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Sprinterin Lisa Mayer : „Den Schwachsinn wegatmen“

In Karlsruhe konnte Lisa Mayer 2020 ihr Comeback geben, wo sie 2018 auch ihr letztes Rennen absolvierte. Bild: dpa

Nach langer Auszeit geht Sprinterin Lisa Mayer neue Wege und ist endlich wieder gesund. Vor der deutschen Hallenmeisterschaft formuliert die 23-Jährige selbstbewusste Ziele.

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          „Ich bin froh, den anderen Weg gefunden zu haben“, sagt Lisa Mayer, seitdem sie endlich gesund ist und nach zwei Jahren Zwangspause wieder ihrer Leidenschaft Leichtathletik nachgehen kann. Dabei hat die junge Läuferin, die voller Vorfreude den Deutschen Hallen-Meisterschaften am Wochenende in Leipzig entgegen fiebert, aber keine neue Disziplin für sich entdeckt. Es bleibt beim Sprint, 100 Meter geradeaus oder auch nur 60 in der Halle. Vielmehr ist der Hessin ein entscheidendes gesundheitliches Umsteuern gelungen, nachdem ihr Körper sie so lange außer Gefecht gesetzt hatte.

          Angefangen hatten ihre Probleme mit einer Beugersehnenverletzung im rechten Oberschenkel, wegen der sie auch ihre Teilnahme an der Heim-Europameisterschaft in Berlin 2018 absagen musste. Im Jahr darauf behinderte sie die gleiche Verletzung auf der anderen Seite. Doch vor allem beutelten sie zahlreiche Infekte den Sommer über. „Dabei laufe ich nie halbnackt nach dem Training durch die Gegend“, wunderte sich die 23-Jährige über ihre Anfälligkeit. Vom „ständigen krank sein“ hatte sie die Nase voll. Der Weg zur Heilpraktikerin öffnete ihr schließlich den Blick und verbesserte entscheidend ihr Befinden. Darmflora aufgebaut, Immunsystem gestärkt. „Ich war nicht ein einziges Mal krank in diesem Winter“, sagt sie stolz und hoffnungsfroh, dass es so weitergehen möge.

          Sprinterin Lisa Mayer: Tief einatmen und positiv denken.

          Endlich konnte sie wieder ihre Spikes tragen, startete just in jener Halle ihr Comeback, in der sie vor zwei Jahren zum letzten Mal ein Einzelrennen bestreiten konnte. „Ich war sehr, sehr zufrieden“, sagte sie hinterher über ihren ersten Auftritt, den sie in 7,33 Sekunden bewältigte: „Ich war erleichtert - und es sind Tränen geflossen“. Tränen der Freude, darüber dass sie schmerzfrei über die Bahn gekommen war – und weil sich auch die Tage danach keine Beschwerden meldeten. „Leaving Karlsruhe with a big smile“ schrieb sie bei Instagram.

          Ihrer Bestleistung von 7,12 Sekunden lief sie zwar noch ein paar Schritte hinterher. Aber „Zeiten sind das eine“, das eigentliche Ziel sei es, vier, fünf Wettkämpfe ohne Probleme absolvieren zu können. Doch noch muss sie auch mit Rückschlägen umgehen: „Der Körper ist ohne mich gerannt“, analysierte sie ein paar Tage später ihr „kopfloses“ Rennen in Dortmund. Sie habe alles richtig machen wollen, und so ging vieles schief. „Der Tunnel hat gefehlt“, sagte sie, was zumindest den Vorteil hatte, dass sie all ihre technischen Fehler noch Tage später rekapitulieren konnte.

          „Ich habe mich auf der Stelle festgetreten“ erklärte sie bildhaft ihr Verhalten nach dem Startschuss. Ohne Vortrieb nutzte die hohe Schrittfrequenz nichts: „Es hat der Impuls nach vorne gefehlt.“ Schließlich richtete sie sich auch noch zu schnell auf, was dem Tempo ebenfalls nicht zuträglich war „Eine Kettenreaktion.“ Das Ziel erreichte Mayer nach 7,45 Sekunden, aber enttäuscht war sie vor allem, dass ihr kein technisch sauberer Lauf gelungen war.

          Der dritte Versuch beim Hallen-Istaf in Berlin war ebenfalls ausbaufähig. Auf ihr Gefühl danach angesprochen, zeigte sie mit dem Daumen hoch und runter, runter und hoch. Es sei „schwer, heute ein klares Fazit zu ziehen“, meinte sie. Diesmal konnte sie sich zwar keine gravierenden Fehler vorwerfen, doch richtig schnell war sie auch nicht. Dennoch glaubt die Gießenerin, die für das Sprintteam Wetzlar startet und mit ihrem Freund, dem 800-Meter-Läufer Marc Reuther in Frankfurt wohnt, mit viel Selbstvertrauen die finale Vorbereitung auf die Hallenmeisterschaft angehen zu können.

          „Zweifel tötet mehr Träume als Misserfolg“, nennt Lisa Mayer als Motto. Um diese auszuschließen versucht sie auch in Yogaübungen, „den guten Scheiß ein- und den Schwachsinn auszuatmen“. Lisa Mayer, einst als Sportstipendiatin des Jahres von der Sporthilfe besonders unterstützt, hat die lange Verletzungsphase zielführend genutzt, um ihr Bachelorstudium der Germanistik abzuschließen. Nun plant sie, ein Master-Studium anzuhängen, um ihrem Berufsziel im Journalismus näher zu kommen. Doch diesen Schritt will sie erst im Winter angehen, nach den Olympischen Spielen von Tokio und der Freiluft-EM in Paris.

          Zuvor gilt ihre Konzentration aber noch einmal dem ganz kurzen Sprint: Mit den deutschen Meisterschaften endet die kurze Indoor-Saison bereits, da die Hallen-WM in China dem Coronavirus zum Opfer fiel. In Leipzig muss sich Lisa Mayer an diesem Samstag nach Vorlauf und Halbfinale zum Abschluss des ersten Wettkampftages um 18.40 Uhr im Endlauf vermutlich gegen die Jahresschnellste Lisa-Marie Kwayie aus Neukölln sowie der beiden Paderborner Schwestern Yasmin und Keshia Kwadwo durchsetzen. Auch Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo dürfte im Kurzsprint nicht zu unterschätzen sein. Dagegen fehlen Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto, mit denen sie bei der EM 2016 ihren bislang größten internationalen Erfolg feierte - Bronze über 4x100 Meter. Ihre Erwartungen für Leipzig sind nun durchaus hoch: „Mein Ziel ist eine Medaille!“

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