscheiden.“

          Da wusste er wohl schon, dass sich Elberding zu seinen Gunsten entschieden hatte. „Tim und Fabian lagen heute zwar gleichauf, aber Tim war im Saisonverlauf in zwei, drei Punkten leicht besser“, sagte Elberding. Schulze hätte damit zum zweiten Mal binnen sieben Monaten das Nachsehen, nachdem er die EM-Teilnahme im Sommer 2006 in Göteborg durch einen Salto Nullo bei der DM in Ulm verpasst hatte. Für ihn wurde damals der dann im Vorkampf gescheiterte deutsche Vizemeister Richard Spiegelburg (Leverkusen) mitgenommen. Das letzte Wort hatte allerdings der Bundesausschuss Leistungssport am Sonntagabend.

          Weitere Themen

          Pekeler und das Dilemma der Deutschen

          Handball-EM : Pekeler und das Dilemma der Deutschen

          Er ist vor dem „Spiel ohne Bedeutung“ gegen Portugal im roten Bereich angekommen. Doch Hendrik Pekeler wird seinen strapazierten Körper bei der Handball-EM weiter schinden – wenn auch nicht ganz aus freien Stücken.

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Vereint im Wandel der Autobranche: VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh (links) und VW-Chef Herbert Diess

          Konkurrenz von Tesla für VW : Eine Wette auf die Elektromobilität

          Mit Tesla kommt ein Unternehmen, das ein ganz neuer Typ von Wettbewerber ist, der jetzt den Maßstab setzt. Der VW-Chef Diess und Betriebsrat Osterloh müssen nun reagieren – auch mit Hilfe aus Brüssel.
          Tim Cook in Davos - er ist nicht der einzige Tech-Chef, der dieses Jahr dort ist.

          Digitec-Podcast aus Davos : Mit Tim Cook morgens um 7 Uhr

          Die Anführer von Apple, Google und Microsoft sind in Davos: So stark war die Tech-Branche selten präsent – das liegt auch an der neuen EU-Kommissionschefin.

          Johnson vs. Trump : Die Ironie des Brexits

          Eigentlich sollten die britisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Brexit enger werden. Doch Boris Johnson legt sich gleich an drei Fronten mit dem amerikanischen Präsidenten Trump an – und bleibt auf Linie mit Berlin und Paris.

          Handball-EM : Pekeler und das Dilemma der Deutschen

          Er ist vor dem „Spiel ohne Bedeutung“ gegen Portugal im roten Bereich angekommen. Doch Hendrik Pekeler wird seinen strapazierten Körper bei der Handball-EM weiter schinden – wenn auch nicht ganz aus freien Stücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.